Jedes Kind kennt es: das Rote Kreuz auf weissem Grund, weltbekanntes Symbol für humanitäre Hilfe. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz IKRK, 1863 in Genf gegründet, ist zusammen mit der Rothalbmondbewegung auf der ganzen Welt im Einsatz, um Konfliktopfer zu unterstützen. Nicht weniger hehre Ziele verfolgt das Schweizerische Rote Kreuz, 1866 auf Initiative des IKRK gegründet. Wie kein anderes Hilfswerk vereinigt es Gesundheit, Integration und Rettung unter einem Dach. Markus Sieber, parteiloser Gemeindepräsident von Lohn-Ammannsegg, ist beeindruckt von der humanitären Arbeit.

Seit letztem Oktober ist Sieber Finanzchef des SRK sowie Mitglied der Geschäftsleitung. «Der Einsatz für die Verletzlichsten der Gesellschaft ist eine erstrebenswerte Aufgabe», sagt er. Von seinem Büro in Bern führt er 70 Mitarbeiter und leitet die Bereiche Finanzen, Controlling, Informatik, Personaldienste sowie die Liegenschaftsverwaltung. Er betreut ein Budgetvolumen von über 100 Millionen Franken. «Das ist vergleichbar mit einer Stadt wie Olten.» Dort hatte der 46-Jährige zuvor während vier Jahren die Direktion Finanzen und Informatik geleitet – und die Stadt in die finanzpolitische Moderne geführt. Während dort unter dem Vorgänger Diskussionen um einzelne Konti geführt wurden, habe er dafür gesorgt, dass sich die Exekutive um die Leitlinien kümmern kann und nicht in Details verliert. Vier Jahre seien das Minimum, um in dieser Position etwas bewirken zu können.

«Wir können uns das leisten»

Neben Leitungsfunktionen im zentralen Controlling der Stadt Bern und als Oltner Finanzverwalter hat der studierte Betriebswirtschafter mit Nachdiplomkurs in Public Finance und Accounting auch in der Privatwirtschaft Erfahrungen gesammelt. Wenn Sieber die Geschäfte in der öffentlichen Verwaltung und der Privatwirtschaft mit dem als Verein organisierten Roten Kreuz vergleicht, so seien diese beim SRK abwechslungsreicher – vor allem aber noch sensibler. Einerseits könne die Arbeit im humanitären Bereich eine grosse Wirkung erzielen, andererseits sei das SRK als Non-Profit-Organisation zu einem guten Teil von Spendengeldern abhängig. «Da können schnell Reputationsschäden entstehen.» Oft seien es ältere Personen ohne viel Vermögen, die Kleinstbeträge spendeten. Er stehe in der Verantwortung, dass möglichst viele Gelder vor Ort landen – auch aufgrund der derzeit grossen Flüchtlingsströme. «Viele kommen in die Schweiz, weil sie wissen, dass es uns gut geht. Deshalb ist es wichtig, Leistungen gezielt einzusetzen.» Leistungen, so findet er, die sich die Schweiz aufgrund des Wohlstands erlauben sollte. «Wir haben eine privilegierte Situation. Es steht uns gut an, uns im humanitären Bereich einzusetzen.» Eine Voraussetzung dafür sei eine schlanke Organisation.

Rund die Hälfte der Mittel des SRK werden in der Schweiz ausgegeben. Darunter sind mit der Rettungsflugwacht Rega und einem Leistungsauftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen zwei grosse Bundesaufträge. Auch andere Rettungsorganisationen wie der Samariterbund oder die Lebensrettungs-Gesellschaft gehören zur Rotkreuz-Familie. Hinzu kommt unter anderem ein Ambulatorium für Kriegs- und Folteropfer in Wabern.

Die Suche nach der Lebensstelle

Ein Unterschied zum politischen Prozess, wo schnell einmal zum verbalen Zweihänder gegriffen werde, sei der interne Umgang im SRK. «Er ist traditionell geprägt von grösstmöglichem Respekt.» Das ziehe sich durch die gesamte Organisation bis hinauf zum Rotkreuzrat, dem obersten Leitungsorgan. «In der Industrie ist der Umgangston doch eher rauer.»

Den Job beim SRK habe er als Lebensstelle gesucht. Auf Äusserungen von Kollegen, die als nächsten Karriereschritt eher die Finanzverwaltung einer grösseren Stadt erwartet hätten, als den humanitären Dienst, reagiert er mit folgender Feststellung: «In der öffentlichen Verwaltung amtete ich für das Gemeinwohl. Beim Roten Kreuz stehe ich ein für die Verletzlichsten der Gesellschaft.» Es sei ein Arbeitgeber, der ihn noch mehr ausfüllen könne als der bisherige. Markus Sieber findet darin einen besonderen Antrieb – auch wenn er die gewachsenen Strukturen beim Schweizerischen Roten Kreuz «wohl nicht neu erfinden kann».