Privater Wirtschaftsförderer

Er hat schon 30 Millionen ins Technologiezentrum Witterswil gesteckt

Ueli Nussbaumer, Eigentümer und Geschäftsführer des TZW.

Ueli Nussbaumer, Eigentümer und Geschäftsführer des TZW.

Seit 2001 haben sich im «fernen» Leimental zahlreiche gestandene Firmen und Erfolg versprechende Start-ups angesiedelt. Im Technologiezentrum Witterswil wird entwickelt und geforscht. Eigentümer und Geschäftsführer des Areals ist Ueli Nussbaumer.

Die Solothurner Wirtschaft wird oft gleichgesetzt mit der Präzisions-, Uhren-, Zuliefer- oder Medtechindustrie. Aber selten bis gar nie mit Pharma- und Agroforschung. Dabei wächst in Witterswil im Solothurner Leimental an der Grenze zu Frankreich ein vielversprechender Firmenpark heran, von dem «vor dem Berg» kaum jemand Notiz nimmt. Im Technologiezentrum Witterswil (TZW) entwickeln und forschen zahlreiche Jungfirmen an interessanten, mehr oder weniger fortgeschrittenen Projekten im Bereich Life Sciences.

Dahinter steckt Ueli Nussbaumer. Er ist 68-jährig, aber quirlig wie ein Jungunternehmer. «Wir wollen für Start-ups etwas unternehmen und ihnen bei der Weiterentwicklung Unterstützung bieten», sagt der Eigentümer und Geschäftsführer des TZW. Das Geschäftsmodell ist einfach: Das TZW stellt den Jungfirmen geeignete Räumlichkeiten und Labors zur Miete zur Verfügung. «Das funktioniert, wir schreiben schwarze Zahlen.»

Das sei aber nur ein – wenn auch zwingender – Nebenaspekt. Hauptziel sei es, Arbeitsplätze im Leimental zu schaffen und eine gesunde Expansion und ein kontinuierliches Wachstum der hier ansässigen Firmen zu erreichen. «Wir betreiben hier Wirtschaftsförderung auf privater Basis.» Das TZW profitiert stark von der benachbarten Basler Pharma-, Agro- und Chemieindustrie und der Universität. «Das Technologiezentrum gehört klar zum Wirtschaftsraum Basel», hält Nussbaumer fest.

Auch etablierte Unternehmen

Neben den Jungfirmen zählen auch inzwischen etablierte Unternehmen zum Branchen-Mix auf dem Gelände. Nussbaumer erwähnt dazu beispielsweise die Innovative Environmental Services (IES). Die vor sieben Jahren mit zehn Angestellten gestartete Unternehmung beschäftigt heute 80 bis 90 hoch qualifizierte Mitarbeitende. IES untersucht Pflanzenschutzmittel auf ihre Wirkung auf die Umwelt, liefert Daten für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Kunden sind internationale Agro- und Pharmabetriebe. Oder die Duresco AG, die im Bereich Zweikomponenten-Plastik-Granulate nicht nur forscht, sondern die Produktion von Holland nach Witterswil verlagerte. Oder die Firma Küschall, die Hightech-Rollstühle entwickelt und produziert. Daneben sind viele Kleinstfirmen eingemietet, die für Pharmafirmen forschen. Ferner betreiben das Geografische Institut und das Botanische Institut der Uni Basel einzelne Abteilungen in Witterswil.

Das Areal ist riesig, das Ueli Nussbaumer im Jahr 2000 übernahm. Es war die ehemalige agrobiologische Versuchsstation der damaligen Sandoz und umfasst nebst 70 000 Quadratmetern Landfläche Büro- und Produktionsräume sowie fünf grosse Gewächshäuser und benachbarte Anbauflächen. «Mittlerweile sind hier auf 30 000 Quadratmetern 16 Firmen mit rund 250 Arbeitsplätzen angesiedelt», zieht Nussbaumer Bilanz. Das Potenzial zum weiteren Ausbau stehe bereit. Langfristig wären bis zu 1000 Arbeitsplätze denkbar. «Das ist visionär, aber möglich.»

Weitere Investitionen

Nussbaumer selbst kennt das Unternehmertum. Bereits mit 23 Jahren hat er von seinem früh verstorbenen Vater den Familienbetrieb, ein Holzverarbeitungsunternehmen mit 70 Beschäftigten, übernommen und sukzessive ausgebaut. Er, der gelernte Werkzeugmacher mit betriebswirtschaftlicher Aus- und Weiterbildung, verkaufte den elterlichen Betrieb Ende der 1990er-Jahre mangels Nachfolgeregelung. Da sei eben die Idee gewachsen, etwas für Jungfirmen zu tun.

Seit der Gründung 2001 habe er aus dem eigenen Sack über 30 Millionen Franken in Sanierungen, Umbauten und Neubauten investiert. Weitere Investitionen werden folgen, zurzeit stehe man mit zwei Interessenten zur Ansiedlung in Verhandlungen. Trotz nachweisbaren Erfolgen in seiner Tätigkeit als Wirtschaftsförderer beklagt er, dass das TZW im Kantonshauptort Solothurn zu wenig wahrgenommen werde. «Manchmal habe ich den Eindruck, dass zwischen dem Bezirk Dorneck und Solothurn nicht nur Berge liegen, sondern Grenzen.»

Diese Hürde abzubauen, um enger mit der kantonalen Wirtschaftsförderung zusammenzuarbeiten, sei ein Ziel. So oder so, das TZW werde weiterleben, sagt Nussbaumer. Eine seiner beiden Töchter sowie der Sohn arbeiteten bereits im Unternehmen und würden das Zentrum in seinem Geist weiterführen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1