Oberaargau
Fische und ein Bär am Fasnachtsstart

Die Fasnacht im Oberaargau ist gestartet. In Langenthal mit grossem Brimborium und viel Tradition.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Lass den Tiger raus!
45 Bilder
Die Fische werden vom Publikum wieder in die Netze geworfen
Kleine Eulen hören gut, da ist es von Vorteil, die Ohren an der lauten Fasnacht zu schützen
In Langenthal gab es auch dieses Jahr fliegende Fische
Guggenklänge im Schneeregen
Grounding aufgrund der schlechten Wetterbedingungen
Getreu dem diesjährigen Langenthaler Fasnachtsmotto 'Ur(CH)ig'
Gerangel um Konfetti
FIGUGEL - Fasnacht isch guet und git e gueti Luune
Fasnachtsfischen Langenthal 2015
Fasnachtsfischen Langenthal 2015
Fasnachtsfischen Langenthal 2015
Fasnachtsfischen Langenthal 2015
Fasnachtsfischen Langenthal 2015
Fasnachtsfischen Langenthal 2015
Er geniesst den Konfettiregen (den anderen wahrscheinlich nicht so sehr)
Diese kleine Fonduegabel wurde ebenfalls prämiert
Dieses flotte Bienchen hat munter mitgetrommelt
Diese Crew konnte wegen des Wetters leider nicht durchstarten
Die Konfettischlacht kann beginnen
Die Ruhe im Konfettisturm
Die Konfettischlacht ist in vollem Gange
Die Kinder auf der Bühne dürfen die Kofenttipackungen ins Publikum werfen
Die Jungen Schnäuze der Bärenbande
Die Bärenbande feiert ihr 30-jähriges Bestehen
Fasnachtsstart im Oberaargau
Der Langenthaler Stadtpräsident Thomas Ruefener übergibt der Fasnachtsgesellschaft den Schlüssel zur Stadt
Der Captain hat gerade seine Oma im Publikum entdeckt
Der Eselidoktor kommt mit der grossen Spritze für den müden Bären
Der Bär der Bärenbande tanz in den Frühling
Der Bär würde dem Moderator gerne ein Müntschi geben
Catch me if you can
Bambi war mit Mami da
Buntes Treiben an der Konfettischlacht
Alle wolten die Fische fangen
Alle wollen eine der Konfettipackungen erhaschen
Alle wollen ein Päckli Konfetti für die grosse Schlacht!
Und Stopp! Nun gilt es zu zählen, wer am meisten Fische gefangen hat.
Zur Fasnacht sind selbst kleine Eulen gerne einmal tagaktiv.
Stadtpräsident Thomas Ruefener ist bereit, sich die Fische zu schnappen.
Trotz Regenwetter (durchmischt mit Schnee) kam das Publikum in Scharen.
Trotz des Regens geniesst er den Auftritt.
Rühren im grossen Fondue-Caquelon.
Sie hat viele Fische erwischt.
Little Drummer Boy

Lass den Tiger raus!

Tina Dauwalder

Besondere Anlässe in der Langenthaler Fasnacht sind jeweils das «Fischessen» am Samstag ab 11.01 Uhr in allen Wirtschaften und das «Fasnachtsfischen» draussen vor dem Choufhüsi am frühen Nachmittag: eigentlicher Startschuss zur Langenthaler Fasnacht.

Doch woher stammt diese oberaargauische Fasnachtstradition? Im Buch «Fasnachtsbräuche im Oberaargau» von Rudolf Baumann (leider vergriffen) ist in einem Text von Eduard Nacht aus dem Jahr 1994 alles nachzulesen. «Entstanden ist der Brauch unter den gnädigen Herren zu Bern, also schon vor 1798. Bis zu dieser Zeit nämlich – bevor Napoleon die alte Ordnung abschaffen liess – gehörte den Regierenden der Region neben anderen Fischenzen der Mumenthaler Weiher. Alle drei Jahre wurde dieser Weiher ausgefischt, damit der Landvogt seine Pacht in barer Münze erhalten würde. Diese «Ausfischete» während der Fasnachtszeit wurde im Lauf der Jahre zu einem regelrechten Volksfest. Da wurde dann nicht bloss gefischt, sondern auch gefeiert, getanzt und getrunken.

In Erinnerung an diese Volksbelustigung wird heute an der Langenthaler Fasnacht in den Beizen Fisch serviert. Das Fischen selbst wird mehr symbolisch, zum Gaudi des Fasnachtspublikums, am Samstagnachmittag pünktlich um 14.01 Uhr vor dem Choufhüsi in etwas anderer Art durchgeführt. In einem Korb hoch über dem Fasnachtsvolk müssen die Gemeinderäte Plastikfische in einem Netz auffangen, welche das Publikum in die Luft hochschiesst. Klar ist, wer am meisten fischt, hat gewonnen.

Jeweils am Fasnachts-Samstag, exakt um 13.31 Uhr startet vorher der Eröffnungs-Sternmarsch Richtung Choufhüsi. Mit dabei natürlich der Langenthaler Gemeinderat. Die Mitglieder des Gemeinderats werden dabei vom Langenthaler Fasnachtskomitee und einer besonderen Langenthaler Clique begleitet: der Bärenbande. Diese besteht aus einem Bär, dem Bärenführer, dem Eseli-doktor, den Besenbethen, einer Gruppe von Gümpern, den Konfetti- und Kinderwagenführern sowie Paukenspielern und Trommlern. Die Bärenbande ist die älteste Fasnachtsgruppe, die man aus Langenthal kennt und vermutlich einzigartig in der Schweiz. Hauptfigur ist der Bär. Er soll den müde werdenden Winter darstellen.

Immer wieder kann er seinem Bärenführer entfliehen, doch seine Kräfte lassen stets wieder nach und er bricht zusammen. Da schreitet der Eselidoktor ein. Er hilft dem Bär zwar wieder auf die Beine, doch am Schluss bleibt er tot liegen. Die Besenbethen wischen unterdessen den letzten Schnee oder die Konfetti weg. Die Gümper heissen zum Rhythmus der Trommler den nahenden Frühling willkommen. Der Brauch, im Oberaargau und im angrenzenden Unteremmental an der Fasnacht einen Bären herumzuführen, war bis ins 19. Jahrhundert verbreitet.

Der Langenthaler Bär hatte aber stets ein ganz besonderes Aussehen. «Der auserwählte Bursche wurde mit Stroh umwickelt, in ein grobes Sacktuch (Jute) gehüllt. Als Gesicht hatte er eine ziemlich lange Kartonröhre, ebenfalls mit Sacktuch umwickelt, an deren Ende ein roter Lappen als Zunge baumelte». Das schreibt Rudolf Baumann. 1985 wurde nach Jahren des Vergessens, die Langenthaler Bärenbande neu gegründet: 30 Jahre Bärenbande, also 2015.

Einer der wichtigsten Tage in der Oberaargauer Fasnacht ist der Montag, auch Hirsmontag genannt. Früher stifteten an diesem Tag wohlhabende Bürger Hirsebrei, verfeinert mit Rahm und Butter, für die arme Bevölkerung. Auch eine Tanne oder ein Fass Wein wurde kredenzt. Diese sogenannte «Tannenfuehr wurde mit Tanz und von humoristischen theatralischen Darbietungen, ähnlich unseren heutigen Schnitzelbänken, begleitet. Heute gehört der Hirsmontag den Kindern. Schon am Vormittag findet die Kinderfasnacht in der Markthalle statt, danach gehts zum Kinderumzug und anschliessend zum Kindermaskenball. Man braucht sich also um den fasnächtlichen Nachwuchs im Oberaargau keine Sorgen zu machen.