Mühledorf
Ferienpass-Kinder drehen ihren eigenen Krimi an einem einzigen Tag

Diebe stehen Küchenutensilien im Restaurant, der Bauarbeiter vermisst seine Arbeitsgeräte: Was wie ein echter Krimi tönt, ist es auch: Kinder des Ferienpasses haben ihn in Mühledorf an einem Tag gedreht. Dazu brauchte es aber viel Geduld.

Beatrice Kaufmann
Merken
Drucken
Teilen
Kinder drehen einen Krimi beim Ferienpass
17 Bilder
Auch das Torkeln will geübt sein
Vor der Rede der Bürgermeisterin
Warten auf den nächsten Einsatz
Thom Seewer hilft beim Vorsprechen
Plaudern zwischen den Szenen
Paul Fretz, Oliver Renggli und Thom Seewer im Gespräch mit Schauspielern
Paul Fretz mit Schauspielerinnen
Haltet den Dieb!
Letzte Anweisungen vor dem Dreh von Thom Seewer
Diebin mit ihrer Beute
Die Szenen werden besprochen
Die Polizisten haben den Dieb in Gewahrsam
Die Einwohner folgen der Rede der Bürgermeisterin
Die Diebin wird vor dem Dreh gefesselt
Bürgermeisterin verkündet Festnahme des Diebes
Close-Up-Aufnahmen

Kinder drehen einen Krimi beim Ferienpass

Beatrice Kaufmann

Eine spektakuläre Verfolgungsjagd ereignete sich, als die Einwohner von Mühledorf den Dieb, der Eigentum von unschätzbarem Wert entwendet hatte, zu fassen versuchten. Im Laufe des Tages waren im ganzen Dorf Diebstähle bemerkt worden. Models und Schauspielerinnen meldeten Schmuck als gestohlen, im örtlichen Gastgewerbe wurden wertvolle Küchenutensilien vermisst und Bauarbeiter mussten ihre Arbeit niederlegen, da der gewissenlose Schurke nicht einmal vor schweren Arbeitsgeräten haltgemacht hatte.

Tatsächlich wurde der Halunke am Nachmittag gefasst, nutzte aber das dilettantische Verhalten der örtlichen Polizei und floh mit der Beute. Daraufhin riefen die Mühledorfer zur Selbstjustiz auf und verfolgten den Langfinger auf eigene Faust. Ob sie ihn ergreifen konnten, war bis Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Diese ungeheuerlichen Szenen ereigneten sich zum Glück nur in einem Film, den Thom Seewer, Paul Fretz und Oliver Renggli im Rahmen des Ferienpasses Bucheggberg zusammen mit 20 Kindern realisiert haben. Seewer ist Geschäftsleiter der Basler Firma Climaxevent, die sich darauf spezialisiert hat, professionelle Kurzfilme innerhalb eines Tages mit Laien zu produzieren. «Wir bieten zum Beispiel Firmenanlässe an», so Seewer. Derzeit wolle man die Arbeit mit Kindern ausbauen. Dass sie mit diesen umgehen können, haben die jungen Filmer mit ihrer ruhigen, kollegialen und doch professionellen Art unter Beweis gestellt.

Das Drehen des Krimis beanspruchte den ganzen Tag. «Das Drehbuch erarbeiten wir vor Ort», erklärte Fretz. Er und seine Kollegen hatten die Handlung aber bereits grob vorbereitet, den Feinschliff übernahmen dann die Kinder. Doch kein Film ohne Casting. Die Hauptrollen – zwei Polizisten, die Bürgermeisterin und der Dieb – wurden mittels Vorsprechen unter den Bewerbern vergeben. Die restlichen Rollen erdachten die Kinder selbst. «Überlegt euch, wen ihr spielen und wo ihr drehen wollt», lauteten die Anweisungen von Seewer.

Kurz darauf fanden sich die Kinder in Gruppen zusammen, erfanden eifrig Szenen und begannen mit ersten Proben. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt und so fand das Gespräch zwischen einer Reporterin und äusserst hysterischen, aber modebewussten Damen im Raum statt, der in der Regel als Sitzungszimmer des Gemeinderats fungiert. Auch der Gasthof «Kreuz» wurde kurzerhand zum Filmset. Hier schauten Bauarbeiter infolge ihres Verlustes zu tief ins Glas und stellten später nur noch eine eingeschränkte, dafür aber umso amüsantere Hilfe bei der Verfolgungsjagd dar.

Wie bei allen erfolgreichen Streifen mussten auch die Bucheggberger Nachwuchstalente für ihren Film viel Geduld und Konzentration aufbringen. Zwischen den einzelnen Szenen waren die Kids fleissig am Proben, und während des Drehs bewiesen alle, dass sie beeindruckend lange ruhig sein können. Eine wichtige Eigenschaft beim Film, denn das Mikrofon hört alles.

Wegen vorbeiziehender landwirtschaftlicher Gefährte mussten dennoch einige Szenen mehrmals gedreht werden. Doch auch diese Hürden wurden überwunden, sämtliche Szenen waren rechtzeitig im Kasten und die Profis konnten sich lange Zeit nehmen, um den Film zu schneiden. So kam das Premierenpublikum, dem neben den Schauspielern ihre nächsten Verwandten angehörten, in den Genuss eines schön geschnittenen, rund zehnminütigen Filmes, der sogar mit passender Musik untermalt war.

Vor dem Abspann sorgten noch einmal die Bauarbeiter für einen Lacher, indem sie sich torkelnd an der Kamera vorbeibugsierten, um den Dieb zu verfolgen. Ob dieser gefasst wird, lässt der Film offen. Nicht offen bleibt hingegen die Frage, ob dieser Kurs des Ferienpasses Anklang gefunden hat. Oder wie ein junges Talent es ausdrückte: «Nächstes Jahr will ich das wieder machen!»