Besondere Anlässe in der Langenthaler Fasnacht sind jeweils das «Fischessen» am Samstag ab 11.01 Uhr in allen Wirtschaften und das «Fasnachtsfischen» draussen vor dem Choufhüsi am frühen Nachmittag: eigentlicher Startschuss zur Langenthaler Fasnacht.

Doch woher stammt diese oberaargauische Fasnachtstradition? Im Buch «Fasnachtsbräuche im Oberaargau» von Rudolf Baumann (leider vergriffen) ist in einem Text von Eduard Nacht aus dem Jahr 1994 alles nachzulesen. «Entstanden ist der Brauch unter den gnädigen Herren zu Bern, also schon vor 1798. Bis zu dieser Zeit nämlich – bevor Napoleon die alte Ordnung abschaffen liess – gehörte den Regierenden der Region neben anderen Fischenzen der Mumenthaler Weiher. Alle drei Jahre wurde dieser Weiher ausgefischt, damit der Landvogt seine Pacht in barer Münze erhalten würde. Diese «Ausfischete» während der Fasnachtszeit wurde im Lauf der Jahre zu einem regelrechten Volksfest. Da wurde dann nicht bloss gefischt, sondern auch gefeiert, getanzt und getrunken.

In Erinnerung an diese Volksbelustigung wird heute an der Langenthaler Fasnacht in den Beizen Fisch serviert. Das Fischen selbst wird mehr symbolisch, zum Gaudi des Fasnachtspublikums, am Samstagnachmittag pünktlich um 14.01 Uhr vor dem Choufhüsi in etwas anderer Art durchgeführt. In einem Korb hoch über dem Fasnachtsvolk müssen die Gemeinderäte Plastikfische in einem Netz auffangen, welche das Publikum in die Luft hochschiesst. Klar ist, wer am meisten fischt, hat gewonnen.

Jeweils am Fasnachts-Samstag, exakt um 13.31 Uhr startet vorher der Eröffnungs-Sternmarsch Richtung Choufhüsi. Mit dabei natürlich der Langenthaler Gemeinderat. Die Mitglieder des Gemeinderats werden dabei vom Langenthaler Fasnachtskomitee und einer besonderen Langenthaler Clique begleitet: der Bärenbande. Diese besteht aus einem Bär, dem Bärenführer, dem Eseli-doktor, den Besenbethen, einer Gruppe von Gümpern, den Konfetti- und Kinderwagenführern sowie Paukenspielern und Trommlern. Die Bärenbande ist die älteste Fasnachtsgruppe, die man aus Langenthal kennt und vermutlich einzigartig in der Schweiz. Hauptfigur ist der Bär. Er soll den müde werdenden Winter darstellen.

Immer wieder kann er seinem Bärenführer entfliehen, doch seine Kräfte lassen stets wieder nach und er bricht zusammen. Da schreitet der Eselidoktor ein. Er hilft dem Bär zwar wieder auf die Beine, doch am Schluss bleibt er tot liegen. Die Besenbethen wischen unterdessen den letzten Schnee oder die Konfetti weg. Die Gümper heissen zum Rhythmus der Trommler den nahenden Frühling willkommen. Der Brauch, im Oberaargau und im angrenzenden Unteremmental an der Fasnacht einen Bären herumzuführen, war bis ins 19. Jahrhundert verbreitet.

Der Langenthaler Bär hatte aber stets ein ganz besonderes Aussehen. «Der auserwählte Bursche wurde mit Stroh umwickelt, in ein grobes Sacktuch (Jute) gehüllt. Als Gesicht hatte er eine ziemlich lange Kartonröhre, ebenfalls mit Sacktuch umwickelt, an deren Ende ein roter Lappen als Zunge baumelte». Das schreibt Rudolf Baumann. 1985 wurde nach Jahren des Vergessens, die Langenthaler Bärenbande neu gegründet: 30 Jahre Bärenbande, also 2015.

Einer der wichtigsten Tage in der Oberaargauer Fasnacht ist der Montag, auch Hirsmontag genannt. Früher stifteten an diesem Tag wohlhabende Bürger Hirsebrei, verfeinert mit Rahm und Butter, für die arme Bevölkerung. Auch eine Tanne oder ein Fass Wein wurde kredenzt. Diese sogenannte «Tannenfuehr wurde mit Tanz und von humoristischen theatralischen Darbietungen, ähnlich unseren heutigen Schnitzelbänken, begleitet. Heute gehört der Hirsmontag den Kindern. Schon am Vormittag findet die Kinderfasnacht in der Markthalle statt, danach gehts zum Kinderumzug und anschliessend zum Kindermaskenball. Man braucht sich also um den fasnächtlichen Nachwuchs im Oberaargau keine Sorgen zu machen.