Letzten Mittwoch ist im Keller an der Marktstrasse 11 in Bellach ein Abwasserrohr geborsten. Eine unangenehme und stark riechende Sache, aber eigentlich etwas, das passieren kann. Wenn dann aber weder die Hauswartin noch die Hausverwaltung erreichbar sind und sich die Bewohner um alles kümmern müssen, nimmt die Geschichte groteske Züge an. Ein Bewohner, der anonym bleiben möchte, erzählte darum gegenüber dieser Zeitung seine Geschichte. 

In Bellacher Wohnblock stinkt es

In Bellacher Wohnblock stinkt es

«Unhaltbare Zustände»

Als er am Mittwoch den Keller betrat, sei dieser schon zehn Zentimeter unter Wasser gestanden. «Zudem schwamm Scheisse herum, und es stank nach Pisse.» Natürlich habe er zuerst die Hauswartin informieren wollen. Zwar habe er gewusst, dass diese abwesend ist, er habe aber auch die Tochter nicht erreicht. Diese sollte nämlich während der Abwesenheit ihrer Mutter den Job übernehmen. «Sie hatte das Hauswarts-Natel einfach ausgeschaltet.» Beim Anruf an die Verwaltung sei dann auch nur die Mailbox gekommen.

Also habe er sich direkt an die Feuerwehr gewandt, die dann den Keller auspumpte. «Sie konnten aber das Leck nicht schliessen und stellten darum das Wasser ab.» Einen Tag später sei der Keller wieder vollgelaufen. Verzweifelt habe er sich bei der Polizei gemeldet, diese habe ihm aber auch nicht helfen können und an die Gemeinde verwiesen.

«Feuerwehr, Polizei und auch die Gemeinde haben versucht, die Tochter der Hauswartin und die Hausverwaltung zu erreichen – ohne Erfolg.» Im Auftrag der Gemeinde sei dann das Rohr temporär geflickt worden, obwohl diese nicht zuständig wäre. «Jetzt läuft zumindest seit Donnerstag das Wasser wieder.»

Ein Experte, der sich den Bruch vor Ort anschaute, sagte, dass das Rohr schon länger durchgerostet sei. Zwar sei ein Teil mal ausgewechselt, aber nur mit Drähten zur Decke gebunden worden. «Dort wird einfach nicht geschaut, es ist haarsträubend», so der Mann, der nicht mit Namen in der Zeitung erwähnt werden möchte.

Vor Ort wurde schnell klar, dass der Abwasserrohrbruch, die nicht anwesende Hauswarts-Tochter und die nicht erreichbare Hausverwaltung das Bild der «unhaltbaren Zustände dieser Liegenschaft» abrunden. Neben den Schäden, der Unordnung und des Gestanks die im Keller wegen des Rohrbruchs entstanden sind, herrscht nämlich im ganzen Gebäude Chaos. Zum Beispiel sind auf verschiedenen Etagen die Lichter kaputt, «das wurde schon mehrmals gemeldet und von der Hausverwaltung kamen nur leere Versprechen».

Weiter stapelt sich am Ende des Treppenhauses der Müll, das Treppenhaus ist verschmutzt und überall hängen Spinnweben. Das gleiche Bild zeigt sich im Haus nebenan – der Marktstrasse 9. Auch dort ist die Euro Estates GmbH die Verwalterin und für den Unterhalt die abwesende Hauswartin, beziehungsweise zurzeit ihre Tochter, zuständig. Besonders schlimm für die Bewohner des Doppelhauses mit zweimal 18 Wohnungen: der Müll-Abstellraum. Dort können die Bewohner ihre Müllsäcke in Containern lagern, die die Hauswartin zur Abholung nach draussen stellen sollte. Dort stinkt es bestialisch und der Müll stapelt sich über die Container hinaus.

«Man muss etwas unternehmen»

Überraschend der Blick in die Eingangspassagen der Liegenschaften Marktstrasse 5 und 7, die im selben Gebäude angesiedelt sind. «Dort hat es eine andere Verwaltung und einen anderen Hauswart – der Unterschied ist wie Tag und Nacht», so der Bewohner, der dieser Zeitung alles zeigte. Und tatsächlich: Auf den Briefkästen stehen farbige Blumen und Dekos, es wirkt heimelig. «Sie zahlen dieselbe Miete wie wir, nur stecken wir bis zum Hals in der Scheisse», so der erboste Bewohner.

Ursula Christ, Bausekretärin der Gemeinde Bellach, bestätigt auf Anfrage, dass sich einer der Bewohner wegen des Abwasserrohrbruchs bei ihnen meldete und sich über die Hausverwaltung beschwerte. Dies sei aber keineswegs das erste Mal: «Es haben sich schon mehrere Personen auf der Gemeinde wegen Probleme mit dieser Hausverwaltung gemeldet», so Christ. Unter anderem seien Reparaturen im Gebäude und auch in Wohnungen nicht vorgenommen worden. Das gehe nun schon seit einiger Zeit so. «Ich denke, dass man jetzt etwas unternehmen muss.» Denn das seien keine Zustände mehr und für die Bewohner zum Verzweifeln, so die Bausekretärin.