«Teilweise bereits ausgeführt.» Beginnt eine Baupublikation mit diesem Satz, lässt dies oft nichts Gutes erahnen. Da hat einer vergessen, seinen neuen Gartenhag in einem Baugesuch zu publizieren, oder den Einbau eines Dachfensters. Der Besitzer des Fallernhofes auf Gemeindegebiet Oberdorf, aber in Rüttenen gelegen, hat da einiges mehr zu bieten: Erweiterung der Trocknungsanlage für die Kräuterproduktion, Erweiterung des Holzschnitzellagers und Ausstattung mit einer Solaranlage, Umbau des Schweinestalls zu einem Stall für Mutterkuhhaltung und Bestückung des Daches mit einer Solaranlage sowie Terrainauffüllungen und Terrainveränderungen.

Ernst Flückiger, der Kräuter auch für Ricola produziert, bereitet der Baubehörde von Oberdorf des Öfteren Sorge. So mag sich Baukommissionspräsident Marc Spirig nicht daran erinnern, in den neun Jahren, die er in der Baukommission ist, einen Baustopp verhängen zu müssen – ausser eben auf dem Fallernhof. Ist es die Distanz, die eine rechte Zusammenarbeit verhindert? Der Landwirt spricht von Frust. In Rüttenen zahle er keine Steuern, also interessiere die Rüttener nicht, was er mache. Und dort, wo er die Steuern bezahlt, besteht kaum Bezug zur Bevölkerung und muss das Verhältnis zu den Behörden als zerrüttet bezeichnet werden.

«Für wen zumutbar?»

Marc Spirig weiss, dass sich Landwirt Ernst Flückiger von der Gemeinde alleine gelassen fühlt. Andererseits sei Flückiger von der Baubehörde noch nie etwas nicht bewilligt worden, was dieser gebaut hatte. Aber eben oft nachträglich, nach Baustopp, Strafanzeigen und Verurteilungen sowie mit Verfügungen. Ein Beispiel ist der Lagerraum für die Holzschnitzel der Heizung: Die Baubewilligung wurde 2009 erteilt. Wird innerhalb eines Jahres nicht gebaut, kann um ein weiteres Jahr verlängert werden. Der Landwirt vom Fallernhof erstellte den Raum, laut Spirig aber nach Ablauf der Baubewilligung.

«Begonnen habe ich mit dem Bau, als die Bewilligung noch gültig war. Dann gab es eine Verzögerung», rechtfertigt sich der Landwirt. Für ihn sei dies eine Verfahrensunsicherheit. «In der Bauverordnung heisst es, der Bau sei in einer zumutbaren Zeit fertigzustellen. Für wen zumutbar? Für die Gemeinde oder für mich?»

Auch mit den Eigentumsverhältnissen nahm es der Landwirt nicht so genau. «Auf den Bauskizzen, die eingereicht wurden, war nicht ersichtlich, dass der neue Trocknungsraum auf Land der Bürgergemeinde gebaut werden soll.» Die Baukommission erlaubte den Bau. Erst eine nachträgliche Kontrollmessung habe gezeigt, dass der Bau teilweise auf Bürgerland steht. Die Bürgergemeinde wehrte sich und reichte Anzeige ein. Nach diversen Gesprächen zeigte sich die Bürgergemeinde bereit, das Land dem Landwirt zu verkaufen, sodass dieser den neu erstellten Trocknungsraum nicht abreissen musste. «Der Marchstein, von dem ich ausging, war der falsche. Ich habe seit meiner Jugend gedacht, das sei der richtige Stein. Dort aber, wo ein Marchstein die Grenze zum Bürgerland anzeigen sollte, gibt es keinen», verteidigt sich der Landwirt vom Fallernhof.

Aushub und Humus entsorgt

Den Bogen überspannt hat der Landwirt, laut Baukommissionspräsident Marc Spirig, auch mit unbewilligten Terrainveränderungen. So füllte er eine Senke auf eigenem Land auf einer Fläche von rund 500 Quadratmetern mit insgesamt 120 Kubikmeter Aushubmaterial auf. Ebenfalls auf eigenem Land wurde eine flachgründige Stelle mit 70 Kubikmeter Humus bedeckt. Nachträglich wurden diese unerlaubten Ablagerungen nun mit Auflagen vom Amt für Umwelt belegt. Das sei Unwissen, gibt der Landwirt zu. Er habe nicht gewusst, dass im Kanton Solothurn Terrainveränderungen unter 30 Zentimeter bewilligungspflichtig seien. Ein Teil seiner Erde liege nun im Kanton Bern, dort sei die Ablagerung nicht bewilligungspflichtig.

Erst nachdem der Kaufhandel mit der Bürgergemeinde abgeschlossen war, konnte auch das nachträgliche Baugesuch eingereicht werden, das die diversen Bauten in den letzten Jahren auf dem Fallernhof auflistet. Zu den Baugesuchen ist bislang, laut Baukommissionspräsident, keine Einsprache eingetroffen.