Auf einen Kaffee mit...
Für den 1.August-Brunch wird der Bauernhof zum kleinen Logistikunternehmen

Rita Stüdeli hält trotz viel Aufwand und wenig Ertrag am 1.-August-Brunch fest. Der Allmendhof in Bellach ist damit einer von immer weniger Bauernhöfen, die einen Brunch noch anbieten.

Theodor Eckert
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Ruhe vor dem (An-)Sturm: Eine entspannte Rita Stüdeli am Dienstag beim Kaffee auf dem Allmendhof.

Ruhe vor dem (An-)Sturm: Eine entspannte Rita Stüdeli am Dienstag beim Kaffee auf dem Allmendhof.

Hansjörg Sahli

Zurück zu den Wurzeln: Wer ein richtiger Eidgenosse ist, gönnt sich am 1. August einen währschaften Brunch auf einem Bauernhof. Den Nationalfeiertag in ländlicher Umgebung zu starten, ist nach wie vor äusserst beliebt. Zumindest bei denen, die sich bloss zu Tisch setzen wollen, um Rösti, Zopf, Chäs und Most zu geniessen. Bei denen, die als Gastgeber das Gelage organisieren und durchführen müssen, sieht es indes etwas anders aus.

Als die Idee vor zwanzig Jahren erstmals umgesetzt wurde, machten 535 Bauernbetriebe mit. In diesem Jahr sollen es gemäss Bauernverband lediglich noch 364 sein. Diese bieten allerdings unter dem Strich nicht weniger «Futterplätze» an. Doch woran liegt es, dass das Angebot derart markant geschrumpft ist? Spurensuche auf dem Allmendhof in Bellach.

Rita Stüdeli ist kurz vor dem diesjährigen 1. August bereits seit Wochenbeginn gehörig im Schuss, auch wenn es sich 62-Jährige nicht anmerken lässt. Die Routine gibt ihr die nötige Sicherheit. Sie nehme die ganze Übung jetzt bereits zum zehnten Mal in Angriff. Erwartet werden wiederum um die 350 hungrige Besucher. Um deren Erwartungen zu erfüllen, managt die Bäuerin quasi ein kleines Logistikunternehmen.

Dazu zählt die gesamte Bauernfamilie Stüdeli mit Mann, Sohn, zwei Töchtern und deren Anhang sowie weiteren zwanzig treuen Helferinnen und Helfern, die meist schon seit Jahren mit anpacken. «Das erleichtert die Durchführung massiv, wir sind ein eingespieltes Team, das sich auch in hektischen Situationen nicht so schnell aus dem Konzept bringen lässt», erzählt Stüdeli stolz. Und hektisch kann es durchaus werden, wenn alle Mäuler innert zweier Stunden gestopft werden wollen.

Weshalb geben viele auf?

Nun aber Hand aufs Herz, Frau Stüdeli, weshalb streichen derart viele Bauern die Segel und verabschieden sich aus diesem Geschäftszweig? Überrascht Sie diese Entwicklung? «Eigentlich nicht», kommt es spontan. «Dieser Anlass ist mit enorm viel Aufwand verbunden und in einigen Fällen dürfte es auch an der nötigen Erfahrung gefehlt haben.» Zudem seien diverse Betriebe wohl anfänglich von der Euphorie getragen, zu optimistisch gewesen und hätten in der Folge ernüchtert feststellen müssen, dass unter dem Strich tatsächlich wenig übrig bleibt.

Und schliesslich kommt noch ein weiterer, nicht uninteressanter Aspekt zur Sprache: Nicht wenige Bäuerinnen würden neben ihrer Tätigkeit auf dem Hof zusätzlich einer externen Arbeit nachgehen. Daher wollten oder könnten sie diesen Zusatzaufwand gar nicht bewältigen. In ihrem Fall sei das eben anders, sie sei zu Hause und könne sich entsprechend engagieren.

So organisiere sie nicht bloss am 1. August einen Brunch. Im Durchschnitt sei jeden zweiten Sonntag etwas los, wenn auch in deutlich kleinerem Rahmen. Zwischen 30 bis 70 Personen werden dann jeweils verköstigt. Dieses Angebot habe sich inzwischen zu einem wichtigen Standbein entwickelt. Gleichzeitig deponiert die Bäuerin an, dass es sich auch in ihrem Fall nicht um das grosse Geschäft handle, besonders wenn man alle Stunden im Vorfeld und im Nachhinein aufrechnen würde.

Ein Erfolgsgeheimnis?

Was machen denn Stüdelis unter dem Strich trotzdem besser als all die Resignierenden? «Einige Punkte habe ich bereits erwähnt. Zudem muss man sich eine geeignete Infrastruktur schaffen. Wir haben zum Glück genügend Platz und auch Material, das nicht ständig zugemietet werden muss, was wiederum Kosten verursacht.»

Aus diesem Grund verzichte man inzwischen auch auf eine Musikgruppe, die rasch einmal 700 Franken verschlinge. Das sei übrigens kein Kritikpunkt bei den Gästen, die würden sich ohnehin lieber selber unterhalten. Apropos Gäste, werden die nicht immer anspruchsvoller? Nein, meint sie, diese Beobachtung könne sie nicht machen. Aber natürlich gebe es immer auch solche und andere. Andere? «Ja, solche, die übermässig profitieren wollen. Die ihre Teller überladen und dann nicht ausessen. Aber das sind wirklich Ausnahmen.»

Ob es denn auch solche gebe, die sich am Buffet gleich die Säcke füllten, um Essen nach Hause zu schleppen, wollen wir wissen. Rita Stüdeli lacht herzhaft: «Nein, das habe ich bisher noch nicht erlebt oder zumindest nicht beobachtet.»

Genug der Worte, auf dem Allmendhof sind jetzt Taten gefordert: Schopf ausräumen, Bänke aufstellen, unzählige Kartoffeln rüsten, feines Brot und schmackhafte Zöpfe backen – auf einen gemütlichen 1.-August-Brunch.