Amtsgericht Solothurn-Lebern
Feuersbrunst auf Dach des Schulhauses: Bauspengler hat nicht fahrlässig gehandelt

Die Staatsanwaltschaft hatte einen 62-jährigen Bauspengler für den Brand im Selzacher Schulhaus III verantwortlich gemacht. Das Amtsgericht sieht das anders. Es spricht ihn vom Vorwurf der Fahrlässigkeit frei.

Hans Peter Schläfli
Merken
Drucken
Teilen
Ging glimpflich aus: Brand im Selzacher Schulhaus III.

Ging glimpflich aus: Brand im Selzacher Schulhaus III.

Hanspeter Bärtschi

Als am Abend des 18. Aprils 2013 der Dachstock des Selzacher Schulhauses III lichterloh brannte, war die Ortsfeuerwehr mit 30 Mann in Rekordzeit zur Stelle.

Dank der effizienten Arbeit der Feuerwehr blieb der Schaden mit 380 000 Franken verhältnismässig klein – wenn man bedenkt, dass das Schulhaus zu dieser Zeit gerade einer Totalrenovation mit einem Budget von 5.5 Millionen Franken unterzogen wurde.

Die dunklen Rauchwolken sind von weither zu sehen.
8 Bilder
Der Dachstock stand teilweise in Vollbrand.
Schulhausbrand in Selzach
Vom Boden aus gesehen.
Die Feuerwehr vermochte das Feuer bis 18.40 Uhr weitgehend zu löschen.
Die Ortsfeuerwehr stand mit rund 30 Personen im Einsatz.
Blick auf den Brandplatz.

Die dunklen Rauchwolken sind von weither zu sehen.

Leserfoto/Marianne Desgrandchamps

Schuld am Selzacher Schulhausbrand soll laut Staatsanwaltschaft der 62-jährige Bauspengler Kurt F.* gewesen sein, der deshalb per Strafbefehl wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen à 130 Franken verbrummt wurde.

Mit einem Eintrag ins Strafregister wollte sich der Handwerker mit 40 Jahren Berufserfahrung nicht abfinden, weshalb am Mittwoch das Amtsgericht Solothurn-Lebern den Fall beurteilen musste.

«Wir mussten an vier Stellen je ein Blech im Bereich der Dachpappen abtrennen», beschrieb Kurt F. seine Arbeit an diesem Nachmittag. Er habe einen Eimer mit Wasser bereitgestellt und sein Arbeitskollege habe mit einem Blech die Dämmplatten gegen die entstehenden Funken abgeschirmt. «Als wir fertig waren, habe ich noch zwei Nachkontrollen gemacht, habe mich aufs Dach gelegt und geschaut, ob es nach Rauch riecht oder ob sonst etwas nicht stimmt. Um 16.30 Uhr haben wir die Baustelle verlassen. Ich hätte nie gedacht, dass es einen Brand geben könnte.»

Aber am Abend sei ein starker, warmer Südwestwind aufgekommen, vielleicht habe dieser einen Glimmbrand entfachen können.

Zeuge bestätigt die Aussagen

«Wir haben einen Eimer mit Wasser mit auf das Dach genommen und die Arbeitsstelle mit einem Handspritzer feucht gespritzt», sagte die als Zeuge befragte Hilfskraft und bestätigte, dass das Wegräumen aller Werkzeuge etwa 45 Minuten gedauert hatte und dass danach nochmals alles kontrolliert wurde.

So forderte Rechtsanwalt Beat Gerber für seinen Mandanten einen Freispruch. «Ihm wird vorgeworfen, Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet zu haben. Aber welche Normen wurden nicht eingehalten?», stellte Gerber eine rhetorische Frage. «Es gibt die kantonalen Brandschutzrichtlinien für Baustellen, und die wurden befolgt. Es sind in den Richtlinien keine Massnahmen zu finden, die mein Mandant nicht eingeleitet hätte. Er hat seine Arbeit sorgfältig gemacht, trotzdem ist das Unglück entstanden.»

Das Amtsgericht folgte den Argumenten des Verteidigers und sprach Kurt F. frei. «Wir gehen davon aus, dass Sie die Arbeiten so gut wie es möglich war, durchgeführt haben», erklärte Barbara Steiner das Urteil. «Eine Fahrlässigkeit wurde nicht nachgewiesen und auch keine Verletzung der Sorgfaltspflicht.»