Sportzentrum Zuchwil

Er sorgt für das Glatteis auf der Kunsteisbahn

René Kummer ist seit 2005 Eismeister im Sportzentrum Zuchwil.

René Kummer ist seit 2005 Eismeister im Sportzentrum Zuchwil.

Schon seit über 8 Jahren arbeitet René Kummer als Eismeister im Sportzentrum Zuchwil. Damit die Schlittschuhläufer zufrieden sind muss das Eis spiegelglatt sein. Er überlässt nichts dem Zufall.

Wie René Kummer da in den Raum tritt, sieht er aus, wie sich viele wohl einen hemdsärmeligen Typen vorstellen. Ein dicker, mausgrauer Faserpelz, abgewetzte Jeans, schwarze Arbeiterschuhe mit Profil.

Am Gürtel trägt er, griffbereit in einer Lederhülle, einen Schinken von einem Festnetztelefon. Seine kräftigen Hände greifen überraschend sanft. Dazu passt das stetige, gütige Lächeln. Kummer ist, es steht gross auf seiner Brust, Eismeister.

Untertasse und Löffel braucht er nicht

Der 50-Jährige bittet uns ins Restaurant des Zuchwiler Sportzentrums. Kummer bestellt einen Espresso, Untertasse und Löffel braucht er nicht. Legen wir also los.

Herr Kummer, vom Winter derzeit keine Spur. Ist das schlecht für Ihr Geschäft? «Im Gegenteil», verneint er, «wenn die Leute nicht ins Skigebiet fahren, besuchen sie die Kunsteisbahn.» Am letzten Wochenende etwa hätten sich die Schlittschuhläufer schier die Bahnen streitig gemacht.

«Wir hatten alle Hände voll zu tun.» Wir? Der Teamleiter Eisbahn, so heisst seine Funktion offiziell, hat drei Mitarbeiter. «Jeder hat einen anderen Hintergrund, Eismeister ist ja kein Beruf.» Gefragt ist vor allem eines: handwerkliches Geschick. Das besitzt Kummer, der seit 2005 im Sportzentrum arbeitet, als gelernter Schreiner.

Herr über die Eisqualität

Der Eismeister ist Herr über die Eisqualität, und diese entscheidet über die Zufriedenheit der Schlittschuhläufer. «Das beste Eis ist spiegelglatt», sagt er. Dann nämlich sei es geschmeidig und klar, «die Kufen schmiegen sich perfekt».

Die Aussen-Eisbahn ist gewöhnlich von November bis März geöffnet, die Eisfläche in der Halle weicht nur im Sommer einer Inlineskating-Bahn. Wenn René Kummer eine neue Eisfläche ansetzt, ist er der Dirigent, der nichts dem Zufall überlassen möchte.

«Der Bau ist ein Prozess des Aufschichtens», erklärt er. Um eine Eisdicke von drei Zentimetern zu erreichen, muss das Wasser - zuerst mit Schläuchen, dann mit der Eismaschine - in etwa sechs Schichten aufgetragen werden.

«Wasser gefriert nicht sofort, deshalb ist exaktes Timing wichtig», betont Kummer. Ist die Eisdecke auf die geforderte Dicke angewachsen, bleibt sie die gesamte Saison bestehen. Der Gletscher steht, wie Eismeister dann unter sich zu sagen pflegen.

«Eishockey-Spieler sind am schlimmsten»

Bevor der Eismeister mit seiner Arbeit beginnen kann, muss allerdings zuerst der Untergrund abgekühlt werden. Kilometerlange Kühlschlangen im Betonboden sorgen für Temperaturen um minus acht Grad.

René Kummer weiss: «Ein kalter Boden ist der Garant für eine solide Eisdecke.» Nun will uns der Eismeister durch sein Reich führen. Neben der Aussen-Eisbahn, wo an diesem Morgen eine Schulklasse herumkurvt, führt eine breite Treppe in den Keller des Sportzentrums.

Enge Gänge mäandrieren in alle Richtungen. Vor den Umkleidekabinen der Eishockey-Manschaften weht ein eigenartiges Lüftchen aus Schweiss, Kunststoff und alten Socken. Wir bleiben kurz stehen.

«Die Eishockey-Spieler sind die Schlimmsten», sagt Kummer. Er grinst, berichtet: «Manchmal hinterlassen sie Zentimeter tiefe Furchen im Eis.» Eine Sonderbehandlung gibt es jedoch nicht.

Nach dem Match rücken die diensthabenden Eismeister mit den Eismaschinen aus, wie jeden Abend. Die zweiachsigen Gefährte haben einen eineinhalb Kubikmeter grossen Wassertank an ihrem Schnabel.

Eine schneckenförmige Schaufel sammelt Abriebe ein und Messerklingen hobeln die Eisdecke wieder spiegelglatt, bevor diese eingewässert wird. Wenn die Maschinen abziehen, ist das Eis schon fast wieder durchgefroren.

Das Herzstück der Eisbahn

Kummer öffnet die Tür zum Maschinenraum, wo Kompressoren und Motoren Kälte erzeugen. Er vergleicht das mit einem überdimensionalen Kühlschrank. Seine Worte werden vom Rattern der Anlage erstickt, er meint noch so etwas wie: «Das Herzstück unserer Eisbahn.»

Mehrmals am Tag ist er hier, prüft Parameter und Temperaturen. Dazu kommen Aufgaben, die mit Unterhalt, Verwaltung und Sicherheit zu tun haben. Und: «Ich bin auch Aufseher an den Eisflächen.»

Trotz Hightech ist dem Eismeister zumindest draussen ein natürlicher Feind geblieben: das Wetter. «Wenn sich die Sonnenstrahlen ins Eis fressen, ist die Sache bald gelaufen», sagt Kummer. Dann muss auch er der Natur ihren Lauf lassen.

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