Attisholz Nord

Gebäude werden entkernt für möglichst viele vermietbare Flächen

Auf der Industriebrache Attisholz Nord ist einiges in Bewegung. Es wird abgebaut. Gleichzeitig werden die Gebäude für neue Mieter fit gemacht. Möglichst viele vermietbare Flächen sollen entstehen.

Ein Jahr ist es her, als die Bevölkerung über einen Masterplan des ehemaligen Borregaard-Areals informiert wurde. Seither ist viel Wasser die Aare runtergelaufen, aber wenig passiert, könnte man meinen. Aber auf der Industriebrache im Gebiet Attisholz Nord ist einiges in Bewegung.

Der weithin sichtbare Kamin ragt an diesem Morgen in den Nebel hinein. Auf dem Areal Attisholz Nord verantwortet die Attisholz Infra AG die Entwicklung. Sie ist die ehemalige Borregaard Schweiz AG, einfach mit neuem Namen. Bereits sind etliche grössere Anlageteile, riesige Tanks und Maschinen abgebaut worden.

Es ist nicht mehr so unübersichtlich wie vor einem Jahr. Dafür gesorgt haben Spezialisten aus Spanien. Zu sehen sind an manchen Orten nur noch die Fundamente der Tanks. «Unser Ziel ist es, die Gebäude zu entkernen und von allen Anlagenteilen zu befreien, damit wir möglichst viele vermietbare Flächen erhalten», berichtet Geschäftsführer Lothar Kind.

Möglich sei auch, dass einzelne Anbauten abgebaut werden. Aber die riesigen Gebäude sollen bestehen bleiben, dies sei nach wie vor die Strategie. «Abbrechen generiert nur zusätzliche Kosten. Bevor man nicht weiss, was man eventuell dort bauen will, kann man diese Gebäude zwischennutzen. Das bringt neues Leben und neue Ideen.»

Rückzug von Attisholz Süd

Am meisten Erfolg hat die Attisholz Infra AG aktuell mit der Vermietung von Lagerflächen - auch auf der anderen Seite der Aare. Dort, im Industriegebiet Attisholz Süd, besitzt die Firma zwei riesige Landstücke mit jeweils über 30 000 m2 Industrieland.

Darauf stehen mehrere Gebäude, die sehr gut vermietet seien. Diese beiden Landstücke sollen so rasch wie möglich verkauft werden. Für ein Landstück ist bereits ein ernsthafter Interessent vorhanden. «Wir wollen uns vom Areal Attisholz Süd so schnell als möglich zurückziehen», erklärt Lothar Kind.

In Verzug geraten

Im Attisholz Nord ist die Ausgangslage um einiges komplizierter. Riedholz erhält erschliessungstechnisch einen neuen Dorfteil, war doch Attisholz Nord bislang in der Energie- und Wasserversorgung Selbstversorger. Dies erfordert vertiefte Absprachen mit der Gemeinde. Etwas in Verzug geraten ist man letztes Jahr mit dem Planungsprozess.

Ein Umstand, mit dem Lothar Kind leben muss. «Jetzt haben wir den Anschluss wieder geschafft. Die Planung ist auf dem Schlitten. Das räumliche Teilleitbild ist derzeit in Erarbeitung. Ich habe Verständnis, dass es Zeit braucht, muss sich doch Riedholz ortsplanerisch völlig neu orientieren. Die Gemeinde hat das nicht gesucht und muss nun damit fertig werden. Aber es kann auch eine grosse Chance für die Gemeinde und die Region sein.» Mit diesem Projekt werde wegen seiner Grösse Neuland für alle betreten.

Die Attisholz Infra AG will nicht selber Neubau-Projekte realisieren. Die Mutter, der norwegische Orkla-Konzern, will letzten Endes das Areal verkaufen. Ein erster Termin ist die Fertigstellung des räumlichen Teilleitbildes. Dann wird das Areal für Investoren und Arealentwickler wieder interessant. «Der Weg zu einer neuen Nutzung ist aber insbesondere auf dem heutigen Industrieareal lang und teilweise ökonomisch sehr anspruchsvoll. Es ist keine grüne Wiese, die bebaut werden kann.» Neubauten seien nicht einfach, weil das Gelände baubereit gemacht werden muss und topografisch schwierig ist. Dafür seien viel Potenzial und ein einzigartiger Charme vorhanden.

Rost und Arbeiter

Draussen auf dem Gelände gibt die Sonne inzwischen den Blick frei auf ein eigentümliches Szenario. Zwischen den riesigen Gebäuden liegen auf einem Platz schön sortiert die mit dem Schweissbrenner «mundgerecht» geschnittenen Teile. Eisenräder zu Eisenräder, Metallstreben zu Metallstreben, rostige Eisenschnitze zu rostigen Eisenschnitzen.

Plötzlich bewegt sich etwas mitten in den rostigen Teilen. Es sind Arbeiter, die zum Schutz vor den sprühenden Funken schwere braune oder schwarze Lederschürzen sowie Lederhosen tragen. Den Kopf schützt eine Art Roger-Staub-Mütze und ein Helm mit Augenbrille.

Zürcher Tram und Kosmetikstudio

Kaum vorstellbar, dass hier einmal normales Leben möglich sein soll. Aber geplant ist es. Jetzt sind Zwischennutzungen gefragt, mit einem Zeithorizont von ein bis mehreren Jahren. Attisholz Infra AG schafft mit dem Abbau der Anlagen vermietbare Flächen in den Gebäuden. Zu sehen sind die ersten kleinen Erfolge, wie das Zürcher Tram, dessen Besitzer nun einen Platz gefunden haben oder ein Kosmetikstudio. «Das ist ein Versuch. Wir wollen schauen, wie sich die Kundenfrequenz auswirkt.»

Denn eigentlich ist das Areal nach wie vor eine riesige Baustelle, auf der geschweisst, geschnitten und transportiert wird. Und manchmal wird es auch gefährlich, wie zwei glimpflich verlaufene Brände im letzten Jahr beweisen. In den nächsten Jahren sollen sich auch Gewerbetreibende einmieten können.

Auch andere haben das Gelände für sich entdeckt. «Film und Foto sind hoch im Kurs», so Kind. Musikgruppen nutzen das einzigartige, düstere Endzeitambiente, um Musikclips zu drehen. Fotokünstler fotografieren das Gelände. Filmszenen werden gedreht. «Wir können uns auch Aktivitäten wie Ausstellungen etc. vorstellen.»

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