Lyssach

Frauenpower auf der Akropolis: Kein Sex, bis der Krieg beendet ist

«Wir wollen sein ein einig Bund von Schwestern»: Mit diesem Schwur verweigern sich die Frauen ihren Ehemännern.

«Wir wollen sein ein einig Bund von Schwestern»: Mit diesem Schwur verweigern sich die Frauen ihren Ehemännern.

Als Jubiläumsstück zum 30-jährigen Bestehen führt «Die Bühne Lyssach» die Aristophanes-Komödie «Lysistrata» auf. Mit ihrer in einem Schwur festgehaltenen Verweigerung ehelicher Pflichten beenden die griechischen Frauen den Peloponnesischen Krieg und zwingen so ihre Männer zum Friedensschluss.

Der Blick in die Antike in Griechenland lässt glauben, dass hier nur erhabenste und kulturell anspruchsvolle Themen in Philosophie, Politik, Kunst und Dichtung behandelt wurden. Doch Aristophanes (445 bis ca. 385 v. Chr.) nahm in seinen Komödien die damals zeitgenössischen Vorgänge aufs Korn und sorgte in seinen Darstellungen – mal sprachlich mit geschliffenem Stilett, mal deftig wie mit dem Dreschflegel – dafür, dass alle Akteure ihr Fett abbekamen. Er scheute sich nicht, mit seiner Lästerzunge Vorgänge im damaligen Athen anzuprangern und beteiligte Personen der Lächerlichkeit preiszugeben.

Seit der Renaissance sind die noch erhaltenen neun Aristophanes-Stücke häufig übersetzt und mit dem jeweiligen Zeitgeist durchwoben worden. Für die Bühne Lyssach hat Schriftstellerin und Schauspielerin Christine Heiniger eine berndeutsche Neubearbeitung geschaffen, die sich landläufig derber, aber auch anmutiger Ausdrucksweisen in munterer Respektlosigkeit bedient. Vor allem aber spiegelt ihre «Lysistrata» auch heutige Probleme, die in sprachlich würzigen Anspielungen einfliessen. Regisseur Kurt Frauchiger inszeniert die Komödie als unterhaltsamen Machtkampf zwischen den Geschlechtern.

Lysistrata, deutsch «die Heeresauflöserin», ist eine gebildete Athenerin, die Johanna Zaugg im Schauspiel mit messerscharfem Verstand und Charisma darstellt. Sie überzeugt Frauen aus dem ganzen Land, dass diese ewigen Kriegszüge und vor allem der Bruderkampf zwischen Athen und Sparta um die Vorherrschaft weder Land noch Menschen nützen. Mit ihrem Schwur «Wir wollen sein ein einig Bund von Schwestern» wollen sich Vertreterinnen aller Landesteile, die sich in «Frauenpower» auf der Akropolis versammelt haben, ihren Ehemännern und deren erotischen Gelüsten so lange verweigern, bis endlich ein Frieden zustande kommt.

In grotesken Situationen verbünden sich weise ältere Frauen mit diesem Anliegen, das von einer Riege älterer Männer lautstark bekämpft wird. Mit Aussagen wie «Staatsgeschäfte sind Männersache» wollen sie das aus ihrer Sicht «pazifistische Geleier» der «Emanzen»-Bewegung schnell ausser Kraft setzen. Darin allerdings haben sie sich getäuscht. Die liebeskranken Ehemänner – frivol, wie in der antiken Komödie üblich, mit hervorragendem «bestem Stück» gekennzeichnet – sind bald zu Zugeständnissen und zur Versöhnung bereit, um nach langem «Notstand» ihre Leidenschaft wieder ausleben zu können.

Keinesfalls aufwendig ist die Gestaltung des Bühnenbildes, das einen stilisierten Tempel als Rückzugsort der Frauen zeigt. Kostümbildnerin Eveline Rinaldi lässt die weiblichen Heldinnen in moderner, zumeist roter Bekleidung auftreten, während sie Mann und Bauch mit einer Toga umgürtet. Leichtigkeit verleiht dem possenhaften Spiel die Musikbegleitung durch Otto Spirig, der Sirtaki-Tänze, Theodorakis- und Udo-Jürgens-Kompositionen zu einem eingängigen Cocktail mischt.

Aufführungen im MEZWAN Lyssach:

heute, 27.4., 17 Uhr; dann am 30.4., 2./3./4./6./9./10./11. Mai (jeweils 20 Uhr, an den Sonntagen um 17 Uhr). Telefonische Kartenbestellung 079 852 13 07 oder über www.buehne-lyssach.ch.

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