Gempen

EU-Kritik auf andere Art: Er schafft Kunst mit der Kettensäge

Kündigs freie Interpretation der Helvetia mag den einen oder anderen vorerst stutzig machen.

Vor rund elf Jahren hat sich der Büsseracher Felix Kündig selbstständig gemacht. Dass er mal «Carver» werden würde, hätte er nie gedacht.

Vergangenes Wochenende reisten wieder Kettensägen-Künstler aus aller Welt nach Gempen, um beim dritten Swiss Carving Open vor den Augen des Publikums Holzstämme zum Leben zu erwecken. Die «Carver», wie sie sich selber nennen, kommen aus sieben verschiedenen Nationen. Neben US-Amerikanern sind beispielsweise ein Japaner und ein Brasilianer vor Ort. Aber auch lokale Künstler zog es nach Gempen: Der Büsseracher Felix Kündig vertrat das Schwarzbubenland.

Angefangen habe alles durch einen Zufall. Nach einer Lehre als Zimmermann und der Weiterbildung zum Holzbau-Vorarbeiter reiste Kündig nach Kanada, um das Handwerk des Blockhüttenbaus zu erlernen. Nur zufällig stiess er nach der Rückkehr in die Schweiz auf den St. Galler Thomas Jud, an dessen Carving-Kurs er dann spontan teilnahm.

Alles begann mit einer Figur im eigenen Garten

Nach der Weiterbildung versuchte sich Kündig in seinem Garten selbst als Carver. Die Skulptur war vorerst als einmalige Sache gedacht, doch dann wurden die Leute darauf aufmerksam: «Jemand hat die Figur in meinem Garten gesehen und mich gefragt: ‹Bist nicht du der Schnitzkünstler?›. Darauf antwortete ich: ‹Nein, ich bin Zimmermann.›», erzählt Kündig mit einem bescheidenen Lächeln. Dann sei alles wie von selber ins Rollen gekommen. Obwohl er ein ganzes Jahr lang carving-abstinent war, ging er letztlich dann doch auf die vielen Anfragen ein, mit denen er sich plötzlich konfrontiert sah.

«Man arbeitet nicht nur, man erschafft etwas»

Seither hat der Büsseracher schon unzählige Kunstwerke geschnitzt. Unter anderem besuchte er das grösste Schnitzertreffen der Welt im US-amerikanischen Ridgway. Im Schweizer Dreierteam erzielte er dort bei der Versteigerung der Skulpturen mit der Nachbildung eines Drachen von «Game of Thrones» den zweithöchsten Erlös.

Am Carving Open in Gempen versuchte er sich vergangenes Wochenende an einer Eigeninterpretation der Helvetia. Ein Hingucker ist diese allemal: Statt den wohlgeformten Armen zeichnen sich dürre Skelettarme ab, der Kopf ist in eine Kapuze gehüllt und gesichtslos. «Es ist ein Versuch, die Schweiz im europäischen Kontext der heutigen Zeit zu verkörpern. Eine Zeit, in der zwar Demokratie herrscht – aber nur so lange, wie man mitmacht.», sagt Kündig. Insbesondere die wirtschaftliche und politische Abhängigkeit von den umgebenden Ländern will der Carver darstellen.

Im Gegensatz zu anderen Künstlern, die versuchen, Natur und Tiere möglichst naturgetreu nachzubilden, strebt der Büsseracher eher nach kreativen Werken, die eine Botschaft vermitteln. Das Schönste an der Schnitzkunst ist für Kündig aber etwas ganz anderes als das Überbringen einer Message: «Man sieht, was man getan hat. Man arbeitet nicht nur, sondern erschafft etwas.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1