Halten
Fusion mit Kriegstetten auf die lange Bank geschoben

Der Haltner Gemeinderat will momentan nichts von Fusionsgesprächen mit Kriegstetten wissen. Die Gemeinde habe immer noch emotional geladene Probleme und sei zurzeit als Fusionsgemeinde unattraktiv.

Urs Byland
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Die Bestrebungen einer Fusion von Oekingen, Halten und Kriegstetten sind vorerst gescheitert. Nachdem sich Oekingen dezidiert gegen eine Fusion aussprach, hat nun auch der Gemeinderat von Halten einen entsprechenden Entscheid gefällt. Mit 4 zu 1 Stimmen wurde im Gemeinderat der Antrag, mit Kriegstetten die Gespräche für eine Fusion aufzunehmen, bachab geschickt.

Schon einmal stand der Antrag zur Diskussion. Damals wurde er geschoben. Man wollte abwarten, bis «die Verhältnisse in Kriegstetten etwas ruhiger sind». Aus Sicht des Gemeinderates von Halten sind die Verhältnisse in der Zwischenzeit nicht wirklich ruhiger geworden. Im Protokoll der Sitzung ist nachzulesen, was stört: Kriegstetten habe immer noch diverse emotional geladene Probleme, die zuerst gelöst werden müssen. Kriegstetten scheine zurzeit nicht in der Lage zu sein, eine Fusion zu bewältigen. Kriegstetten weise momentan zu viele Baustellen auf und sei zum jetzigen Zeitpunkt als Fusionsgemeinde unattraktiv. Einige fürchten eine Abfuhr durch die Haltener Bevölkerung. Andere spüren keinen grossen Fusionsdruck. Konkret gegen eine Fusion spricht sich aber kein Gemeinderat aus.

Wie beurteilt Gemeindepräsident Eduard Gerber, der massgeblich für Fusionsgespräche eintritt, das Nein in seinem Gemeinderat? «Ich finde es natürlich schade, aber die vielen Wechsel im Gemeinderat von Kriegstetten haben meine Gemeinderäte offenbar verunsichert.» Er habe das Thema jetzt auf den Tisch bringen wollen. «Wenn wir etwas in dieser Amtsperiode erreichen wollen, dann müssen wir jetzt handeln.» Das Ende der Legislatur ist für Gerber ein wichtiger Termin, denn eine vierte Amtsperiode als Gemeindepräsident wolle er nicht mehr bestreiten.

Auf lange Sicht brauche es eine Fusion, ist er überzeugt. «Drei Gemeinden mit 764 Einwohnern in Oekingen, 866 in Halten und 1299 in Kriegstetten haben im Radius von 500 Metern je eine Gemeindeverwaltung. Die Primarschule und die Feuerwehr führen wir bereits gemeinsam. Die Kehrichtabfuhr auch teilweise.» Er könnte noch viele Beispiele von Zusammenarbeit aufzählen, aktuell seien ihm nun die Hände gebunden. Er werde aber auf jeden Fall nochmals einen Versuch starten.

Fehlt zum Glück der Vierte im Bunde?

Oekingen hat deutlich gemacht, dass eine Fusion nicht angestrebt wird. Dennoch stellt sich die Frage, ob diese Haltung auf ewig gilt. «Nein, sicher nicht. Das kann sich schnell ändern. Wir sehen heute einfach die Notwendigkeit für eine Fusion nicht», erklärt Gemeindepräsident Marcel Linder. Dies bedeute nicht eine Verweigerung auf immer und ewig. «Die Frage ist, in welcher Grösse und wie eine Fusion abläuft. Wir sehen
keine Vorteile in der Grösse der bisher angestrebten Fusion.» Oekingen mit weniger als 1000 Einwohnern biete klarere Vorteile als ein fusioniertes Dorf mit rund 3000 Einwohnern. «Es ist übersichtlicher, man kennt sich und wir können die Ämter besetzen. Das
haben wir im Griff.» Erst wenn eine fusionierte Gemeinde über 5000 Einwohner aufweise, würde es, so Marcel Linder, Sinn machen. Da müsste dann wohl auch Recherswil in die Fusion einbezogen werden. (uby)

Zerfallserscheinungen

In Kriegstetten wirbelt der Entscheid des Haltener Gemeinderates wenig Wind auf. Gemeindepräsident Manfred Küng gibt den Ball zurück. Insbesondere Eduard Gerber habe Fusionsgespräche angestrebt. «Ich wollte mich diesem Anliegen nicht verschliessen», sagt Küng. Erste Gespräche hätten bereits unter dem früheren Gemeindepräsidenten Peter Siegenthaler stattgefunden. «Damals sah es nicht nach einem grossen Problem aus.»

Küng will wie Gerber lieber frühzeitig die Problematik anpacken, «bevor man unter Handlungsdruck gerät». Aber er spüre noch wenig Herzblut für eine Fusion in seiner Gemeinde. Die vom Haltener Gemeinderat genannten Vorbehalte mag er nicht gross kommentieren. «Klar haben wir Baustellen. Etwa die von uns gekaufte Liegenschaft an der Hauptstrasse 52.» Das Areal wurde gekauft für das Projekt Wohnen im Alter. Küng befürchtet nun, dass der Kanton gegen einen Abbruch des Gebäudes ist. «Dann haben wir ein finanzielles Problem», sagt er. Ansonsten sieht Küng politische Zerfallserscheinungen «wie in anderen Gemeinden auch». «Früher rekrutierten sich die Gemeinderäte aus den Mitgliedern von Kommissionen. Heute sind die traditionellen Parteien bei uns im Gemeinderat gar nicht mehr vertreten.»

Siedlungsentwicklung ade?

Kantonspolitiker Küng sieht aber andernorts Probleme auftauchen. Kriegstetten habe im kantonalen Richtplan gerade noch eine Siedlungsentwicklung zugestanden erhalten. Man habe sich starkgemacht, dass die drei Gemeinden gleichwertig angeschaut werden. Ob das ohne Fusionsabsichten der beiden kleineren Gemeinden bestehen bleibt, sei fraglich.

Wirklich Sorgen mache er sich wegen der jetzt verpatzten Fusion nicht. «Man sollte die momentane Absage von Halten nicht zu hoch hängen.» Auch bei der Feuerwehr habe es mehrere Anläufe gebraucht.