Etwa einmal im Jahr können wir ein etwas grösseres Projekt realisieren. Diesmal ist es ein Kreiselschmuck.» Peter Probst scheint mit der Arbeit seines Teams zufrieden. Auf dem Firmengelände ausgangs Derendingen stehen zwar immer etwas seltsame Formen und Figuren herum. Noch nie war es allerdings ein Bergkristall in der Höhe eines Hauses. «Das ist jetzt doch eine etwas ungewöhnlichere Arbeit», lacht Probst. Auftraggeber ist ein Coop-Baumarkt in Heimberg bei Thun, der seine Zufahrt künftig mit diesem Emblem schmückt.

Kanus aus glasfaserverstärktem Kunststoff

Im Kunststoffbau hat Peter Probst inzwischen über 30 Jahre Erfahrung. Eigentlich ist er gelernter Giesserei-Technologe und arbeitete zuerst im elterlichen Betrieb, der immer noch als Sparte des Derendinger KMU existiert. Zum Kunststoffbau kam Probst über seine sportlichen Aktivitäten. Der elffache Schweizer Meister, zweifache Europacup-Sieger und Gewinner von zweimal WM-Silber im Kanu-Fahren hat nämlich seine Boote stets selber gebaut. Aus der Ausweitung des Bootsbaus für Sportkollegen wurde am Ende eine Firma, die heute unter anderem jährlich etwa 150 Kanus aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) baut. Tourenboote sind ab etwa 1000 Franken erhältlich.

Als Präsident der Solothurner Kajakfahrer ist Probst noch immer am Puls des Geschehens. Gerade hat er ein neues Abfahrtsboot für Melanie Mathys fertiggestellt. Die Junioren-Weltmeisterin der Jahre 2009 und 2011 ist gelegentlich im Atelier anzutreffen, wo sie selbst Hand anlegt, um ein Kanu nach ihren Bedürfnissen einzurichten.

Überdimensionierter Zitronenschnitz

Daneben entsteht allerdings etwas ganz anderes: ein überdimensionierter Zitronenschnitz, der künftig Werbefahrzeuge für einen Brauereikonzern zieren soll. «Die Aufträge fürs Marketing und die Werbewirtschaft sind für uns ein wichtiges Standbein geworden», erläutert Sohn Thomas Probst, der seit zwei Jahren im Betrieb mitarbeitet und für Modellbau und Technik verantwortlich ist.

Firmenlogos in 3-D-Ausführung, originelle Aufbauten für Tour-de-Suisse-Begleitfahrzeuge, Messebau-Projekte, Verkaufsstände: GFK, auch Duroplast genannt, erweist sich als vielseitiger Werkstoff. Das kleine Unternehmen mit sieben Angestellten kann flexibel reagieren. «Wir machen praktisch alles als Just-in-time-Produktion», erklärt Probst. Insbesondere für grössere Objekte sei der GFK-Bau die Methode der Wahl, insbesondere in der Serienproduktion. Ab einer gewissen Objektgrösse seien 3-D-Drucker nicht mehr einsetzbar, bzw. nicht konkurrenzfähig.

Hält hohe Beanspruchungen aus

Ein Objekt beginnt mit einem Modell im Massstab 1:1. Von diesem Modell wird meistens eine mehrteilige Negativform abgezogen. In dieser Negativform werden mit verschiedenen Harzen (Polyester, Epoxydharzen) und Verstärkungsmaterialien (Glasfaser, Karbon, Kevlar) die meist farbigen Formteile hergestellt. Je nach Schichtdicke entsteht nach dem Aushärtungsprozess ein leichtes, starkes Laminat, das sehr hohe Beanspruchungen aushält. Mit einer Negativform können fast unbegrenzt viele Teile hergestellt werden.

Nicht ganz unproblematisch ist der Umgang mit den Lösungsmitteln im Kunststoff. «Die Dämpfe, die man schon in kleinster Konzentration sehr gut riecht, sammeln sich zum Glück am Boden an», erklärt Probst. Die Arbeitsräume müssten aber gut belüftet sein.

Übergang zur Serienproduktion

Inzwischen ist man gar zur industriellen Serienproduktion übergegangen. Carrosserie Hess hat vor drei Jahren die Produktion von GFK-Radkästen für ihre Busse an die Probst AG ausgelagert. Diese Teile werden mit dem Faserspritzverfahren hergestellt. Dabei wird das Harz und die Glasfaser im Hochdruckverfahren auf die Form gespritzt. Auch weitere Busteile wie Cockpit- und Dachaufbau-Verkleidungen fertigt Probst für den Bellacher Bus-Produzenten.

Künstler und (Innen-)Architekten kommen gelegentlich vorbei, um ihre Entwürfe umsetzen zu lassen. Spektakulär sehen beispielsweise LED-illuminierte Gefässe mit hängenden Bäumen im neuen Credit-Suisse-Firmengebäude in Gümligen aus. Die Beleuchtung wurde gleich mitgeliefert, auch für den neuen Kreisel in Heimberg. In Aarberg stehen bereits zwei weitere Kreisel-«Monumente», die auf die Zuckerfabrik aufmerksam machen. Der Firmenkatalog zeigt zahlreiche weitere GFK-Anwendungen, von der Fassadenverkleidung über den Flüssigkeitstank bis zur bemalten Kunststoff-Schnecke für den Garten.

Stetiges leichtes Wachstum

Eine klassische Anwendung sind schliesslich Geräte für Kinderspielplätze (z. B. Rutschbahnen). Auch Service-Arbeiten bietet das Unternehmen an. Lecke Tanks oder Schwimmbäder lassen sich mit GFK gut reparieren.

Und schliesslich wird auch die Metallgiesserei noch fortgeführt. Hier gehört die Maschinenindustrie in der Region zu den Kunden, aber auch Einzelstücke werden gegossen, zurzeit ein Satz «historische» Kandelaber für die Luzerner Altstadt. «Die Abteilung hilft uns, auf Nachfrageschwankungen reagieren zu können. Mal läuft es im Kunststoff besser, mal im Aluguss», erklärt Juniorchef Thomas Probst. Wobei anzufügen ist, dass im Moment beide Bereiche gut ausgelastet sind. «Man kann sagen, es geht uns gut», meint Peter Probst. Das habe er vor allem auch seinem Mitarbeiterteam zu verdanken. Die meisten seien langjährige Angestellte mit reicher Berufserfahrung. Da der Kunststoffbauer kein eigener Beruf ist, werden sie on the Job ausgebildet.

Umsatzzahlen gibt die Familienfirma keine bekannt. Sie sei aber in den letzten Jahren immer leicht gewachsen. «Wir konnten alle zwei bis drei Jahre wieder eine weitere Person anstellen», erklärt Thomas Probst.