Oensinger Zibelimäret
Für den Weltrekord reichte es beim Zwiebel-Wettessen nicht

Das Wettessen am Oensinger Zibelimäret vom Samstagnachmittag war ein grosses Gaudi. Zahlreiche bissen sich durch die mindestens 210 Gramm schweren Zwiebeln. Beinahe hätte es zum Weltrekord gereicht.

Julian Perrenoud
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Philipp Burri (r.) vermochte eine Zwiebel innerhalb von einer Minute zu verputzen – die Konkurrenz aus dem Küchenteam hatte das Nachsehen.

Philipp Burri (r.) vermochte eine Zwiebel innerhalb von einer Minute zu verputzen – die Konkurrenz aus dem Küchenteam hatte das Nachsehen.

Julian Perrenoud

Plötzlich rinnt Blut von seiner Nase, doch das ist ihm egal. Daniel Bobst stiert kauend ins Leere, die angebissene Zwiebel, 211 Gramm schwer, in den Händen. Dann beisst er wieder wie von Sinnen zu. Die Uhr tickt erbarmungslos. Kameras und Fotoapparate sind auf Bobst gerichtet, die Zuschauer klatschen, gleich ists geschafft. Sekunden später ist der Teller leer, der Rachen mit Wasser gespült. Bobst öffnet den Mund: Weg ist die Zwiebel.

Ein Weltrekordversuch ist es, den der STV Oensingen am diesjährigen Zibelimäret bietet. Freiwillige essen um die Wette, natürlich nicht irgendeine Speise, sondern riesige Zwiebeln. Bis vor kurzem lag der Rekord bei einer Minute und 27 Sekunden, doch dann verputzte ein Kanadier eine Zwiebel in 45,52 Sekunden. Obwohl die Herausforderung auf den ersten Blick einfach scheint, warnt OK-Mitglied Peter Boss: «Es ist wahnsinnig schwierig, in so kurzer Zeit so viel herunterzuschlucken.»

Da die Teilnehmersuche am Samstagnachmittag im beheizten Zelt erst schleppend vorangeht, tritt Boss gleich selber an. Obwohl er sich im schnellen Zwiebel-Essen geübt hat, vergehen ganze zwei Minuten und 38 Sekunden. Die Backen sind gerötet, die Augen wässrig. Ob ihm die Zurufe der Schaulustigen – «bisse, schlücke, bhalte» – wirklich geholfen haben?

Im Zwiebelfleisch wüten

Beim Wettessen geht es um Ruhm und Ehre, um den Schweizer-Meister-Titel oder gar den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. Dazu lockt ein gerahmtes Diplom und Oensinger Gewerbegeld im Wert von 175 Franken. Vor jedem Durchgang werden die geschälten Zwiebeln nochmals gewogen, leichter als 210 Gramm dürfen sie nicht sein. Gemeinsam wagt sich ein Pärchen an die tränenreiche Aufgabe. Während ihr Partner nach der Hälfte kapituliert, arbeitet sich Theresia Schüpbach Schale um Schale zum Ziel. Mit einer Zeit von 1:57 Minuten ist sie die schnellste Frau. Tosender Beifall, auch von ihrem Freund, der erschöpft zugibt: «Ich habs mir einfacher vorgestellt.»

Doch wer holt den Tagessieg? Philipp Burri, ein junger Mann mit schwarzer Jacke, ist sich nicht sicher, ob er teilnehmen will. Die vergangene Nacht war lang, der Morgen danach entsprechend. Er könne zwar viel und schnell essen, aber ob das reicht? Aus dem Küchenteam erhält er eine Kontrahentin. Und Burri ist schnell, sehr schnell sogar: Seine Zähne wüten im Zwiebelfleisch, schon ist die Hälfte weg, ein Schluck Wasser noch, sein Kollege ruft ihm zu, der Weltrekord liegt noch drin. Doch die Sekunden ticken erbarmungslos. Beinahe wäre Burri die Zwiebel und einiges mehr wieder hochgekommen, doch alles geht gut, die Uhr stoppt bei 1:05 Minuten – neuer Schweizer Rekord und zweitschnellste Zeit weltweit. Ein Mann applaudiert anerkennend: «Dä het gässe wiene Wildsou!» Und wie wars? «Ein geiles Gefühl, so in eine Zwiebel zu beissen», sagt Burri. Eine halbe Stunde später wird er nochmals zubeissen und seine Zeit um fünf Sekunden unterbieten.

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