Die Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert muss in Berlin eine Epoche voll kecker Einfälle gewesen sein. Der 1866 geborene Komponist Paul Lincke nahm Jules Vernes Abenteurerroman «Von der Erde zum Mond», die Offenbach-Operette «Eine Reise zum Mond» und wohl auch den gesamten wissenschaftlichen Aufbruch zum Anlass, seine zweiaktige Operette zu schreiben. Nach einer Uraufführung 1899 fand die Premiere der Endfassung 1922 statt.

«Ganz Berlin befand sich damals im Mond-Fieber», führte Melanie Gehrig ihr Publikum in das mit vielen musikalischen Hits gespickte Stück ein. Sie inszeniert die fünf geplanten Aufführungen von «Frau Luna». Zackige Märsche wie «Das macht die Berliner Luft ...» wechseln sich mit Polka-Rhythmen und Wiener Walzern sowie humorvollen und teilweise poetischen Texten ab.

Die in der Wortwahl mit typischer «Berliner Schnauze» angereicherten Szenen der Operette habe sie auf hiesige Verständlichkeit hin abgewandelt, berichtete Gehrig von ihrer Version der Operette, die auf romantische Verklärtheit verzichte.

Mond ist kein Vergnügungspark

Es geht um eine Mondfahrt mit dem Ballon, bei der offenbleibt, ob sie real oder nur geträumt stattfindet. Denn der Mechaniker Fritz Steppke (Tobias König) entwickelt mit seinen Freunden Lämmermeier (Stephan Ruch) und Pannecke (Herman Gehrig) die Idee, in Begleitung von Vermieterin Pusebach (Renate Engesser) zum Mond zu fliegen.

Bei ihrer Landung erkennen sie aber, dass der Mond nicht der erwartete Vergnügungspark, sondern der Erde ziemlich ähnlich ist. Empfangen werden sie nicht vom Mann im Mond, sondern von der von Prinz Sternschnuppe (Peter Bader) heiss verehrten Frau Luna (Anna Vichery), die sich aber in Steppke verliebt.

Dessen auf den Mond nachgereiste Verlobte Marie (Janine Stauffiger) ruft allen in Erinnerung, dass Traumwelten, die auf dem Mond liegen, Erdenbewohnern kaum Glück bringen. Frau Lunas Zofe Stella (Melanie Braun), die mit Mond-Hofmeister Theophil (Roger Bucher) liiert ist, wünscht sich sogar ein Leben auf der Erde. Zum Schluss finden unter fröhlicher Beteiligung der Mondelfen (Chor Crescendo) die richtigen Paare zusammen.

Eine Woche Sommermusik

«Diesmal betreiben wir nicht den im Zweijahresturnus üblichen grossen Aufwand», erklärte Hermann Gehrig, künstlerischer Gesamtleiter der Bühne Burgäschi. Dieser sei den im Sommer 2015 geplanten Aufführungen von «Der Vogelhändler» vorbehalten. Fünf Mal von 27. Juni bis 5. Juli wird «Frau Luna» in der gedeckten Halle des Burghofs der Familie Ernst Aeschlimann in Burgäschi aufgeführt.

«In Vorbereitung des nächsten Jahres wollen wir unseren Einsatz, der ein Kammerensemble unter der Leitung von Reimar Walthert einbezieht, überblickbar gestalten», erläuterte Gehrig. Gedacht ist übrigens auch an Singfreudige, die sich am Sonntag, 29. Juni, um 18 Uhr zu einem Offenen Singen in der Kirche Seeberg treffen.

Ticketbestellungen online unter www.burgaeschi.ch oder telefonisch (Mo-Fr, 14-17 Uhr, 032 674 42 82/83).