Biberist
Floristin Sabine Staub: «Der runde klassische Adventskranz interessiert weniger»

Die Adventskranz-Kurse von Sabine Staub erfreuen sich grosser Beliebtheit. Sie gestaltet etwas andere Adventskränze, die sich in Form und Material von den klassischen unterscheiden.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Sabine Staub und der im Workshop angefertigte Adventskranz.

Sabine Staub und der im Workshop angefertigte Adventskranz.

uby

Sabine Staub, Sie haben früher bei einem grossen Kursanbieter gewirkt, haben seit zwei Jahren ein Floristikgeschäft in Biberist und im November Adventskranz-Kurse angeboten. Wohin geht der Trend beim Adventskranz?

Sabine Staub: Der Trend geht ins Haltbare und etwas weg vom klassischen Kranz. Das bestätigt auch das Feedback an den Kursen.

Woher kommt der Adventskranz?

Als einer der Väter des Adventskranzes gilt der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern. Im Rauhen Haus in Hamburg, einem Jugendheim, liess er 1839 im Betsaal ein Wagenrad aufhängen, das mit vier grossen, weissen Kerzen und 19 kleineren, roten bestückt war. Der Geschichte nach wollten die Kinder ständig wissen, wann Weihnachten ist, worauf Wichern auf die Idee mit dem Kerzenkalender kam. Die grossen Kerzen symbolisierten die Adventssonntage, die kleineren dazwischen die übrigen Tage bis Weihnachten. Der Adventskranz wurde im Rauhen Haus zur Tradition und ab 1890 auch mit Tannenzweigen geschmückt. 1925 hing ein Adventkranz erstmals in einer katholischen Kirche in Köln. Dieser Brauch verbreitete sich weltweit. (uby)

Sie mussten Zusatzkurse anbieten. 80 bis 100 Personen wurden von Ihnen in die Kunst des Adventskranzes eingeführt wurden. Wie erklären Sie sich diesen Andrang?

Das Bedürfnis ist sehr gross, etwas selber herzustellen. Und die Neugier stark, wie kann man einen Adventskranz auch mal anders gestalten. Der Kurs «Adventskranz – einmal anders» war viel besser gebucht als der klassische. Letzteren habe ich einmal angeboten. Viele Leute sind froh um die Unterstützung und schätzen es, dass alles Material vorhanden ist.

Was ist anders?

Anders ist das Material und die Form. Wichtig ist auch, dass der Adventskranz lange haltbar bleibt, damit man das Objekt nochmals verwenden kann, beispielsweise in einem anderen Zusammenhang.

Was hat sich beim klassischen Adventskranz geändert?

Man verwendet weniger Stroh oder zerknülltes Papier als Unterlage, sondern eine Steckmasse. In diese steckt man das Grün. Die Steckmasse wird in Wasser eingeweicht, so hält das Grün über die gesamte Adventszeit. Dies bedingt aber eine völlig andere Technik, um einen Adventskranz herzustellen.

Welchen Bezug haben Sie zum Adventskranz?

Das ist einerseits klar eine saisonale Spezialisierung, die sich aus meinem Beruf und meinem Geschäft ergeben hat. Andererseits gehört der Adventskranz für mich zur Weihnachtszeit. Als kleines Mädchen hat meine Mutter jeweils selber einen Kranz gemacht. Sie war nicht unbedingt begabt für solche Dinge, aber wenn ich jetzt als Profi die Fotos von damals betrachte, sehe ich, wie sie es gemacht hat. Ganz herzig. Für mich war es als Kind einfach interessant. Es musste ein Kranz sein, mit Kerzen. Heute bin ich etwas weggekommen von der Kranzform, aber die vier Kerzen braucht es auf jeden Fall.

Wer hat Ihre Workshops gebucht?

Es kommen vor allem Frauen. Ich hatte in allen Kursen nur zwei Männer. Beim Alter war es immer sehr durchmischt von 18- bis 75-jährig. Es waren vielleicht auch eher Menschen mit kopflastigen Berufen, die gerne auch wieder einmal die Hände brauchen wollten.

Was hat Sie am meisten berührt?

Immer wieder die Erfolgserlebnisse, wenn die Teilnehmer ihren fertigen Adventskranz bewundern konnten. Das ist einfach schön.