Dreimal von Zürich nach Zuchwil ins Repair-Café und wieder zurück – und das, um ihren defekten Wasserkocher wieder auf Trab zu bringen: Eine pensionierte Dame scheute keinen Aufwand für ihren geliebten Wasserkocher, der ihr schon seit Jahren gute Dienste leistet. Nachdem das Ersatzteil endlich eingetroffen und eingesetzt war, dampfte er wieder fröhlich vor sich hin.

Eine noch weitere Reise unternahm eine Frau aus Bischofszell. Sie brauste per Auto mit ihrer Nähmaschine an. Diese musste nur wieder geölt werden, nun sticht sie wieder verlässlich im Zickzack über die Stoffe. Meist kommen die Besucherinnen und Besucher des Repair-Cafés Zuchwil jedoch aus der Region, womit auch die Ökobilanz besser ausfällt: Das Bein eines Stuhls, ein Sonnenschirm oder ein Mixer werden geflickt.

«VIELE MENSCHEN», sagt Heinz Bätscher vom Repair-Café in Zuchwil, «hängen eben an ihren Alltagsgegenständen.» Und viele, ergänzt Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), ärgern sich, wenn Dinge, kaum gekauft, in die Brüche gehen oder plötzlich nicht mehr funktionieren. «Natürlich kann man sagen, die Repair-Cafés seien ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber sie sind doch ein Schritt gegen die Wegwerfmentalität.» Zudem schonen eigene Reparaturen das Portemonnaie und die Umwelt, da weniger Ressourcen verbraucht werden, was besonders bei Elektrogeräten der Fall ist. Auch leisten Flickateliers einen Beitrag dazu, die Müllberge einzudämmen.

Diese Argumente überzeugen offenbar Etliche. Wohl darum hat die SKS die Idee aufgegriffen, laut Heinz Bätscher inspiriert von Zuchwil, einem der ersten Repair-Cafés in der Schweiz. Hier wird seit eineinhalb Jahren zu Reparatur und Kaffee eingeladen. In Bern erst seit wenigen Monaten und gemäss SKS ist das gemeinsame Reparieren ein Erfolg: zwei Drittel der mitgebrachten Gegenstände sind danach wieder einsatzfähig. «In der Schweiz steht die Repair-Bewegung noch am Anfang, aber sie ist jetzt auch bei uns in Schwung gekommen», sagt Sara Stalder (s. Kontext). Heinz Bätscher: «Wir wollen den Menschen bewusst machen, dass sie etliche Dinge mit etwas Mut selber reparieren können, auch wenn die Produzenten das Gegenteil behaupten.»

EINIGE HERSTELLER behaupten nicht nur das. Sie werden zudem verdächtigt, absichtlich Schwachstellen einzubauen, um die Lebensdauer der Produkte zu verkürzen, damit neue gekauft werden müssen; also um den Profit zu steigern. Im Fachjargon nennt man das geplante Obsoleszenz. Beweise fehlen zwar laut SKS, aber zahlreiche Meldungen aus dem Publikum weisen deutlich darauf hin. Ein User im Internet nennt die Dinge beim Namen: «Das eigentliche Problem liegt bei den Herstellern, deren Produkte absichtlich schnell kaputtgehen, und bei unserem Wirtschaftssystem, das auf Geldgier basiert.»

Darum setzt sich die SKS im Rahmen der Revision des Umweltschutzgesetzes dafür ein, die Deklaration zu verbessern. Es soll ersichtlich sein, ob Produkte reparierbar sind und wie lange sie funktionieren. Auch sollen Garantien mindestens fünf Jahre gelten. Und bei Garantiefällen soll es der Hersteller sein, der beweisen muss, dass der Konsument etwas vermurkst hat.

Wird es also bald mehr Transparenz bei Geräten geben? Am 1. September wurde in der UREK (Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie) des Ständerates darüber debattiert. Sara Stalder von der SKS: «Obwohl unsere Anliegen umstritten sind, bin ich vorsichtig optimistisch.»