Haustiere gehören jemandem, der sie füttert und für sie sorgt. Dennoch «finden» ungewöhnlich viele Menschen herumstreunende Hunde und Katzen. Manchmal sind diese Hunde und Katzen derart anhänglich, dass die «Finder» diese gleich mit nach Hause nehmen, und dabei gerne vergessen, dass die Tiere Besitzer haben. Landwirtin Iris Schnetz kann ein Lied davon singen. Ihr Hof beim Schlösschen Vorder-Bleichenberg ist exponiert. Viele Spaziergänger passieren den Hof von verschiedenen Seiten.

Bisher konnten die Haustiere der Familie Schnetz frei herumlaufen. «Wir schenkten diesen Sommer unserer Tochter zwei Katzen, chippten und impften diese.» Sie und ihre Tochter hätten gut zu den jungen Katzen geschaut. Eines Tages habe sie zufällig eine Spaziergängerin beobachtet, die eine der jungen handzahmen Katzen beim Bauernhaus in die Arme nahm. «Ich sah, wie sich die Frau, vor unserem Hof, umschaute und offenbar das Gefühl hatte, die Büsis gehörten niemanden.

Dann lief sie weiter, mit der Katze auf dem Arm. Ich stellte die Frau und fragte, was sie nun mit der Katze vorhabe? Ja, die sei so herzig und lieb und zahm und sie habe ja ein Einfamilienhaus, da auf dem Bauernhof habe es ja sowieso viele Katzen», berichtet Iris Schnetz.

Sogar der Hund wurde fast geklaut

Auf dem Hof leben weitere Katzen von den Vorgängern der Familie Schnetz. Diese seien aber nicht handzahm und «die klaut auch niemand», so Schnetz. «Nur weil wir Bauern sind, kann man doch nicht einfach Katzen mitnehmen.»

Auch der Hofhund wäre ohne beherztes Eingreifen der Bäuerin einfach mitgenommen worden. «Wenn wir im Stall sind, sehen uns die Spaziergänger nicht und wir wissen nicht, was die Hunde vorne auf dem Hofplatz machen.» Ihr anhänglicher Junghund lief einem Spaziergänger mit eigenem Hund nach.

In dem Moment, als Iris Schnetz aus dem Rossstall kommt, sieht sie, wie der Mann dem Hund eine Schnur um den Hals bindet. «Ich ging ins Auto, fuhr ihm nach und stellte ihn. Der Mann begründete seinen Raub damit, dass der Hund so alleine gewesen sei. Ich war aber in der Nähe, vielleicht nicht sichtbar, aber man kann doch nicht einfach einen Hund mitnehmen.»

Keine Einzelfälle

Solche Geschichten sind keine Einzelfälle. Wer hat nicht schon eine junge Katze erlebt, die zutraulich zwischen den Beinen herumstreicht und die man am liebsten mit nach Hause genommen hätte. «Die Fälle häufen sich», weiss eine Mitarbeiterin einer Tierarztpraxis. Tagtäglich sind in der Praxis solche Geschichten zu hören und auch die Folgen dieser Missbräuche. Denn beinahe keines der ‹gefundenen› Tiere ist herrenlos. Die Tiere gehören jemanden, der ein verschwundenes Tier oft unter grossem Leid vermisst.

Die Beziehung der Menschen zu ihren Tieren habe sich stark verändert, berichtet die Fachfrau. Haustiere hätten einen anderen Stellenwert als früher. Oft seien sie Kindsersatz oder Partnerersatz. Die Beziehung sei viel enger. Juristisch nenne man diesen Raub widerrechtliche Aneignung eines fremden Eigentums. Dies ist aber schwierig zu beweisen.

Denn die Katzen und Hunde wurden meistens «gefunden». Gechippte Tiere erleichtern heute das Auffinden des Halters, und wer wirklich eine Katze findet, die verwahrlost ist und wegen Hunger schreit, kann via Tiermeldezentrale, Radio oder Plakaten selber den Halter ausfindig machen.

Tiere sind «gwunderig»

«Aber warum muss man eine gesunde, wohlgenährte Katze, die umherstreunt, mitnehmen?», fragt Iris Schnetz. Die jungen Tiere seien «gwunderig», ergänzt die Fachfrau. Sie entdecken Gärten, gehen durch offene Türen und «sobald man diese Tiere füttert, werden sie konditioniert». Von der Maus bis zum Elefanten, alle können mit Nahrung gewonnen werden. Dies sei gegen den Willen des Halters und letzten Endes eine Enteignung.