Gemeindewasser
Für Flumenthal ist das Quellwasser kein Segen

Flumenthal hat zwei grosse Quellen, die unablässig Wasser produzieren. Eigentlich sollte das der Traum jeder Gemeinde sein. Doch fast 80 Prozent des Wassers geht sauber durch die Abwasserreinigungsanlage und genau da liegt das Problem.

Julian Perrenoud
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Fast 80 Prozent des Gemeindewassers, das ins Abwasser gelangt, sind sauber.om/archiv

Fast 80 Prozent des Gemeindewassers, das ins Abwasser gelangt, sind sauber.om/archiv

Eine eigene grosse Quelle, oder gar zwei, die unablässig Wasser produzieren - was kann sich ein Dorf mehr wünschen? Die Brunnen werden mit sauberem Trinkwasser gespeist, das beim Abfluss gleich noch die Rohre der Kanalisation reinigt. Doch genau hier liegt für Flumenthal die Krux:

Fast 80 Prozent des Gemeindewassers, das in die Abwasserreinigungsanlage (ARA) gelangt, ist sauber. Das bringt der ARA nichts. Das neue Gebührenreglement soll deshalb die Kosten anders verteilen, zum Leidwesen für Flumenthal. 44 Prozent des sogenannten Fremdwassers in der Gegend stammen aus ihren Quellen, was künftig Mehrkosten von 70000 Franken pro Jahr verursachen würde.

«Grosses Risiko»

Die Bau- und Werkkommission sieht sich zum Handeln gezwungen. Sie präsentiert eine Variante, mit der das Fremdwasser direkt in die Aare abgeleitet werden kann. Eine Leitung soll ab Quelle via Kirchgasse und Sportweg führen und gut 15 der 30 lokalen Brunnen einschliessen.

Ein Trennsystem entlang dieser Route wäre gewährleistet und mit dieser Variante liessen sich 250 Meter Leitung und Kosten einsparen. Das östliche Siedlungsgebiet könnte auch zu einem späteren Zeitpunkt an die Leitung angeschlossen werden. Einzig: Das Projekt ist teuer. Felix Steiner, Präsident der Bau- und Werkkommission, rechnet mit 750000 Franken, wobei gleich noch die Kanalisation günstig mitsaniert werden könnte, sind die Gräben erst einmal gezogen.

Das Wasser einfach in eine Sickergrube abzuleiten, erachtet Steiner als gefährlich: «Wir haben zu viel Wasser, das Risiko für das Gelände ist zu gross.» Gesamthaft müsste der Gemeinderat bereits 2013 statt 2014 fast eine Million Franken in die Hand nehmen.

Doch nur für 2014 sind 600000 Franken im Finanzplan vorgesehen. Die Finanzkommission rechnet dennoch damit, die Kosten dank der Gebühren und Einsparungen zu verkraften – obwohl diese Aussage «noch nicht wasserdicht ist». Verlaufen alle verbleibenden Vorarbeiten nach Plan, soll der Antrag im Dezember an den Souverän gelangen und bereits im Herbst 2013 abgeschlossen sein.

In knapp zehn Jahren dürften die Einsparungen der Fremdwasserkosten das Investitionsvolumen übersteigen.

Teurere Gesamtfeuerwehr

Wie steht der Gemeinderat zu einer gemeinsamen Feuerwehr im Unterleberberg? Das wollte Gemeinderat Hans Roth von seinen Amtskollegen wissen. Die heute drei Feuerwehren kosten jährlich etwa 485000 Franken, eine Gesamtfeuerwehr wäre mit 560000 bis 600000 Franken teurer.

Flumenthal müsste mehr bezahlen, da der neue Kostenschlüssel Gebäudeversicherungswert und Einwohnerzahl der jeweiligen Gemeinde berücksichtigt. Hingegen kämen Berggemeinden wie Kammersrohr billig davon. Das gefällt dem Gemeinderat nicht.

Wenn schon eine gemeinsame Feuerwehr, was laut Gemeindepräsident Christoph Heiniger unter dem Qualitätsaspekt sinnvoll wäre, dann nur mit anders aufgeteilten Kosten – etwa mit einem Sockelbeitrag für schwerer zu erreichende Gemeinden.

Doch nicht immer nur geht es um steigende Kosten: Der Bereich Bildung soll nächstes Jahr gut 80000 Franken einsparen, «und dies ohne grosses Streichkonzert», sagt Heiniger. Die vorhandenen Mittel würden sinnvoll eingesetzt. Und noch eine positive Meldung: Die neuste Arbeitslosenquote für Flumenthal ist publik: 1,91 Prozent. Heiniger: «Da würden sich einige europäische Länder die Finger lecken.»