«Oh Happy Day», singen die Primarschüler von Feldbrunnen-St. Niklaus lauthals und rund 200 Dorfbewohner klatschen im Takt mit. Carmen Küng ist sichtlich gerührt. Zu Ehren der in Feldbrunnen wohnhaften Curling-Spielerin organisierte der Gemeinderat einen Empfang auf Schloss Waldegg. «Das Lied ‹Oh happy day› kenne ich nur zu gut. Ich habe es selber vor Jahren unter der musikalischen Leitung von Lehrer Rolf Nyffeler gesungen», lacht Küng. Die frischgebackene Weltmeisterin und ihre Familie leben seit vielen Jahren in Feldbrunnen. Carmen Küng hat dort die Primarschule besucht.

«Dieser Weltmeistertitel ist ein einmaliges Erlebnis für eine so kleine Gemeinde», sagt Gemeindepräsident Rolf Studer in seiner Rede. Als er vergangene Woche frühmorgens vom Sieg der Curling-Spielerinnen gehört hatte, erinnerte er sich an eine altbekannte Redewendung: «Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.» Studer erzählt, wie er Rolf Nyffeler, Schulleiter von Feldbrunnen, am Morgen nach dem Sieg mit einem spontanen Anruf überrascht hat. So unterbrach der Gemeindepräsident gerade eine Sitzung der Lehrerschaft, in der Themen für die kommenden Tage festgelegt werden sollten. Kurzum wurden das Schulprogramm dem Weltmeistertitel angepasst und Musikstunden eingeplant. Was ist ein Empfang ohne gebührenden Gesang? Wer glaubt, Lehrer Nyffeler kramte einfach ein paar längst einstudierte Lieder hervor, täuscht sich. Er hat den Curling Spielerinnen anlässlich ihres Sieges zwei Lieder auf den Leib gedichtet.

«Das isch es gsi! D’WM isch verby! D’Wäut-Meischter chöi nur d’Schwiizer Froue sy», tönte es also gestern einstimmig vom Schülerchor. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass die Kinder gerade mal letzten Donnerstag und Freitag Zeit zum Üben hatten.

Die Feier auf Schloss Waldegg gibt ein Bild wie im Märchen her. Im warmen Abendlicht strahlen die Gesichter zum Lobgesang – und mittendrin Carmen Küng. Eine Prinzessin auf dem Schloss? Weltmeisterin hin oder her, «ich bin immer noch ich», betont Küng, die zu 60 Prozent als Pflegefachfrau in Bern arbeitet. Küng rechnet ihren Vorgesetzten das grosse Entgegenkommen hoch an. «Ohne ihre Unterstützung wäre das Curling-Spielen in der Profiliga unmöglich». Bereits letzen Mittwoch und heute Dienstag pflegt Carmen wieder auf der Gastroenterologie-Abteilung im Spital Tiefenau Patienten.

Ueli Maurer hat eingeladen

Trotzdem, so ganz will der Alltag von Carmen Küng noch nicht einkehren. Nach den vielen Empfängen sowie einem Fotoshooting für die «Schweizer Illustrierte» und einem Fernsehauftritt in «Sport Aktuell» steht noch eine Einladung von Bundesrat Ueli Maurer bevor. Die Spielerinnen hatten also bisher kaum Zeit zu realisieren, was sie erreicht haben. Zurück in der Schweiz, waren sie froh, dass es Fotos von ihnen vier mit dem Pokal gab. «Sonst hätten wir es wohl kaum geglaubt. Es ist unglaublich zu sehen, wie vielen Menschen man eine Freude bereitet hat», strahlt eine sichtlich stolze Küng. Die Resonanz auf ihren Sieg ist gewaltig. Über 300 SMS habe sie erhalten, fast ebenso viele Mails und unzählige Anrufe. «Ich bin überwältigt», versucht sie ihre Gefühle in Worte zu fassen, so etwas habe sie noch nie erlebt.

«Wir haben während der gesamten WM über 1000 Steine gespielt», berichtet die Weltmeisterin. Im dramatischen Final gegen die schwedischen Konkurrentinnen entschied schliesslich der allerletzte Stein über den Spielausgang und WM-Titel. «Mit wenigen Zentimetern», betont Küng.

Gemeindepräsident Studer hat in seiner Rolle als Organisator jetzt Übung im Feste feiern und hofft, dass sich in zwei Jahren, nämlich nach den Olympischen Spielen in Sotschi (Russland), auf Schloss Waldegg wieder ein ähnliches Bild präsentiert.