Nennigkofen

Fahren Anteners die Fähre ohne Ausweis und Zulassung, drohen Handschellen

Esther Gassler will zum jetzigen Zeitpunkt nicht Patin der neuen Aarefähre sein. Dies, weil Simon Antener die theoretische Führerprüfung fehlt und die neue Aarefähre keine Zulassung hat. Fährt er trotzdem, kann ihn die Polizei verhaften.

Die Mitteilung ist kurz, die Wortwahl überraschend deutlich. Sie werde an der Taufe der Aarefähre in Nennigkofen nicht teilnehmen, liess Regierungsrätin Esther Gassler (FDP) am Dienstag kurz nach 15 Uhr verbreiten. Auf dem «Inseli» bei Nennigkofen löst diese Nachricht ein mittleres Beben aus. «Ich verstehe die Welt nicht mehr», sagt Vreni Antener mit brüchiger Stimme. Die Bäuerin spricht einmal mehr von einer Verschwörung beim Kanton.

Eigentlich, dachte sie sich, laufe nun alles nach Plan. An den Anlegestellen arbeiten Monteure auf Hochtouren, in Arch werden seit Dienstag die Bauteile der Fähre zusammengeschweisst. Und Vreni Antener hat schon Pläne geschmiedet, was sie den Gästen der Fähren-Taufe auftischen wird. Doch nun wird die unendliche Geschichte der Aarefähre in Nennigkofen noch ein kleines Bisschen unendlicher. Ihre Kapitel tragen längst groteske Züge, ein Happy End ist nicht absehbar.

Keine Prüfung, keine Zulassung

Vergangene Woche hat die Regierungsrätin zugesagt, die neue Aarefähre am 12. August als Taufpatin einzuweihen. Nun die völlige Kehrwende. «Eine Übernahme der Patenschaft ist für Esther Gassler zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich», heisst es aus der Staatskanzlei. Die Regierungsrätin habe bei den Vorbereitungen der Taufe festgestellt, dass ihr bei der Zusage «wichtige Informationen» gefehlt hätten.

Zu diesen «wichtigen Informationen» gehört auch der Umstand, dass Simon Antener die neue Fähre gar nicht steuern darf. Zuerst muss er eine theoretische Führerprüfung ablegen. Dazu kommt: Noch fehlen die erforderlichen Zulassungen für die Fähre. Der Kahn muss von der Motorfahrzeugkontrolle abgenommen, Verankerungen müssen von einem Interkantonalen Konkordat geprüft werden. Und die Zeit dafür drängt: Schliesslich soll die Fähre bereits nächsten Mittwoch eingewassert werden.

Was wussten Anteners?

Nach Angaben der Solothurner Motorfahrzeugkontrolle würde die Prüfung der Fähre zwischen 10 und 15 Arbeitstage dauern. Bislang habe man von Familie Antener jedoch keine Unterlagen erhalten. «Es ist kaum anzunehmen, dass bis zum Mittwoch alle notwendigen Genehmigungen vorliegen», erklärt Dagobert Cahannes, Medienbeauftrager des Regierungsrats. Deshalb habe Regierungsrätin Gassler keine andere Möglichkeit gesehen, als ihre Zusage zurückzuziehen.

Nach dem unerwarteten Rückzieher stellt sich unweigerlich die Frage: Verfügte Gassler nicht bereits am 30. Juli über die «wichtigen Informationen», die nun zur Absage geführt haben? Nein, sagt Regierungssprecher Cahannes. «Das Departement der Volkswirtschaftsdirektorin ist ja nicht für Motorfahrzeugkontrollen zuständig.» Erst, nachdem Medien über die prominente Fähren-Gotte berichteten, sei Gassler auf Ungereimtheiten hingewiesen worden.

Vreni und Simon Antener können die Einwände der Behörden nicht verstehen. Auch das entspricht einem wohlbekannten Muster. «Die Prüfung einer Fähre darf doch nicht so viel Zeit in Anspruch nehmen», findet Vreni Antener. Sie beteuert: Man habe bisher nicht gewusst, dass die Verankerungen zusätzlich geprüft werden müssen. Informationen aus dem Umfeld der Behörden lassen jedoch darauf schliessen, dass Anteners bereits im April informiert worden sind, welche Bewilligungen sie einholen müssen. Wird die Familie ihre Fähre auch ohne Esther Gassler einweihen? «Vermutlich nicht», sagt Bäuerin Antener. Ohne Gotte mache eine Taufe keinen Spass.

Tatsächlich scheint es wenig ratsam, die Fähre ohne Bewilligungen in Betrieb zu nehmen: Damit würden sich die Anteners strafbar machen, bestätigt Kantonspolizei-Sprecher Andreas Mock. «Das ist vergleichbar mit jemandem, der ohne Führerschein in einem Auto ohne Zulassung unterwegs ist.»

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