Autobahnbrücke
Flumenthal will keinen Unterhalt für A1-Brücke zahlen

Die Brücke von Deitingen zur Justizvollzugsanstalt soll ersetzt werden. Da der grösste Teil auf Flumenthaler Boden steht, müsste die Gemeinde an den Unterhalt zahlen. Das will die Gemeinde aber nicht. Schliesslich nutzt sie die Brücke nicht.

Urs Byland
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Soll die Brücke nach dem Autobahnausbau ersetzt werden, oder gibt es für diejenigen, die sie nützen, eine Alternative?

Soll die Brücke nach dem Autobahnausbau ersetzt werden, oder gibt es für diejenigen, die sie nützen, eine Alternative?

Hans Ulrich Mülchi

Mit dem möglichen Ausbau auf sechs Spuren der Autobahn vom Autobahnkreuz Härkingen bis Luterbach stellt sich bei jeder Brücke die Frage: Braucht es diese noch? Im Südosten des Gemeindegebietes von Flumenthal überquert eine Brücke die Autobahn A 1. Diese verbindet die Justizvollzugsanstalt Schachen (JVA) mit Deitingen. Der grösste Teil der Brücke steht auf Flumenthaler Gebiet.

Genutzt wird sie aber vor allem von Deitingern, die das Naherholungsgebiet ennet der Autobahn aufsuchen, von Landwirten und von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der JVA. «Der Direktzugang über die Brücke ist für uns wichtig», erklärt Deitingens Gemeindepräsident Bruno Eberhard. Auch Paul Loosli, Direktor der Justizvollzugsanstalt setzt sich für die Brücke ein. «Wir haben hier 130 Arbeitsplätze. Viele Angestellte nutzen den öffentlichen Verkehr und kommen zu Fuss oder mit dem Fahrrad über die Brücke an ihren Arbeitsplatz.» Etliche Arbeitnehmer würden zudem in Deitingen wohnen. Ihnen sei ein Umweg nicht zuzumuten.

Der Ausbau auf sechs Spuren kommt schon 2018

Mit dem Infrastrukturfonds sichert der Bund langfristig die finanziellen Mittel für die Fertigstellung der Nationalstrassen und die Beseitigung der gravierendsten Engpässe im Nationalstrassennetz. Der Infrastrukturfonds enthält 20 Milliarden Franken. Davon stehen in den nächsten 20 Jahren 5,5 Milliarden Franken für die Engpassbeseitigung im Nationalstrassennetz zur Verfügung. In einer zweiten Etappe sollen knapp über 1 Mrd. Franken verbaut werden. Der grössten Happen betrifft den 6-Spur-Ausbau Härkingen-Luterbach, der 2018 baureif sein soll. Anfang Jahr reichte der Bundesrat das Generelle Projekt 6-Spur-Ausbau Härkingen–Luterbach ein. Damals war von 660 Mio. Franken die Rede. Die aktuelle Rechnung geht von 698 Mio. Franken aus. Mit der Mehrwertsteuer wären es dann 754 Mio. Franken. Vom geplanten 6-Streifen-Ausbau werden die meisten bestehenden Kunstbauten tangiert. Mit dem Ausbau der Strecke sollen gleichzeitig die bestehenden Kunstbauten instand gesetzt werden, soweit sie nicht ausbaubedingt ersetzt werden müssen. Ausserdem sind einige zusätzliche Objekte zu erstellen. Insgesamt handelt es sich um folgende Massnahmen: Instandsetzung 34 Objekte; Verbreiterung ein- oder beidseitig 9 Objekte, Ersatz 13 Objekte (dazu wird die Brücke zum Schachen gezählt), Neubauten 7 Objekte (dazu gehören etwa Wildtierunterführung Wangen a. A.; Aarebrücke Wangen a. A.; Wildtierüberführung Oberbuchsiten; Brücke Rampe BE–Egerkingen). (uby)

Weiter nutzen auch Besucherinnen und Besucher der über 100 Insassen die Brücke. Zudem müssen die Blaulichtorganisationen permanent Zugang zur Anstalt haben. Hier laufen aber Abklärungen, wie wichtig der Südzugang ist, oder ob der Westzugang reicht. Dazu sagt beispielsweise Markus Grenacher, Feuerwehrinspektor der Solothurnischen Gebäudeversicherung klar: «Wir brauchen die Brücke, damit wir die Interventionszeiten einhalten können.»

Er muss es wissen, denn aktuell ist er auch in Deitingen Feuerwehrkommandant. Innerhalb von 10 Minuten muss die Feuerwehr vor Ort sein, so lautet die Vorgabe von Feuerwehr Koordination Schweiz. «Da bin ich froh um jeden Meter.»

Flumenthal ist nicht interessiert

Flumenthals Interesse an dieser Brücke tendiert dagegen Richtung null. Dies ist dem Protokoll einer Gemeinderatssitzung zu entnehmen. Das hat mit der Lage der Brücke zu tun, hart an der Gemeindegrenze zu Deitingen und weit entfernt vom Dorf. Es hat aber auch mit den Kosten für die Brücke zu tun.

An einer ersten Besprechung mit Vertretern des Bundesamtes für Strassen (Astra) und dem Kanton wurde das Interesse an dieser Brücke abgeklärt. Am billigsten kommen Brücken, die nicht wiederaufgebaut werden müssten. Kein abwegiger Gedanke, führt doch rund 500 Meter weiter südwestlich eine Brücke über die A 1 von Deitingen nach Luterbach. Man sei übereingekommen, dass die Brücke bestehen bleibt und ins Programm aufgenommen wird beim Ausbau der A1 auf sechs Spuren. Dies bestätigt die Astra-Sprecherin Esther Widmer.

Offen ist, wie die neue Brücke ausgestaltet werden soll. Als schmale Brücke für den Langsamverkehr oder etwas breiter wegen des Landwirtschaftsverkehrs und den Blaulichtorganisationen? Heute können sich auf der Brücke zwei Fahrzeuge kreuzen, das dürfte künftig nicht mehr möglich sein. Dazu ist eine Vernehmlassung im Gange. Verständlich daher, dass nicht alle Parteien bereits etwas sagen wollen.

Der Neubau der Brücke wird die beiden Gemeinden keinen Rappen kosten. Zuständig ist der Bund. Gemäss dem Generellem Projekt zum 6-Spur-Ausbau der Autobahn sind zirka 3,5 Millionen Franken für die neue Brücke reserviert. Das Objekt bleibt im Eigentum des Bundes. Kosten entstehen den Gemeinden aber nach dem Bau beim Unterhalt. Die Fahrbahn und die Langsamverkehrsflächen der Brücke befinden sich im Eigentum der Gemeinden.

Der jeweilige Eigentümer ist zuständig für den fachgerechten Unterhalt und Betrieb seines Eigentums. Er trägt die Kosten dafür vollumfänglich. Da werden wiederum die Flumenthaler stärker gefordert sein, denn der grösste Teil der Brücke liegt auf deren Gemeindegebiet. Damit erklärt sich auch ihre Zurückhaltung. Sie sind wenig interessiert, den Unterhalt einer Brücke zu berappen, die sie nicht nutzen. «Wir werden sicher einen Kostenteiler finden unter den Parteien, die die Brücke nutzen», ist Flumenthals Gemeindepräsident Christoph Heiniger überzeugt.

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