Gerlafingen
FC Gerlafingen half erkranktem Ehrenmitglied - dafür gibts eine Urkunde

Gerlafingen hat in letzter Zeit mit negativen Schlagzeilen von sich reden gemacht. Nun zeigt eine spezielle Urkunde, dass es auch anders geht. Diese hat der FC Gerlafingen für seine Hilfsbereitschaft vom Radio-Onkologiezentrum Biel erhalten.

Daniel Fasel
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Jules Progin (l.) und Max Andris vor der Urkunde.

Jules Progin (l.) und Max Andris vor der Urkunde.

Daniel Fasel

«Wir gratulieren dem FC Gerlafingen zu seinen Mitgliedern! Ein solcher Zusammenhalt und derartige Hilfsbereitschaft sind beispiellos! Ihr seid grossartig!» Der Fussballklub Gerlafingen hat eine Urkunde der spezielleren Sorte erhalten. Ausgestellt wurde sie vom Radio-Onkologiezentrum Biel. Was steckt dahinter?

Jules Progin, Ehrenmitglied des FC Gerlafingen, diente seinem Verein jahrelang als Juniorenobmann und Mannschaftsbetreuer. Letzten Oktober erkrankte der 81-Jährige an Krebs. Nach einer grossen Operation musste er sich während fünf Wochen fast täglich in Biel einer Strahlentherapie unterziehen – für einen schwer kranken Rentner kein einfaches Unterfangen. Glück für ihn, dass ein ganzer Verein hinter ihm steht: Kurzerhand wurde klubintern eine Liste mit freiwilligen Fahrerinnen und Fahrern aufgestellt.

Ersatzfamilie Fussballklub

«Alle wollten fahren», erinnert sich der wiedergenesene Progin. «Von Jung bis Alt wollten mir alle helfen.» Sogar der viel beschäftigte Vizepräsident und Ständerat Roberto Zanetti habe ihn dreimal nach Biel gefahren. Und während längerer Spitalaufenthalte hätten die Fussballer ihn besucht: «Ich hatte immer jemanden bei mir.» Heute ist Progin wieder regelmässig beim Fussballplatz anzutreffen.

Barbara Wyder vom Radio-Onkologiezentrum Biel erinnert sich: «Das war eine einmalige Geschichte.» Sie lobt die grosse Hilfsbereitschaft des Fussballklubs. Denn normalerweise kümmerten sich die Angehörigen um krebskranke Patienten, nicht Vereinsmitglieder. Die Organisation hat Wyder beeindruckt: «Jeden Tag ist einer der Fussballer mit Progin pünktlich in Biel aufgetaucht.»

Ausgerechnet Gerlafingen

«Jules hat dem Verein so viel gebracht, jetzt konnten wir ihm etwas zurückgeben», sagt Max Andris, ehemaliger Präsident des Klubs. Solidarität werde im Fussballklub hochgehalten, und das gelte nicht nur für Ehrenmitglieder. Der FC stehe für Integration ein, meint Andris.

Für ihn und Progin ist es eine besondere Genugtuung, dass solche Hilfsbereitschaft in Gerlafingen existiert – hatte die Zeitung «Weltwoche» das Industriedorf letztes Jahr doch als «unattraktivste Gemeinde der Schweiz» abgetan. Seither leiden die Gerlafinger unter dem schlechten Ruf und versuchen, ihr Image aufzupolieren. Hierzu kann sich Andris eine Bemerkung nicht verkneifen: «Diese Urkunde sollte man der ‹Weltwoche» schicken.»