Klostergärten

Es sind Gärten im Zeichen der Bibel

Der Klostergarten in Beinwil: Kräuter und Gemüse teilen sich den Platz.

Der Klostergarten in Beinwil: Kräuter und Gemüse teilen sich den Platz.

Schlicht, von stiller Schönheit, zeigt sich das Kloster Beinwil von aussen auf einer Anhöhe im solothurnischen Schwarzbubenland. Drinnen im Hof ist es die kleine Gartenanlage, in der Kirche die Kunst, die faszinieren. Von schlichter Schönheit.

Gärten römischer Landvillen waren es, die Beispiel und Vorbild für Klostergärten wurden und so umgeben noch heute die wunderbarsten Anlagen die Klöster, wenn diese auch meist nicht so gross sind. Ob in Europa oder in Übersee, eines aber haben sie alle gemein, sie begeben sich mit ihren Blumen und Pflanzen auf den Spuren der Gebete. Wie sagte doch Pachomius (287–346) «Der Ort im Kloster, wo man Gott am nächsten ist, ist nicht die Kirche, sondern der Garten. Dort erfahren die Mönche ihr grösstes Glück». Klostergärten sind nicht nur durchdacht und von grosser Ordnung. Sie geben ebenso klösterliche Gedanken wieder, werden besungen und beschrieben in Gedichten und Büchern.

Eine ihrer wichtigen Pflanzen ist der Buchsbaum. Dieser umrahmt die Gärten (lateinisch «hortus»). Sein dunkles, sattes Grün hebt Kräuter für Küche und Heilung wie Blumen in ihren Farben besonders hervor. Ebenso verschiedenstes Gemüse, das hier nie fehlt. Sein Anbau dient vor allem der Selbstversorgung, und darauf sind die Klöster allgemein nicht nur stolz, sie sind auch darauf angewiesen.

Stille berührt

Besinnliche Halte in den Klostergärten sind ein Muss, weisen sie doch, vielen Besuchern noch unbekannt, auf einen biblischen Bezug zum Angebauten hin. So beispielsweise auf die Marienpflanzen wie dem Gänseblümchen (die Tränen der Muttergottes), dem Alant (Sinnbild der Erlösung). Prozessionsschmuckpflanzen, Heil- und Arzneipflanzen, Blumen, Obst bis hin zu Getreide machen den Klostergarten aus. Doch Klöster mit ihren Gärten, ihren oft zahlreichen Wandbildern in den Kreuzgängen, den Klosterhöfen bezaubern, beeindrucken nicht nur. Sie sind vor allem Orte der Ruhe. Ihre Stille berührt. Die Bibel erwähnt weit über 100 Pflanzen. Von Feld- bis Gartenpflanzen, vom Obstbaum bis hin zum Olivenbaum und der Weinrebe, Gemüse, Kräuter und Blumen. «Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen der Erde», heisst es im Buch Genesis 1,29.

Warum aber entscheidet man sich für ein Leben in der Klostergemeinschaft der Benediktiner, Kapuziner, Zisterzienser, Franziskaner, Dominikaner? Ist es Berufung, diesen unbekannten, langen Weg zu gehen? Darf man an die Klosterpforte klopfen und danach fragen?

Klein und beschaulich

Beinwil, das ehemalige Benediktinerkloster, ist seit 1980 nicht mehr von Mönchen oder Nonnen bewohnt. Im Kloster in Mariastein leben hingegen nach wie vor Mönche nach den Benediktiner-Regeln. Die Klosterkirche von Mariastein ist seit 1929 eine Basilika, ein Ehrentitel, den der Papst bedeutenden Kirchen unabhängig ihres Baustils verleiht.

Beinwil ist dabei eher klein und beschaulich, was nicht heisst, dass das Kloster nicht mit Grossem kreuzt, liegt es doch auf dem Pilger-Jakobsweg, der nach dem berühmten Santiago de Compostela führt. In Führungen zeigt das Kloster Beinwil die Kirche, den Kreuzgang, Bibliothek, Gärten und Museum. Hunde dürfen aus verständlichen Gründen nicht mitgenommen werden.

Heute organisiert die ökumenische Gemeinschaft Beinwil die Anlässe und Angebote rund ums Kloster. Klosterbesichtigungen, Tagungen, Übernachtungen einfacher Art sind nach Anmeldung möglich. Das Museum sowie ein kleiner Laden im Kloster sind ganzjährig täglich, ausser Sonntag, von 9 bis 19 Uhr, offen. Das Kloster Beinwil freut sich, mit den Besuchern stille Gedankenwege zu gehen. So am 9. Juni 2012 auf dem Bibel-Weg und am 7. Juli 2012 auf dem Blumen- und Kräuter-Weg.

Ein weiteres Kloster in der Region, St. Urban, hat zwar keinen Klostergarten, zeigt aber umso mehr schönsten Barock. Es ist ein Zisterzienserkloster aus dem 18. Jahrhundert, von Mönchen der Abtei Lützel im Elsass 1194 gegründet und beherbergt heute keine Brüder mehr. Auf einen Besuch freut sich gleichfalls das Kloster Visitation in Solothurn, wo noch 15 Visitantinnen und Salesianerinnen wohnen. Auch in Olten leben noch Kapuziner, deren Pforte jeweils für einen Adventsmarkt geöffnet werden. Klöster verschliessen sich uns also. Sie zeigen gerne ihr Inneres bei Führungen durch ihre imposanten Räume.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1