Selzach

Familie spendete das Land fürs Naturfreundehaus, die Gewerkschafter bauten

Das Naturfreundehaus wurde vor 80 Jahren von Gewerkschaftern aus Biberist und umliegenden Gemeinden gebaut.

Das Naturfreundehaus wurde vor 80 Jahren von Gewerkschaftern aus Biberist und umliegenden Gemeinden gebaut.

Die Naturfreunde aus Biberist feiern den 80. Geburtstag ihres Hauses auf der Schauenburg. Dieses ist auf geschenktem Land gebaut worden. Noch heute werden im Naturfreundehaus Bergfeste durchgeführt.

Seit 80 Jahren steht das Naturfreundehaus Schauenburg nun da, an der Westflanke der Hasenmatt, erbaut von Gewerkschaftern aus Biberist und den umliegenden Gemeinden. Der europaweit aktive Verein der Naturfreunde war zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der Arbeiterbewegung heraus entstanden; die Sektion Biberist wurde 1930 gegründet und setzte sich damals vorwiegend aus Mitarbeitern der «Papieri» zusammen, wie Co-Präsident Ernst Gilgen erklärt.

Lange Zeit hätten sich jene, die der politisch Linken nicht nahestanden, davor gescheut, ein Naturfreundehaus zu betreten, auch jenes auf der Schauenburg. Doch im Lauf der Jahre korrodierte das einst starke Band zwischen Politik und Verein, und in den 70er-Jahren öffnete sich das Haus unter der Hasenmatt zunächst für Schulklassen und schliesslich für Touristen und Wanderer aller Art.

Die Veränderung liess gewisse bauliche Massnahmen nötig werden. So wurde 1983 ein grosser Anbau mit Duschen, Toiletten und Waschraum eingeweiht. 1991 wurde die Heizung erneuert – bis zum heutigen Tag wird aber das ganze Haus mit Holz beheizt. Und auch in der Küche, die 2008 komplett saniert wurde, wird noch immer mit Holz gefeuert.

Feste feiern, wie sie fallen

Von den 80ern bis zur Mitte der 90er-Jahre liess der Verein auf der Schauenburg «Hüttenchilbis» steigen. Seither hat man zwar einen Gang zurückgeschaltet, doch auch heute werden noch in unregelmässigen Abständen Bergfeste gefeiert. «Einfach, wenn sich etwas ergibt», sagt Gilgen. So wie am ersten August, an dem seit über 10 Jahren ein «Bärg-Zmorge» serviert wird. Oder wie vergangenes Wochenende: Mit einem Preisjassen am Samstag und diversen Festansprachen und gemütlichem Beisammensein am Sonntag wurden die 80 Jahre, die das Naturfreundehaus Schauenburg auf dem Buckel hat, ausgiebig gefeiert.

Damals, gleich nach der Gründung der Sektion Biberist, hatten die Naturfreunde das Glück, dass ihnen ein Spender und Landbesitzer wohlgesinnt war. Denn die Vereins-freundliche Familie Vogt, die das rund 17 Are grosse Stück Weide auf der Schauenburg ihr Eigen nannte, schenkte den Arbeitern aus Biberist das Land, um dort ein Haus bauen zu können. Grosszügigkeit, wie sie heute wohl seltener vorkommt.

Kein Sesseli für das Haus

Das Weissenstein-Sesseli, auf dem die Besucher am Wochenende die Aussicht geniessen konnten, war jedenfalls weder geschenkt noch geborgt, sondern für gutes Geld gemietet. «Gerne hätten wir so ein Nostalgie-Sesseli vor unserem Haus behalten», sagt Ernst Gilgen, der sich mit seinem Verein für eine neue Seilbahn eingesetzt hat. «Aber da hatten wir keine Chance mehr.» Zwar seien die alten Sesseli alle noch am Lager und würden gelegentlich für Anlässe vermietet. Aber längst schon seien sie allesamt verkauft.

Der 66-jährige Gilgen, der seit 1983 im Verein, seit 1986 im Vorstand und seit 10 Jahren Präsident und Co-Präsident der Naturfreunde Biberist ist, denkt indes über den Ruhestand nach. Nächstes Jahr will er das Präsidium abtreten. «Ich habe das lange genug gemacht», begründet er. Den 180 Mitgliedern seiner Sektion, die längst nicht mehr nur aus der Umgebung von Biberist, sondern aus der ganzen Schweiz und sogar aus Deutschland stammen, dürfte das dann ein erneutes Bergfest wert sein.

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