Deitingen

Elektrosmog-Experte: «Die Strahlungsintensität in Deitingen ist eher gering»

Mobilfunkantennen sind gar nicht immer das Problem: Elektrosmog ist in den meisten Fällen hausgemacht.

Mobilfunkantennen sind gar nicht immer das Problem: Elektrosmog ist in den meisten Fällen hausgemacht.

Messungen, die Experte Markus Gugler über einen längeren Zeitraum durchgeführt hat, zeigen es: In der Gemeinde Deitingen gibt es wenig Elektrosmog. «Deitingen ist ein idealer Wohnort für elektrosensible Menschen», so Gugler.

Mobilfunkantennen, drahtlose Internetstationen (WLAN), kabellose Telefone aber auch Hochspannungs- und Eisenbahnleitungen vereinfachen uns den Alltag. Doch die unsichtbaren Wellen machen vielen Leuten Angst. In Deitingen wollte man die Situation genauer untersuchen, schliesslich hat man mit dem Messlabor Ned-Tech GmbH den Spezialisten gleich im Dorf.

Wie stark ist die Belastung durch «nicht ionisierende Strahlen», wie die Strahlungen im Fachjargon heissen, tatsächlich? Markus Gugler (Ned-Tech) ist Elektrosmog-Experte. Er hat in den letzten Monaten im ganzen Dorf Messstationen aufgestellt und die Resultate nun am Montag rund 40 Interessierten aus der Bevölkerung präsentiert.

Am höchsten beim Bahnhof

«Die Strahlungsintensität im Deitinger Gemeindegebiet ist eher gering», so Markus Gugler. Messungen zeigen, dass beim Bahnhof - wo sich auch die Mobilfunkantenne befindet - etwa ein bis zwei Volt pro Meter herrschen. In Anbetracht, dass der Grenzwert fünf Volt pro Meter beträgt, ist diese Belastung sehr klein. Es ist aber nicht so, dass eine derart grosse Belastung nirgendwo vorkommt. Den Anwesenden wurde am Beispiel einer Antenne in Bellach aufgezeigt, dass die Belastung durch eine solche Antenne durchaus auch fünf Volt pro Meter betragen kann.

Auch andere Messungen im Dorf - etwa im Schachen (0,5 Volt pro Meter), im Dorfzentrum (0,4 Volt pro Meter) oder beim Golfclub Wylihof (0,3 Volt pro Meter) zeigen nur eine geringe Belastung. Die guten Resultate können für Deitingen ein Standortvorteil sein, betonte Gemeinderat Daniel Schreier. Aussergewöhnlich sei nämlich, dass es im bewohnten Dorfteil gerade einmal eine Mobilfunkantenne gebe. «So können wir unsere Gemeinde positiv vermarkten. Deitingen ist ein idealer Wohnort für elektrosensible Menschen.»

Strahlenjäger in Aktion: Markus Gugler misst mit dem Dosimeter im Schulzimmer Elektrosmog.

Strahlenjäger in Aktion: Markus Gugler misst mit dem Dosimeter im Schulzimmer Elektrosmog.

Von besonders grossem Interesse waren die Messungen, die mit Hilfe von Dosimetern in Schulen vorgenommen worden waren. Während im Erd- und Untergeschoss des Schulhauses keine Strahlung wahrnehmbar war, herrschte im Obergeschoss konstant ein Volt pro Meter. «Ursache dafür ist das WLAN, ausserdem sind Ausschläge durch Mobiltelefone erkennbar.»

Wild durcheinander

«Sehr erstaunt haben mich die Angaben des Dosimeters, den ich einer Schülerin in die Oberstufe Subingen mitgegeben habe», sagte Gubler. Ein Balkendiagramm lässt die Strahlungsbelastungen während des ganzen Tages nachvollziehen. Beim Frühstück zu Hause gab es keine Signale festzustellen, solange die Storen noch geschlossen waren. Erst als die Storen geöffnet wurden, hat der Dosimeter eine leichte Strahlung von aussen aufgezeichnet.

Ein Ausschlag lässt sich dann auf dem Schulweg beim Passieren der Mobilfunkantenne am Bahnhof feststellen. Sehr bunt und mit hohen Ausschlägen zeigt sich das Balkendiagramm dann im Schulhaus: Mobiltelefone, WLAN und Schnurlostelefone sind festgehalten, alles durcheinander. «Das heisst, dass diese Signale alle «hausgemacht» sind! Von Mobilfunkantennen haben wir hier kaum Signale.»

Gerade weil die Signale meistens «hausgemacht» sind, kann man etwas dagegen tun. Bei einem Versuch hat Gubler festgestellt, dass ein zehn Meter langes aufgerolltes Verlängerungskabel ein enormes elektromagnetisches Potenzial ausstrahle. 35 Volt pro Meter habe dies ausgemacht, während es bei gestrecktem Kabel nur 10 Volt pro Meter sind. Ausserdem könne man durch bestimmte Bleche eine Abschirmung erreichen. «Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Schule gelegt werden», so Gubler.

Kinder und Jugendliche sollten über Elektrosmog informiert werden. Zudem könne man gerade in Schulen viel erreichen: Beispielsweise indem man kurze, abgeschirmte Kabel verwendet und Kabelsalate vermeidet. Ausserdem sollte man WLAN nur einschalten, wenn man es tatsächlich benötigt. Zu Hause reiche es ausserdem oft, wenn man stationierte Geräte von sensiblen Orten fernhält. «Geht nicht mit Angst nach Hause», forderte Markus Gugler: «Versucht, im Alltag etwas zu ändern!»

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