Luterbach
«Forrest Gump» lässt grüssen: Solothurner planen Garnelenfarm

Ein Cleantech-Start-up will in Luterbach eine Garnelenfarm für weisse Tiger-Shrimps aufbauen. Die Unternehmer möchten eine frische und ökologische Alternative zu den importierten Garnelen bieten. Das Projekt geht nun in eine einjährige Testphase.

Urs Byland
Merken
Drucken
Teilen
Von links: Thomas Tschirren und Rafael Waber gründeten mit Kollegen die Firma SwissShrimp und wollen Garnelen zum Verzehr produzieren. Beim Aufbau der Firma hilft die Innostep AG mit Christoph Dobler.

Von links: Thomas Tschirren und Rafael Waber gründeten mit Kollegen die Firma SwissShrimp und wollen Garnelen zum Verzehr produzieren. Beim Aufbau der Firma hilft die Innostep AG mit Christoph Dobler.

uby

Eigentlich wollte Christoph Dobler vom Verein Innostep nur das neue, noch leer stehende Gebäude zeigen, das einen Startpunkt (eine Art Gründerzentrum) für neue Firmen im Bereich der sauberen Energie darstellt. Aber zum Termin konnte Dobler auch schon eine Mieterin von einem der Büroräume präsentieren. «Es ging völlig einfach und unkompliziert. Wir meldeten uns bei Innostep und hatten innert kürzester Zeit den Schlüssel für die Büroräumlichkeit in der Hand», berichtet Rafael Waber. Zusammen mit vier weiteren Kollegen aus der Region will der Bellacher die Firma Swiss Shrimp aufbauen.

Innostep und Startpunkt

Der Verein Innostep (Mitglieder sind Gemeinden, Private und Unternehmen) baut zusammen mit der AEK AG Solothurn und der Fachhochschule Nordwestschweiz einen Startpunkt für Cleantech-Start-ups auf. Die AEK ist für die Liegenschaft besorgt, die sich vis-à-vis dem Wylihof angrenzend ans Borregaard-Areal befindet. Im gelben Haus wurden die beiden oberen Stockwerke umgebaut und sechs Büroräume geschaffen. Die Fachhochschule Nordwestschweiz ist der Technologiepartner. Start-ups können dort Rat zu technischen Fragen einholen. (uby)

Zuerst einmal profitiert das sich im Aufbau befindliche Unternehmen vom günstigen Mietzins im «pfannenfertigen» Büro. Nicht unwesentlich, denn die fünf Firmengründer träumen erst von ihrem Garnelenunternehmen, davon leben können sie noch nicht. «Wir halten uns mit anderen Jobs über Wasser», sagt Waber. «Wir hätten sonst kein Büro gemietet», ergänzt Thomas Tschirren, «jetzt, wo wir eines haben, sehen wir, wie wichtig es ist. Das Projekt erhält sofort eine ganz andere Ausstrahlung, auch für uns.»

Sie würden aber auch vom Netzwerk der Innostep (siehe Kasten oben) profitieren. «Bei Fragen sind wir schnell in der Politik oder in der Wirtschaft», erklärt Waber. Sollten weitere Start-ups hinzukommen, würde dies sicherlich zu einer gegenseitigen Befruchtung führen.

Zuerst wird Testanlage gebaut

«Wir setzen in diesem Startpunkt auf nachhaltige und wirtschaftliche Projekte aus dem Cleantech-Bereich», erklärt Christoph Dobler die Kriterien. Dabei ist die AEK der Partner für die Räumlichkeiten und die Fachhochschule Nordwestschweiz der Technologiepartner.

SwissShrimp

Fünf Solothurner haben sich auf den Weg gemacht, in der Schweiz Garnelen zu züchten und zu verkaufen. Mit dabei sind Thomas Tschirren, Subingen, Informatiker, Rafael Waber, Bellach, Marketingleiter, Michael Siragusa, Langendorf, Chemiker, David Misteli, Gerlafingen, Landwirt, sowie Jörg Bruppacher, Solothurn, Gestalter. Bruppacher und Waber organisierten auch die Messe «Authentica» im Kapuzinerkloster zusammen mit Urs Bucher. (uby)

Ist die Aufzucht von Garnelen (Shrimps oder Crevetten) ein Cleantech-Betrieb, nachhaltig und wirtschaftlich? «Unsere Vision ist es, frische Garnelen anzubieten. Die heute in der Schweiz verzehrte Ware kommt tiefgefroren von sehr weit her. Man weiss nicht, wie sie produziert wird», erklärt Rafael Waber. Vor drei Jahren begannen sie, ihre Idee nach den beiden Vorbildern in Deutschland und Holland zu entwickeln. Nun seien sie so weit, eine Testanlage in der Hefefabrik auf dem Borregaard-Areal einbauen zu können. Anhand eines Modells erklärt Waber, was darunter zu verstehen ist. In der Testanlage, einem geschlossenen Raum, isoliert mit Holzwänden, wollen sie in 12 Zyklen die richtigen Produktionsbedingungen herausfinden. Die Garnelen benötigen sechs Monate, bis sie erntereif sind und schockgefroren sofort dem Kunden geliefert werden. Ein Zyklus soll 2 bis 4 Wochen dauern. Das bedeutet, dass alle 2 bis 4 Wochen neue Garnelen ins Becken kommen. Diese rund ein Jahr dauernde Phase kostet 250 000 Franken. Für ihren künftige Firma suchen sie sodann einen Industriebetrieb, der viel Abwärme produziert. Diese soll das Salzwasser, in dem die Garnelen aufwachsen, konstant auf 30 Grad erwärmen. «Umgekehrt dienen wir dem Industriebetrieb als Kühlung.» Die Garnelen werden in einem geschlossenen Salzwasserkreislauf mit Kläranlage, das heisst einem mechanischen und einem biologischen Filter, gehalten. Der biologische Filter besteht aus Bakterien, ein Einsatz von Antibiotika sei deshalb kein Thema.

«Es war ursprünglich ein Projekt aus ökologischen Gründen, dann wurde es immer technischer und jetzt immer realistischer. Nach wie vor können alle Punkte, die wir zu Beginn als Bedingungen formulierten, eingehalten werden», so Waber.

Wirtschaftlich und nachhaltig

«Wir haben die neue Firma intensiv begleitet und sind überzeugt, dass sie sich wirtschaftlich betreiben lässt», sagt Christoph Dobler. Es gebe etliche nachhaltige Aspekte. «Es ist eine inländische Produktion, die Transportemissionen vermeidet. Die Nutzung von Abwärme ist sicher ein Punkt. Zudem sind viele der Garnelen, die heute verzehrt werden, nicht unbelastet.»

SwissShrimp hat 2012 den Business-Wettbewerb der Uni Bern gewonnen und wurde 2012 mit der Idee national bekannt. Wo dereinst die Garnelen produziert werden, sei aber offen. Eine Ansiedlung auf dem Luterbacher Borregaard-Areal wäre aber eigentlich das Naheliegendste.