Auch nach über dreissig Jahren Berufserfahrung ist es für Michele Cesta jedes Mal spannend, wenn er die Türe von einem seiner Brennöfen öffnet. Denn der Keramiker arbeitet mit Ton, einem naturbelassenen Produkt, das er Temperaturen von mehr als tausend Grad aussetzt, damit es fest wird, dabei aber genau jene Form behält und jene Farbe bekommt, wie er es sich vorgestellt hat. «Wenn dann alles so ist, dann ist es immer ein bisschen wie Weihnachten», sagt Cesta.

Unvorstellbar jedoch sei es für ihn als Bub gewesen, dass er einst mit Ton arbeiten würde. Obwohl die Voraussetzungen dazu gegeben waren. Denn in Calitri, einem Ort weit ab östlich von Neapel in den Bergen Kampaniens gelegen, wo Michele Cesta 1955 zur Welt gekommen war, habe es sehr viele Töpferwerkstätten gegeben, in denen Geschirr für den Alltag hergestellt wurde. «Arbeit gab es aber in der Region damals wie heute nicht viel, daher zog meine Familie wie viele andere in die Schweiz», erzählt Cesta. So ging er dann ab 1966 in Oberbuchsiten zur Schule, lernte so schnell wie möglich deutsch und wollte am liebsten Grafiker werden.

Weil er keine Lehrstelle fand, entschied er sich für eine Ausbildung als Porzellanmaler in der Porzellanfabrik Langenthal. Dabei entdeckte er seine Liebe zu Formen und zum Gestalten und besuchte daher die Keramikfachklasse in Bern. «Meine Eltern konnten dies nicht verstehen, warum ich meinen – zumindest damals – sicheren Job in der Porzi aufgab. Für sie war Ton im Grunde halt einfach Dreck.» Gleich nach der Ausbildung eröffnete er 1984 in Langenthal ein eigenes Atelier, damit er an seinen eigenen Ideen arbeiten konnte.

Sein Ziel: Gefässe schaffen, die sich nicht durch Schnörkel auszeichnen, sondern durch eine klare Form und durch ihre Oberflächengestaltung. Er konzentriert sich auf Gefäss-Unikate in Steinzeug und Porzellan sowie Kleinserien von Gebrauchskeramiken. Seine Werke fanden – und finden - nicht nur Beachtung bei nationalen und internationalen Ausstellungen, sondern wurden auch ausgezeichnet, unter anderem mit Werkbeiträgen des Kantons Bern. Beim ersten CH-Keramikwettbewerb, durchgeführt 1993 in Solothurn zum Thema «Das Gedeck», erhielt Cesta den ersten Preis.

Trotz des Erfolges hielt er sich in der Folge zurück bei Wettbewerben. «Da sind in der Regel Themen vorgegeben, das liegt mir nicht. Ich verfolge meine eigenen Ziele und bleibe ihnen treu», erklärt Cesta. Das wiederum hat seinen Preis, indem er mit seinen Gefässen nicht die breite Masse ansprechen kann, dafür überzeugen sie umso mehr die Kenner und Sammler im In- und Ausland. Bei einer Ausstellung in Freiburg im Breisgau schrieb ein Sammler: «Die ausschliesslich scheibengetöpferten Gefässe zeigen Perfektion, instinktives und gezügeltes Können, sind fantasievoll und streng zugleich.»

Wenn Michele Cesta über seine Arbeit spricht, so spürt man seine Begeisterung und Überzeugung. Das kommt ihm zugute als Keramikfachlehrer an diversen Schulen in Bern und Langenthal. Auch erteilt er Kurse, und zwar dort, wo er seine Laufbahn im Bereich Keramik begonnen hat: Auf dem Areal der «Porzi» Langenthal, in der «Trafostation 1». Kinder, Jugendliche und Erwachsene können dort das Gefühl miterleben, was «fast wie Weihnachten» bedeutet, nachdem Michele Cesta die Türe zum Brennofen geöffnet hat.