Eigentlich wollte sie sich aus der Politik zurückziehen. Doch Evelyn Borer, ehemalige Dornacher Gemeinderätin und bis vor kurzem noch für die Sozialdemokraten Solothurner Kantonsrätin, überlegte es sich anders und trat vor kurzem dem Kirchgemeinderat der Evangelisch-reformierten Kirche Dornach-Gempen-Hochwald bei. Dieser befindet sich zurzeit in einer schwierigen personellen Situation und ist wohl froh um die Unterstützung der erfahrenen Milizpolitikerin.

Interne Turbulenzen hatten nämlich dazu geführt, dass in den vergangenen Monaten mehrere Mitglieder aus dem Gremium zurückgetreten sind, darunter auch der Präsident Walter Plüss. Die verbliebenen Ratsmitglieder schalteten daraufhin eine Anzeige im «Kirchenboten» und schrieben die frei gewordenen Sitze zur Bewerbung aus. An seiner Sitzung vom letzten Donnerstag konnte sich der Kirchgemeinderat schliesslich neu konstituieren. Neben Borer, die das Vizepräsidium übernimmt, ist auch Fredi Buchmann neu an Bord. Er leitet das Gremium künftig als Präsident.

Mit Evelyn Borer und Fredi Buchmann kehrt nun frischer Wind in die Kirchgemeinde ein. «Die Geschichten sind nicht vergessen, aber wir wollen keine alten Wunden aufreissen und endlich vorwärts-schauen», sagt Borer. Der Konflikt habe nämlich auch dazu geführt, dass gewisse Geschäfte liegen geblieben seien, sagt die Vizepräsidentin. «Die müssen wir nun dringend angehen.»

Ehemaliger Präsident mit Vorwürfen

Der Kirchgemeinderat besteht mit Borer und Buchmann aus fünf Mitgliedern, vorgesehen wären eigentlich sieben. Damit ist das Gremium zwar beschlussfähig, aber für die Ressortleiter bedeutet das mehr Arbeit, da gewisse Zuständigkeitsbereiche zusammengeführt werden müssen. Deshalb ist der Kirchgemeinderat weiterhin auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Oberste Priorität habe aber das laufende Tagesgeschäft, betont Borer. «Wir müssen schauen, dass der Laden läuft.»

Die alten Geschichten sind indes noch nicht ganz abgeschlossen. Die Streitigkeiten ausgelöst hatte die Anstellung der Finanzverwalterin der Kirchgemeinde. Diese sei nicht mit der geltenden Kirchgemeindeordnung vereinbar, kritisierte der ehemalige Kirchgemeinderatspräsident Alfred Läuchli in einem offenen Brief, der zu den internen Konflikten führte.

Kirchgemeindeordnung anpassen

Die Frau war zum Zeitpunkt ihrer Anstellung mit einem amtierenden Mitglied des Kirchgemeinderats verheiratet, was gemäss einer Auskunft des Solothurner Amts für Gemeinden tatsächlich rechtswidrig ist. Der Ehemann der Finanzverwalterin trat jedoch Ende letzten Jahres von seinem Amt zurück, was den von Läuchli geäusserten Vorwurf der «Vetternwirtschaft» entschärfte. Doch damit war die Sache für den Ex-Präsidenten noch nicht erledigt. In seinem Schreiben erhob er zusätzlich den Vorwurf, dass die Finanzverwalterin bei ihrer Anstellung mit Leitungsaufgaben betreut worden sei, die in der Kirchgemeindeordnung so nicht vorgesehen seien.

Borer räumt ein, dass zumindest der letztgenannte Vorwurf nicht ganz unbegründet sei. Man werde die Kirchgemeindeordnung aber zu gegebener Zeit anpassen. «Ungeachtet dessen macht unsere Finanzverwalterin einen guten Job», betont die Vizepräsidentin. Was die Zukunft betrifft, gibt sie sich optimistisch: «Wenn es uns gelingt, an einem Strang zu ziehen, können wir das Schiff wieder auf Kurs bringen.»