Energieversorger

Erneuter Kampf zwischen Stromanbieter AEK und EVB in Biberist

Tafel an Transformatorhaus am Biberister Lunaweg: Die AEK liefert auch Konkurrentin EVB den Strom.

Tafel an Transformatorhaus am Biberister Lunaweg: Die AEK liefert auch Konkurrentin EVB den Strom.

In Biberist kämpfen die lokalen Stromanbieter vehement um Kunden. Nicht das erste Mal. Bereits vor fünf Jahren gingen nach der Gründung von Energieversorgung Biberist (EVB) die Wogen hoch.

Hatten doch die Biberister als beinahe erste in der Schweiz die Möglichkeit, zwischen zwei Anbietern, EVB und AEK, auszuwählen. Seither haben sich die Wogen geglättet.

Offenbar aber nur vorübergehend. Denn nun greift die EVB zum Zweihänder und geht auf Konfrontationskurs. In einem Brief an alle Haushaltungen schreibt die EVB, sie liefere Strom günstiger als «der direkte Bewerber». «Je nach Energieverbrauch sparen Sie im Standardtarif bis zu 137 Franken und bei der Naturenergie bis zu 495 Franken jährlich.» Das wäre dann doch eine happige Ersparnis, die man sich nicht entgehen lassen möchte.

Im Dschungel der Angebote von Energielieferanten Vergleiche anstellen zu wollen, ist heikel. Wer aber das Kleingedruckte im Angebot der EVB liest, stellt fest, dass nicht gleich mit gleich verglichen wird. Dort erklärt die EVB, wie sie zu ihrer Behauptung kommt, günstiger als die AEK zu sein.

«Naturenergie»

So vergleicht sie etwa ihr Produkt «Naturenergie» mit dem grünen Strom der AEK. Das EVB-Produkt enthalte Strom aus «reiner Wasserkraft». Das AEK-Produkt bestehe aus 100 Prozent erneuerbarer Energie (Sonne, Wind und Kleinwasserkraftwerke). Damit setzt sie die Stromgewinnung mit Wasser der Stromgewinnung mit den sogenannten neuen erneuerbaren Energien Sonne und Wind gleich. Allgemein bekannt ist aber, dass Stromgewinnung mit Sonne und Wind teurer ist.

Die Antwort der AEK liess nicht lange auf sich warten. In einem Brief, der nur an die eigenen Kunden gerichtet ist, «präzisiert» die AEK die«irreführenden Behauptungen, die in Biberist verbreitet werden». «Wir wollen nicht zusätzlich Öl ins Feuer giessen», erklärt Ulrich Münch, Bereichsleiter Strom AEK und erinnert an die Strompreisauseinandersetzung vor fünf Jahren.

Aber die AEK wolle transparent informieren. Sein Arbeitgeber sei nicht immer günstiger als die EVB, aber auch nicht immer der teuerste Anbieter. Die AEK versuche, die Ökologie in den Vordergrund zu stellen. «Die Erfahrung zeigt, dass die Kunden bereit sind für Ökologie Geld auszugeben.» Wer ein günstiges Angebot will, habe auch mit der AEK die Wahl. Zu den Behauptungen der EVB verweist er auf die Internetseite des Bundes (www.strompreis.elcom.admin.ch).

Ruft man diese Seite auf, wird man fündig. In Biberist sind die Preise der EVB im Vergleich mit anderen Anbietern im Kanton eher an der oberen Grenze. Und wirft man einen Blick in die Rohdaten aller Stromlieferanten schneidet die EVB teils schlechter ab als die AEK. Weshalb also diese irreführende Werbung?

EVB will nichts wissen

EVB-Geschäftsführer Peter Kofmel will nichts von irreführender Werbung wissen. «Wir stellen auf das individuelle Verhalten unserer Durchschnittskunden ab, wie im Brief geschrieben. Da sind wir günstiger.» Seit drei Jahren werbe die EVB für das Produkt Naturenergie, das nur einen Rappen teurer sei als das Standardprodukt. «10 Kunden haben sich dafür entschieden», sagt er enttäuscht. Deshalb sei für ihn klar, dass es in diesem Markt um das günstigste Angebot geht und nicht um das Produkt. Dafür sei die Werbung gemacht worden. «Dabei sind wir so transparent wie nur möglich.»

Immerhin können die Biberister Strombezüger im nächsten Jahr von tieferen Preisen profitieren. Beim EVB seien es durchschnittlich 15 Prozent, schreibt diese in ihrem Brief.

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