Biberist
Er ist Anwalt zum Wohl der Tiere

Ueli Blaser ist als Wildhüter zuständig für das Revier 17 und verantwortlich für kranke, verletzte oder tote Tiere. Bei Unfällen mit Wild ist er stets einsatzbereit. Im 2013 musste er über 40 Mal ausrücken, meist nachts.

Agnes Portmann-Leupi
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Wildhüter Ueli Blaser mit seiner Hündin Bella, die noch mitten in der Ausbildung als Stöberhund steht

Wildhüter Ueli Blaser mit seiner Hündin Bella, die noch mitten in der Ausbildung als Stöberhund steht

apb/key

Er sitzt vor dem Waldhaus der Jagdgesellschaft des Reviers 17 im Altisberg und blättert in seinem Protokollheft. Haargenau hat Ueli Blaser darin die Begebenheiten im Zusammenhang mit Fallwild aufgezeichnet. Als Wildhüter des Reviers ist er nämlich für kranke, verletzte oder tote Tiere verantwortlich, was konkret heisst, rund um die Uhr abrufbar zu sein. 1222 ha – davon 443 ha Wald – umfasst das Revier 17, welches sich über Lohn-Ammannsegg und Biberist bis hin an die Bürenstrasse an der Aare und den Bleichenberg hinzieht. Über 40-mal musste Ueli Blaser im Jahr 2013 ausrücken. Meistens wird er dabei aus dem Schlaf gerissen.

Fuchs und Dachs sind von Bahn- und Autounfällen am meisten betroffen, unmittelbar gefolgt von den Rehen. Im letzten Jahr verunfallte sogar ein Wildschwein. Die Meldungen kommen grösstenteils von der Polizei. Vorschriftsgemäss gehen die Aufzeichnungen des Wildhüters jeweils an den Jagdleiter und an das Amt für Wald, Jagd und Fischerei.

Umherirrende Nebenbuhler

Vor allem im Frühling mehren sich die Unfallmeldungen. Im Winter nämlich leben die Rehe gesellig in Gruppen. Im Frühling jedoch verteidigen der Platzbock, aber auch die Geissen vor dem Setzen der Kitze ihre Territorien. Gefahr lauert dann für die umherirrenden Nebenbuhler. «Flüchtet ein Tier nach einem Unfall und werden Verletzungen vermutet, kommt ein Schweisshund zum Einsatz, der anhand der Wundfährte die Suche aufnimmt», informiert Ueli Blaser. «Ich töte nicht gerne», sagt er.

Aber für die Tiere sei es meistens eine Erlösung. Das tote Wild kommt in den Konfiskatraum nach Zuchwil. Teilweise können verletzte Tiere aber auch in der Wildstation beim Schloss Landshut in Utzenstorf gerettet werden.

Grosses Ärgernis sind Hundebisse

Die Wildhüter im Kanton Solothurn sind unentgeltlich für ihre Reviere im Einsatz. «Ich mache die Arbeit den Tieren zuliebe», sagt Ueli Blaser. Und man spürt, wenn ein Tier leidet, leidet auch er. Erst vor kurzem rettete er Dachse, die in einem eingebrochenen Schacht eines alten Bauernhauses im Wasser schwammen. In solchen Fällen erhält er oft Meldung von aufmerksamen Spaziergängern. Was ihn in Rage versetzt, sind Funde von Tieren, die von Hunden gejagt wurden. «Erst kürzlich musste ein Rehbock von seinen starken Verletzungen erlöst werden», erzählt er. «Ist der Hundehalter bekannt, erfolgt eine Strafanzeige.»

Nicht selten treffe er Hundehalter, die trotz Schonzeiten ihre Hunde nicht an der Leine führen. Dann müsse er sich oft beherrschen, um sachlich zu bleiben. «Wir sind keine Polizisten, wir sind die Anwälte der Tiere und sorgen dafür, dass es ihnen gut geht», betont er. Ein wachsames Auge braucht der Wildhüter aber auch, um Tierkrankheiten zu erkennen und zu melden. Wie etwa im letzten Jahr die grassierende Fuchsräude.

Bella, der künftige Stöberhund

Zweimal täglich ist der Pensionierte in Begleitung seines Deutschen Jagdterriers im Revier unterwegs. Die anderthalbjährige Bella steckt mitten in ihrer Jagdhundeausbildung. Täglich wird sie von ihrem Meister eine Stunde trainiert, oft zusammen mit andern Hunden, damit sie das Verhalten im Rudel lernt. Bereits hat Bella verschiedene Prüfungen hinter sich. Wenn in diesen Tagen die Jagd im Revier 17 beginnt, hat Ueli Blaser auch zu prüfen, ob die richtigen Waffen samt Munition eingesetzt werden. Dann gilt für die Jagdgesellschaft «Weidmannsheil», um die Vorgaben des Kantons zur Regulierung des Wildbestands zu vollziehen. Nicht ohne Stolz erwähnt der Wildhüter die kaum vorkommenden Fehlschüsse. Bei der Jagd im Revier müsse ein Schweisshund für eine Nachsuche nur ganz selten eingesetzt werden.

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