«Wir sind ein vielseitiger Kleinbetrieb mit 15 Hektaren Land», beschreibt Niklaus Bolliger den Biohof Rigi in Hessigkofen. Er und seine Frau Regula Bolliger-Flury betreiben Gemüse- und Obstbau, halten Mutterkühe sowie Schafe und Hühner.

«Wir bauen etwa 50 verschiedene Gemüse an», so Regina Bolliger-Flury. Erntereif sind momentan die Auberginen, Gemüsezwiebeln, Peperoni, der Knoblauch, verschiedene Sommersalate, Tomaten und Randen. Auch einige Äpfel aus Niklaus Bolligers Obhut sind bereits reif. Er kümmert sich um mehrere tausend Apfelbäume und züchtet seit 15 Jahren eigene Sorten (siehe Kasten).

«Unsere Produktion ist ganz auf die Direktvermarktung ausgerichtet», erklären Bolligers. Seit dem Frühjahr 1986 ist der Biohof Rigi mit einem Stand am Wochenmarkt in Solothurn vertreten. «Ausserdem haben wir etwa 50 Gemüse-Abonnenten.» Diese erhalten das ganze Jahr über wöchentlich eine Gemüsetasche mit verschiedenen saisonalen Produkten. Auch Apfel-Kisten sind im Winterhalbjahr im Abonnement erhältlich.

Bescheiden angefangen

So vielseitig wie heute war der Hof aber nicht immer. «Angefangen haben wir 1985 mit drei Kühen und einem Dutzend Hühnern mit Hahn, die uns ein Onkel geschenkt hatte», erinnern sich die beiden studierten Agronomen.

«Der Betrieb mit seinen 8,5 Hektaren war ein Auslaufbetrieb», so Niklaus Bolliger. «Wir mussten uns mit Intensivkulturen etwas einfallen lassen. Deshalb haben wir mit dem Gemüsebau begonnen, der relativ wenig Anfangsinvestitionen benötigt.» Auch die notwendige Infrastruktur mussten Bolligers zuerst aufbauen. «Anfangs mieteten wir Keller im Dorf für die Lagerung des Gemüses hinzu. Es standen uns keine eigenen Kühlräume zur Verfügung.»

Regula und Niklaus Bolliger-Flury waren von Anfang an von den Ideen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft begeistert, die vor 90 Jahren von Rudolf Steiner angeregt wurden. «In einem Vortragszyklus gab Rudolf Steiner aus seinem philosophischen Blickwinkel heraus Anregungen, wie man die Landwirtschaft betrachten könnte», erklärt Bolliger.

«Der Grundgedanke der biologisch-dynamischen Landwirtschaft ist, dass man alles aus dem Lebendigen heraus zu begreifen versucht.» Es gehe um eine ganzheitliche Betrachtung von Erde und Kosmos. Da Steiner nicht in der Landwirtschaft tätig war, habe er vor allem Ideen-Inputs, aber wenig konkrete Handlungsanleitungen gegeben.

«Er hat allerdings Anweisungen zu Herstellung und Anwendung von homöopathischen Präparaten gegeben.» Solche wenden Bolligers in ihrem Betrieb an. Ein siliziumhaltiges Kieselpräparat etwa trägt zur Steigerung der Lichtwirkung in den Pflanzen bei. «Auch hier gilt: Der gesamte Lebenszusammenhang muss stimmen, damit die Präparate wirken können», so Niklaus Bolliger.

Experimentierfeld Biohof Rigi

Regula und Niklaus Bolliger-Flury waren sich von Beginn an bewusst, dass die beste Bewährungsprobe für «philosophische Gedankengebilde» der praktische Alltag ist. «Wir wollten ausprobieren, ob biologisch-dynamische Landwirtschaft funktioniert. Der Biohof Rigi wurde zu unserem Experimentierfeld.»

Das heutige Erscheinungsbild des Hofes bestärke Bolligers in der Überzeugung, dass der Ideenhintergrund ihrer Betriebsweise alltagstauglich ist. Heute leben im 200-jährigen Hochstudhaus neben den Hofbesitzern drei Lehrlinge und ein Praktikant. Der Betrieb hat eine Bildungsbewilligung für die Berufe Landwirt, Gemüsegärtner, Agrarpraktiker und Fachperson biologisch-dynamische Landwirtschaft.

Aus den anfänglichen 8,5 Hektaren Land sind 15 geworden, und der Betrieb ist einer der wenigen im Dorf, der allein von der Landwirtschaft leben kann. «Die regelmässigen Bodenanalysen zeigen, dass unser Boden fruchtbar ist und die biologisch-dynamische Bewirtschaftung diesem offenbar guttut.»

Die Produktpalette hat sich laufend erweitert. «Wir versuchen uns gerne an neuen Produkten und lassen uns etwa in den Ferien im Ausland vom dortigen Lebensmittelbau inspirieren», so Bolligers. Ein in der Ferne abgeschautes Produkt ist Kardi, eine Distel mit essbaren Blattrippen. Während ihres letzten Urlaubs in den USA entdeckten Bolligers, dass die Amerikaner von «Kale» begeistert sind und den Federkohl, wie er bei uns heisst, auf verschiedenste Weise zuzubereiten wissen.

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft habe auch Kritiker, räumt Niklaus Bolliger ein. Diese würden Biobetriebe für einen Luxus halten und denken, die Welt könne auf biologisch-dynamische Weise nicht ernährt werden. Bolligers halten dem entgegen: «Der Bioanbau bringt tatsächlich etwas geringere Erträge. Diese würden aber ausreichen, wenn weltweit nicht mehr so viele Lebensmittel weggeworfen würden.»

Lebensform Landwirtschaft

«Die Landwirtschaft ist nicht nur ein Job, sondern eine Lebensform», sagt Niklaus Bolliger. So zeigt sich denn die Philosophie, in welcher Regula und Niklaus Bolliger-Flury ihren Hof führen, auch in anderen Bereichen ihres Lebens. Bolligers vier Kinder Salomé, Rosa, Cyrill und Léonie, die zurzeit alle ausgeflogen sind, besuchten die Rudolf-Steiner-Schule in Solothurn. «Es war uns ein Anliegen, sie auf eine Schule zu schicken, deren Pädagogik auf denselben Grundlagen beruht wie unser Landwirtschaftsbetrieb.»

Obwohl die Landwirtschaft ein Leben zu füllen vermag, bewahren sich Bolligers Kapazität für andere Projekte. Regula Bolliger-Flury widmet sich dem Maskentheater. Mit drei Freunden macht sie stummes Theater mit selbst angefertigten Masken.

«Oft schaue ich mir etwa die Leute im Zug an und lasse mich von ihren Gesichtern und ihrer Mimik inspirieren. Zuhause modelliere ich dann eine entsprechende Maske.» Lebendig werden die Masken dann durch die Körpersprache.

Das Schauspiel wird von Musik und Geräuschen untermalt. Aufgetreten ist die Theatergruppe bisher im halbprivaten Rahmen vor bis zu 500 Zuschauern. «Momentan arbeiten wir intensiv an einem längeren Stück.»

Niklaus Bolliger spielt Kontrabass in einer Jazz-Band. «Musik mache ich zu meiner eigenen Freude.»