Aufgrund der Berichterstattungen und diverser Leserbriefe haben sich drei von vier Gemeindepräsidien am letzten Freitag abgesprochen, noch vor diesem Treffen an die Öffentlichkeit zu treten. Ihr Hauptanliegen: Sachlichkeit bewahren und eine differenzierte Sichtweise der Fakten.

Souverän soll entscheiden

In der Zwischenzeit haben drei von vier Gemeinderäten der Trägergemeinden, nämlich Aedermannsdorf, Laupersdorf und Mümliswil-Ramiswil, beschlossen, dass die Gemeindeversammlungen über den Fortbestand der Bergschule Brunnersberg entscheiden sollen. In Matzendorf steht ein diesbezüglicher Entscheid noch aus. Die Termine der jeweiligen Gemeindeversammlungen stehen ebenfalls noch nicht überall fest. «Gerade deshalb ist es wichtig, dass in der Öffentlichkeit kein verzerrtes und einseitiges Bild um das Thema ‹Bergschule Brunnersberg› entsteht», so die einhellige Meinung der Gemeindepräsidenten. Fakt sei, dass die Bergschule eine staatliche Schule sei und somit den Bildungsauftrag des Kantons Solothurn erfüllen müsse.

Die Gemeindepräsidenten stellen auch fest, dass die nun laufende politische Diskussion um die Bergschule von der Bergschule selbst herbeigeführt wurde. Als vor ein paar Jahren die Kinderzahl auf dem Berg unter das vom Kanton geforderte Minimum von acht Schülern zu fallen drohte, wurden kurzerhand Pflegekinder auf den Berg geholt. Dies zum Teil ohne Wissen der damals zuständigen Schulleitung und ohne Abklärung der Kostenfolgen. Im Sommer 2009 erweiterte die Bergschule eigenmächtig das im Vertrag festgelegte Schulgebiet und schulte Kinder von der Oberen Wengi ein. «Dieser Vorfall führte schliesslich zu einer Grundsatzdiskussion um die Bergschule. Anlässlich einer Aussprache mit Anstössern der Bergschule Brunnersberg im Dezember 2010 wurde den Anwesenden versprochen, dass ein neutrales Gutachten erstellt werden soll», ist weiter zu erfahren.

Bildungswesen hat sich verändert

Die erste Analyse wurde von ausgewiesenen Experten des Bildungsdepartementes Kanton Aargau erstellt. Der Auftrag beinhaltete pädagogische, strukturelle und organisatorische Fragen in Bezug auf die laufenden Reformen des Bildungswesens. Ein zweiter Bericht wurde im Auftrag des Vorstehers des Amtes für Volksschule und Kindergarten Kanton Solothurn von der Abteilung Schulaufsicht verfasst. Dieser Bericht ging detaillierter auf mehrere Themen wie Orientierung am Lehrplan, Chancengleichheit, Raumangebot usw. ein. «Es liegen nun zwei Analysen vor, die beide im Grundsatz das Gleiche aussagen», stellen die Gemeindepräsidien fest. Leider würden nun die Berichte von einigen Exponenten gegenüber der Öffentlichkeit pauschal als unqualifiziert dargestellt.

Dabei seien in den Analysen auch Stärken der Bergschule hervorgehoben. In Bezug auf die Bildungsreformen (HarmoS) mit den Themen Integration, Einführung Sek I, Übertrittsverfahren, ITC, Frühfranzösisch und Frühenglisch, spezielle Förderung usw. zeige aber die Bergschule Mängel auf. «Gerade um eine neutrale Betrachtungsweise der ‹öffentlichen Schule Brunnersberg› zu gewährleisten, war die Befragung der Bergbevölkerung nicht Teil des Auftrages, genauso wenig, wie die Befragung der Entscheidungsträger», wollen die Gemeindepräsidenten klarstellen. Da sich das Bildungswesen und die gestellten Anforderungen an jede einzelne Schulstufe in den letzten Jahren stark verändert hätten, sei das Modell einer öffentlichen Gesamtschule, tatsächlich infrage gestellt, ist de facto beiden Berichten zu entnehmen.

Faire Diskussion erwünscht

Oft ist in letzter Zeit die Chancengleichheit der Bergkinder ins Feld geführt worden. Gerade hier spricht der Bericht der kantonalen Schulaufsicht aber eine klare Sprache: «Der Schulalltag findet weitgehend im engen Kreis auf dem Brunnersberg statt. Die Kinder sind in einem gewissen Mass der Lehrperson ‹ausgeliefert›. Ein offener Schulbetrieb, der auf verschiedenen Ebenen (Lehrperson und Kinder) von Austauschmöglichkeiten genährt ist, fehlt.» Gerade der Austausch mit Gleichaltrigen sei für die Sozialisation und die Loslösung vom Elternhaus ein entscheidender Faktor. Zudem habe sich die Frage der Chancengleichheit bei der aktuellen Diskussion nur nach der Bildung zu richten.

Der Gemeinderat der Leitgemeinde Mümliswil-Ramiswil hat an seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen, dass die Schulleiterin nicht in die Entscheidfindung involviert wird und somit auch nicht an der Zusammenkunft vom nächsten Montag teilnehmen wird, da es sich um eine politische Entscheidfindung handle. Dem stimmen auch die Gemeindepräsidien der Vertragsgemeinden zu. «Wir wünschen uns am kommenden Montag eine faire und sachliche Diskussion und, dass die Bergschule nicht als Wahlkampf-Thema herhalten muss», halten die drei Gemeindepräsidenten abschliessend fest. Denn in letzter Zeit sei eine Stigmatisierung der Entscheidungsträger als «Schulabschaffer» festzustellen.