Biber Travel
Er hat einkassiert, aber keine Flüge und Hotels gebucht

Das Reisebüro Biber Travel köderte als Reiseveranstalter Kunden mit Billigstreisen, ohne die bezahlten Reisen auch zu buchen. Wohl mehrere hundert Reisende wurden so hinters Licht geführt.

Franz Schaible
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Peter Weisskopf

Peter Weisskopf

Tele M1

Langsam kommt etwas Licht ins Dunkel der gescheiterten Biber Travel GmbH in Biberist. So ist nun klar, welche der getäuschten Reisebüro-Kunden mit einer Rückerstattung ihrer Auslagen rechnen können und welche nicht. Insgesamt dürften es mehrere Hundert Geschädigte sein, was auch Beat Dannenberger, Ombudsman der Schweizer Reisebranche, zu spüren bekommt. «Wir werden von Telefonanrufen geprellter Kunden überschwemmt.» Deshalb hat er nun für betroffene Reisende ein Merkblatt zum Vorgehen auf der Homepage (www.ombudsman-touristik.ch) aufgeschaltet.

Zeitpunkt der Buchung massgebend

Demnach ist für eine Rückerstattung der Reiseauslagen der Zeitpunkt der Buchung beim Reisebüro massgebend. Wer eine Reise vor dem 3. Mai 2012 gebucht hat, ist durch die Kundengeldabsicherungsfirma Swiss Travel Security in Birmensdorf geschützt. Wer seine Reise zwischen dem 20. Juli und dem 19. September 2012 gekauft hat, ist durch die Travel Professional Association (TPA) geschützt. Dagegen hatte Biber Travel für Buchungen im Zeitraum vom 4. Mai bis 19. Juli keine Kundengeldabsicherung. Für diese Kunden ist das Geld wohl verloren. Kunden, die bei Biber ein Arrangement eines «fremden» Veranstalters gebucht haben, sollten die Reise trotzdem noch antreten können. So teilte gestern stellvertretend Hotelplan mit, dass jene Reisegäste, die ein Arrangement der Marken Hotelplan, Travelhouse oder Globus Reisen gebucht und bezahlt hätten, ohne Zusatzkosten in die Ferien reisen können.

Beschiss: badeferien gekauft - teppichknüpferei geliefert

«Peter Weisskopf ist in der Branche kein unbeschriebenes Blatt», drückt sich Beat Dannenberger, Ombudsman der Schweizer Reisebranche, vorsichtig aus. Wie gestern berichtet, war Weisskopf, der das Reisebüro Biber Travel im Hintergrund führte, in zahlreichen ominösen Firmen als Eigentümer oder Geschäftsführer involviert, die Frauen und Männer auf umstrittene Werbefahrten zu locken versuchten. Nun zeigt sich, dass Weisskopf diesem «Geschäftsmodell» auch als Reisebüromanager treu geblieben ist. So staunte Christine Jundt in Heimberg, nahe bei Thun, nicht schlecht, als sie dieser Tage Post vom Reisebüro Biber Travel erhalten hat. «Ich hatte im August aufgrund eines Prospektes bei Biber Travel ein Arrangement für 8 Tage Badeferien inklusive Flug und Hotel in der Südtürkei gebucht», sagt die 43-jährige Frau. Geplanter Abflug am 6. Oktober. Das bezahlte Arrangement sei so bestätigt worden. Nun entpuppe sich im zugeschickten Programm mit Flugtickets die gebuchte Badeferienreise als reine Werbefahrt, empört sich Jundt. Praktisch die ganze Woche sei organisiert für Besuche in Teppichknüpfereien, in Schmuckläden und so fort. Dabei sei doch bekannt, dass die Besucher und Besucherinnen jeweils abgezockt würden. Zudem sei der Flug auf eine andere Gesellschaft umgebucht worden und darüber hinaus hätte sie noch 160 Franken nachzahlen sollen. Als Kundengeldabsicherungsfirma sei ferner Swiss Travel Security (STS) angegeben, obwohl diese ihre Garantie bereits im Mai zurückgezogen hatte (siehe Hauptartikel). Für STS-Geschäftsführer René Gugger ist es deshalb sehr wichtig, dass der Kunde beim Zeitpunkt einer Buchung seriös abkläre, ob ein Reisebüro eine gültige Kundengeldabsicherung habe. Für Christine Jundt ihrerseits ist klar: «Auf diese Reise verzichte ich. Das Ganze ist eine Frechheit.» (FS)

Weisskopf spielte Reiseveranstalter

Auch die Arbeitsweise von Peter Weisskopf, der das Reisebüro im Hintergrund führte, wird transparenter. Biber Travel habe eine grosse Zahl von Kunden mit billigen Pauschalreisen geködert, von ihnen die Zahlung eingefordert und auch erhalten, berichtet Ombudsman Dannenberger. «Nur sind die Reisen mehrheitlich weder gebucht noch an die entsprechenden Stellen bezahlt worden.»

Ein Hinweis des Ombudsman an die Kundengeldabsicherungsfirma TPA und anschliessende Recherchen führten dann dazu, dass diese die Garantien am 19. September per sofort zurückzog, wie TPA-Geschäftsführerin Sonja Laborde erklärt. Es habe sich herausgestellt, dass Biber Travel nicht wie bis anhin nur als Reisevermittler, sondern auch als Reiseveranstalter mit eigenem Programm aufgetreten sei. «Dort sind die Risiken wesentlich höher, muss der Veranstalter doch auch für Hotels und Flüge geradestehen.» Ein Veranstalter müsse bereits im Vorfeld der Buchungen Kontingente für Flüge und Hotels organisieren und mindestens teilweise vorausbezahlen. Offensichtlich sei dies aber nicht passiert. Deshalb habe Biber Travel ihren Kunden auch keine Flugtickets und weitere Reiseunterlagen zustellen können. Und wenn doch, wurde die Buchung dreist abgeändert (siehe Kasten). Laborde spricht nicht nur von einem aussergewöhnlichen Fall. «Da steckt wohl mehr als ein normaler Firmenbankrott dahinter.»

Garantie frühzeitig gekündigt

Bereits früher als TPA hat die andere, involvierte Garantieleisterin reagiert. Das Reisebüro Biber Travel sei längere Zeit Mitglied der Kundengeldabsicherung Swiss Travel Security gewesen, erklärt deren Geschäftsleiter René Gugger. Es habe nie Probleme gegeben. Kurz nach dem Besitzerwechsel im Februar 2012 sei die entsprechende Abdeckung am 3. Mai 2012 durch die Swiss Travel Security gekündigt worden, sagt Gugger. Aus Datenschutzgründen könne er keine Angaben über die Gründe machen.