Langendorf
Für acht Kinder dreht sich in der Gemeinde Langendorf alles um die Wurst

Im Rahmen des Ferienpasses lernen Kinder das Wursthandwerk kennen und stellen selber Bratwürste her. Von Berührungsängsten mit dem rohen Fleisch ist keine Spur zu sehen, mit viel Elan sind die Kinder bei der Sache.

Claudia Hofer
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Im Cutter werden die Fleischstücke zu einer glatten Masse gestückelt
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Die Kinderschar beobachtet gespannt, was Produktionsleiter Eugen Vogt mit der Fleischmasse macht
Die Wurst in die Schweinehülle abfüllen ist schwieriger als man denkt
Es gibt viel zu sehen
Ferienpässler stellen in Langendorf Würste her
Ohrenschutz ist wichtig. Die Hackmaschine macht höllisch Lärm.
Adrian ist in die Arbeit vertieft
Eugen Vogt stellt mit dem Vakuumfüller Chipolatas her
So viele Eindrücke machen hungrig. Zur Stärkung gibt es Wienerli und Weggli.

Im Cutter werden die Fleischstücke zu einer glatten Masse gestückelt

Claudia Hofer

«Wär wett aues es Wienerli?», fragt Remo Meier, Geschäftsleiter der Metzgerei Fischer in Langendorf. Um 11 Uhr, so kurz vor dem Mittag, ist das gar keine Frage. Erwartungsgemäss lässt die einstimmige Antwort der Kinderschar nicht lange auf sich warten.

Fünf Minuten später beissen acht kleine Metzger, ganz professionell in weisse Schutzanzüge gekleidet und mit Häubchen auf dem Kopf, ins frische, warme Wienerli. Dazu ein ofenfrisches Weggli – ein kulinarisches Highlight für sie an diesem Morgen. Der Ausflug in die Fleischproduktion der Metzgerei Fischer in Langendorf hat aber auch hungrig gemacht. Schliesslich waren die Kinder wichtige Helfer bei der Verarbeitung von rund 50 Kilogramm Fleischbrät zu Wurstwaren und Fleischkäse.

Nicht aus der Supermarktregal

«Milch kommt nicht aus dem Tetrapack, ebenso wachsen Würste nicht auf Bäumen», erklärt Geschäftsleiter Remo Meier seine Beweggründe, warum er erstmals beim Langendörfer Ferienpass mitmacht. Neben dem einmaligen Einblick ins Metzger-Handwerk «lernen die Teilnehmer, was in den Würsten auf ihren Tellern überhaupt drinsteckt», erklärt der Fachmann. Und: «Für eine gute Wurst braucht es nicht nur Hände, sondern auch Köpfchen.»

Aufmerksam beobachten die Kinder zwischen 6 und 14 Jahren, wie Produktionsleiter Eugen Vogt 20 Kilogramm Fleischmasse und eine schalengrosse Portion Gewürzmischung in den «Blitz» (Hackmaschine) gibt. Meier verteilt Ohrenstöpsel, bevor der «Blitz» losdonnert und seinem Namen alle Ehre macht.

Er zerhackt das Fleisch mit 3500 Umdrehungen pro Minute zu einer glatten Masse. Diese muss zwischendurch eisgekühlt werden, damit sie sich nicht über 14 Grad Celsius erhitzt. «Sonst verbrennt das Eiweiss und die Masse fällt auseinander», weiss Meier. Nach einigen Minuten kommt der Fleischklumpen in den «Spitzer», auch Vakuumfüller genannt. Die Kinder dürfen jetzt selber Hand anlegen und füllen mit dem Spitzer portionenweise die Fleischmasse in Schweinedärme.

Zig Kalbs- und Bauernbratwürste von Hand nachdrehen

«Dafür braucht es ein Gespür», weiss Meier «denn gerne platzen die feinen Hüllen oder die Wurst ist nicht kompakt genug und wird dadurch schrumplig.» Dieser Erfahrung entgehen auch die Kinder nicht und dürfen zig Kalbs- und Bauernbratwürste von Hand nachdrehen.

Von Berührungsängsten mit dem rohen Fleisch keine Spur. Im Gegenteil, reges Treiben und Freude herrschen. Bevor die Würste von den Kindern abgepackt werden, kochen sie im Wasserbad bei exakt 72 Grad und kühlen anschliessend im Kaltwasser aus. «Die Einhaltung der Temperatur ist wichtig, damit Keime keine Chance haben», erklärt Meier.

Der Morgen ist im Flug vorbei, Wissensdurst, Neugierde und Hunger sind gestillt. Als kurzlebige Erinnerung dürfen die Kinder frischen Fleischkäse sowie vier Bratwürste mitnehmen. E Guete!

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