Oberdorf
Er würde am liebsten sofort zurück nach Kanada

Fast ein Jahr lang lebte Christoph Ryser aus Oberdorf 2011 in Kanada. Sein Projekt: als Blockhausbauer im englischsprachigen Ausland arbeiten. Vom Aufenthalt ist er begeistert.

Melanie Riedi
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Der Oberdörfer Christoph Ryser ist von Kanada begeistert.

Der Oberdörfer Christoph Ryser ist von Kanada begeistert.

Melanie Riedi

Bereits seit vier Jahren ist der Handwerker Christoph Ryser ausgelernt. Beim Gespräch über sein Auslandjahr kommt er ins Schwärmen: «Es war schon immer mein Traum, einmal nach Kanada zu gehen.»

Er entschied sich für ein vielseitiges Programm in Kanada: Englisch-Sprachkurs, Blockbaukurs, Blockhausbauer-Job, Reisen. Organisiert wurden der Sprach- und der Blockbaukurs durch die Spracherlebnis Agentur aus Solothurn.

«Ich wollte unbedingt in eine Region mit Bergen», sagt Ryser. So sollte ihn sein Weg nach Kelowna führen. Diese Stadt mit etwa 100000 Einwohnern liegt im Westen Kanadas, nicht weit von Vancouver.

«Ich freute mich ganz besonders auf den Blockbaukurs und wollte unbedingt jedes National-Hockey-League-Stadion in Kanada besuchen», sagt der Sportfan.

«Im Sommer ist es in Kelowna sehr warm, und im Winter kann man von dort aus gut Ski fahren gehen», berichtet Ryser. Denn die Rocky Mountains sind nicht weit. Der sportliche junge Mann versäumte keine Gelegenheit, an den freien Winterwochenenden mit Kollegen Ski zu fahren oder im Sommer Nationalparks zu bereisen.

So berichtet er von jungen Bären, die er beobachten konnte und vom für ihn persönlich «ganz anderen» Schnee im kanadischen Gebirge. In der Freizeit trieb er mit Kollegen Sport, ging in Pubs und entdeckte die Umgebung.

Er wohnte bei einer vierköpfigen Familie

Sein Zuhause während des zwölfwöchigen Sprachkurses fand der Zimmermann bei einer vierköpfigen Familie in Kelowna. Der Gastvater besitzt ein eigenes Immobiliengeschäft, und dessen Frau hilft ihm bei den Büroarbeiten. Zwei weitere Studenten lebten unter demselben Dach. «Wir haben im Winter eine kleine Eisbahn im Garten gemacht und mit den Kindern Hockey gespielt», berichtet Ryser.

Der Schulalltag sei «relativ locker» gewesen. So drückte er von Montag bis Freitag jeweils morgens und nachmittags drei Stunden lang die Schulbank. Ab und zu wurde auch Curling gespielt, Bier und Kaffee getrunken. Sechs bis zwölf Schüler waren in seiner Klasse. Die täglichen Hausaufgaben beschränkten sich auf humane zwanzig Minuten. «Das Verhältnis zu den Lehrern war ziemlich kollegial. Manche gaben uns oft auch Reisetipps», fügt er lächelnd hinzu.

Einen zehnwöchigen Blockbaukurs absolvierte Christoph Ryser in Ontario. «Für den Blockhausbau haben wir alles selbst gezeichnet und ausgerechnet. Nach Abschluss des Kurses sollten wir also in der Lage sein, ein solches Haus selbst zu bauen.» In der Schweiz gäbe es laut ihm momentan kaum eine Chance dafür, den Blockhausbau anzuwenden.

In Kanada gibt es keine Berufslehre

«Im Vergleich zu den Kanadiern ist der Berufsstandard der Zimmermänner in der Schweiz sehr hoch», sagt Christoph Ryser. Denn wie er berichtet, könne man in Kanada keine «normale» Berufslehre absolvieren. Es gäbe nur Kurse, welche jedoch fachlich gut seien.

Nach dem Blockbaukurs folgten drei Monate, während derer er bei einer Firma in Merritt – westlich von Kelowna – als Blockhausbauer arbeitete. Zu dieser Zeit wohnte er zusammen mit einem Schweizer und einem Deutschen in einer Wohngemeinschaft.

Am Schluss seines Kanada-Aufenthaltes nahm er sich drei Monate Zeit zum Reisen. Sein Weg führte ihn durch ganz Kanada und unter anderem auch nach Hawaii, wo er viel Zeit an den Stränden und auf dem Surfbrett verbrachte. Die zweite Etappe führte ihn durch Peru und Bolivien: Die Hauptstädte Lima und La Paz, das berühmte Machu Picchu sowie der Uyuni-Salzsee waren einige seiner Reiseziele.

Er hatte sich schnell eingelebt

Für Christoph Ryser war es kein Problem, für die Dauer eines Jahres die Schweiz hinter sich zu lassen. Er lebte sich schnell in Kanada ein und fand neue Freunde. «Die Leute in Kelowna sind sehr offen und gesprächig. Es ist normal, dass einen mitten auf der Strasse oder während der Busfahrt Kanadier ansprechen und einen ganz ungezwungen in ein Gespräch verwickeln», erzählt Ryser.

Auf die Frage, ob er sich während des Jahres in Kanada verändert habe, antwortet der junge Oberdörfer: «Ich denke, ich habe mich nicht gross verändert. Aber ich bin ruhiger geworden und nehme alles gelassener – ganz nach kanadischem Habitus.»

Vor allem persönlich habe ihn sein Auslandjahr weitergebracht. Er ist sich sicher, dass einige Kontakte, welche er in Kanada knüpfte, für längere Zeit bestehen werden.

Auch die Weite Kanadas habe ihn sehr beeindruckt. Er kann sich gut vorstellen, einmal nach Kanada auszuwandern. Denn er ist fasziniert von diesem Land und den Kanadiern. «Am liebsten würde ich sofort wieder zurück.»