Bucheggberg

Englisch ist die Brücke zu den Asylsuchenden

Markus Dick aus Biberist betreut seit März im Asylkreis Unterbucheggberg die Asylsuchenden. Wir waren mit dem SVP-Politiker unterwegs.

Es ist wie so oft und unbedacht von «den Asylanten» die Rede. Warum nicht Asylsuchende oder Flüchtlinge, beispielsweise. Das sei nicht entscheidend, sagt Markus Dick. «Was zählt, sind die Taten.» Dick sagt dies zwar in einem anderen, ähnlichen Zusammenhang, aber es lässt sich münzen auf sein Verhältnis zu den von ihm betreuten Menschen.

Im Auftrag des Asylkreises Unterbucheggberg sorgt er für die vom Kanton Zugewiesenen. «Der Druck ist gross. Es hiess bisher, dass die Asylanten drei, vier Monate in den kantonalen Zentren verweilen, bis sie in die Gemeinden verteilt werden. Am Freitag kommen welche, wovon einer im Juni vom Kanton erfasst wurde.»

Die Welt ist in Lüterkofen, Bibern oder Mühledorf nah. Krieg und Konflikte in Syrien, Tibet, Afghanistan, Äthiopien lassen die fremden Menschen im Bucheggberg stranden. Hier warten sie, manchmal jahrelang, und hoffen auf eine Statusänderung. Positiv, wenn möglich.

Die Betreuer werden formell vom Bundesamt nicht detailliert informiert, aber die Asylsuchenden müssten informieren, wenn sie einen Bescheid erhalten. «Manchmal kommen sie auch zu mir und wollen wissen, was das heisst, was ihnen da in einem Brief mitgeteilt wurde. Auch wieder eine solche Frage, wie weit mein Engagement gehen soll?» fragt Dick. Seit März betreut er die Asylsuchenden. «Wir sind immer noch dabei, Erfahrungen zu sammeln», bleibt er bei der Frage nach dem Umfang seines Engagements im Vagen. «Soll ich eine Person mit Schulden links liegen lassen, oder soll ich ihm helfen? Am Ende wird es für die Gesellschaft nur teurer, wenn ich jetzt nichts mache», gibt er die Antwort gleich selber.

Seit Jahren in der Schweiz

Umgekehrt versucht Markus Dick, der in Biberist für die SVP politisiert, mit allen seinen zu Betreuenden den Kontakt zu halten. Meldet sich jemand nicht, fragt er nach. «Spätestens wenn das Geld ausbezahlt wird, Singles erhalten zweimal monatlich Geld, weiss ich, ob jemand allenfalls nach einem Bescheid untergetaucht ist.» Der Kanton fackle nicht lange. Nach zwei nicht eingehaltenen Terminen soll der Platz für neue Asylsuchende freigegeben werden.

Sein Englisch ist die perfekte Brücke zu den Asylsuchenden. Etwa für die Mutter aus dem Kongo, die seit Jahren mit ihren drei Kindern auf einen positiven Bescheid wartet. «Natürlich macht ein negativer Entscheid in einer solchen Situation wenig Sinn. Sie leben seit Jahren in der Schweiz, die Kinder werden eingeschult und reden Schweizerdeutsch.» Aber mit den Entscheiden hat Markus Dick nichts zu tun, damit müsse er bei dieser Arbeit leben. «Für die Politik bin ich hier nicht zuständig, diese Arbeit ist rein sachlich.» Schön wärs. Draussen im offenen Anbau des Pavillons in Lüterkofen zeigt Markus Dick erfreut auf die vom Mann zusammengebauten Insektenhotels. «Er hat das einmal aufgeschnappt.»

Junge, nette Kerle

Sein Englisch hilft auch an den anderen Standorten, die an diesem Morgen besucht werden. In Bibern und Mühledorf teilen sich jeweils mehrere junge Männer ein Haus. Einige Brocken Deutsch sprechen die meisten, aber die Verständigung läuft über den Ansprechpartner, der das Englische am besten beherrscht. Die Besuche sind teilweise angekündigt.

Die jungen Männer haben die Wohnungen gereinigt und warten nun auf lobende Worte von Markus Dick. Und sie warten interessiert und angespannt auf die Neuigkeiten ihres Betreuers. Markus Dick hat die Pillen nicht vergessen. Bestimmt aber freundlich weist er darauf hin, dass diese letztmals abgegeben werden.

Der eine oder andere erhält eine Zuteilung für den sehnlichst erhofften Sprachkurs, andere müssen warten, bis zu einem Jahr, weil das Angebot nicht ausreichend ist. Dick vergisst nichts, nicht den Teppich, den er im Lager mit den gespendeten Waren noch holen will, nicht das Essen für die drei Neuen zu organisieren, auch nicht das Hochbett und nicht die Rügen. Er verpackt diese etwas, berichtet vom nicht sinnvollen Spaziergang auf das Dach des Asylhauses, vom Wunsch, in der Nacht unterwegs mit Rollerblades doch eine Leuchtweste zu tragen und anderen Missliebigkeiten. «Die meisten sind wirklich nette Kerle.» Markus Dick bringt viele Erfahrungen für diese Arbeit mit. Als Militär weiss er zu organisieren und hat den Umgang mit Menschen gelernt. Er war Kompaniekommandant, verbrachte als internationaler Beobachter 18 Monate im Balkan, wo er seine Ehefrau kennenlernte, und zwei Jahre in Korea.

«Seit ich die Arbeit ausführe, habe ich über 126 neue Kontakte. Menschen, mit denen ich zu tun habe», berichtet er. Dazu gehören Bucheggberger Bauern. Sie helfen, ein weiteres Ziel des Asylkreises, neben dem Erlernen der Sprache, umzusetzen. «Arbeit für die Asylanten.» In Bibern sind es gleich drei Bauern, die Arbeitseinsätze anbieten.

Biobauer Hans-Ulrich Müller hat sogar zwei Asylsuchende angestellt. «Natürlich ein wunderbares Beispiel, was möglich ist, denn sie kosten den Steuerzahler keinen Rappen», so Dick. «Nein, wenn eine Stelle frei wird, warten zehn Polen dahinter und Schweizer machen diese Arbeit nicht», verneint Hans-Ulrich Müller Rührseligkeit. Die beiden hätten sich bewährt und leisten beste Arbeit. Etwas, was Markus Dick auch seinen Schutzbefohlenen bieten will. «Der Sache wegen», wie er sagt. Und weil doch die Taten zählen.

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