Bahn-Leidenschaft
Eisenbahn-Virus: Hier findet sich alles, was das Bähnler-Herz begehrt

In einem privaten Dachstock in Kriegstetten stossen Bahnbegeisterte auf einen Schatz. Markus Schweyckart sammelt seit 30 Jahren alles über den öffentlichen Verkehr.

Fränzi Rütti-Saner
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Ein Kriegstetter begeistert sich für die Geschichte der Bahnen
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Ein alter Billette-Kasten.
Um 1950 passierte das Bipperlisi ohne Ampeln den Bahnhofplatz Solothurn.

Ein Kriegstetter begeistert sich für die Geschichte der Bahnen

Felix Gerber

«Den Virus hab ich wohl von meinem Vater geerbt», sagt der Kriegstetter Markus Schweyckart. Er meint damit den Eisenbahn-Virus, und zwar in einer ganz bestimmten Ausrichtung. Er sammelt alles von älteren, meist nicht mehr bestehenden schweizerischen Bahnen und Trams. In Schweyckarts Eisenbahn-Räumen, im Obergeschoss seines neu erbauten Hauses in Kriegstetten, ist aber keine der üblichen Modelleisenbahn-Anlagen zu finden, dafür eine riesige Bibliothek mit Eisenbahn-Büchern, Ordnern mit seiner Sammlung von alten Fotos und Ansichtskarten von den Bahnen, einige Bahnutensilien wie alte Billette, Uniform-Hüte oder Plakate und seltene Bahn-Modelle.

«Ich gehe eher von einem journalistischen Ansatz aus», sagt er und erwähnt, dass er auch schon 1997 als Autor eines Buches über die verschwundene Locarno-Ponte Brolla-Bignasco-Linie, auch bekannt als Maggiatal-Bahn, in der Fachwelt in Erscheinung getreten ist.

Erste Sammlererfahrungen machte Schweyckart schon als Kind, doch beruflich hat er sich nicht der Bahn-Branche verschrieben, sondern im sozialen Bereich. «Vielleicht hatte ich als Kind mal den Wunsch, Zugführer zu werden», meint er. «Doch mich interessierten eher die geschichtlichen und dokumentarischen Aspekte des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz.» So richtig bewusst zu sammeln angefangen habe er vor rund 30 Jahren. Schwergewicht seiner Sammlertätigkeit sind Bahnen, die zwischen 1880 und 1970 in Betrieb waren. In der Schweiz gab es damals viele kleinere und grössere Regionalbahnen, und in fast jeder grösseren Stadt fuhr ein Tram.

Und so sind im Laufe der Jahre rund 300 prall gefüllte Bundesordner und noch einmal so viele Bücher und Publikationen zusammengekommen. Oft könne er aus Nachlässen oder von ehemaligen Sammlern Bestände übernehmen. «Man kennt mich inzwischen in der Szene», sagt er lächelnd. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass ehemalige Bahngesellschaften oder Verwaltungen ihn auf alte Bestände aufmerksam machten, und er deren Archive neu ordnen konnte.

Heute mache das Internet natürlich auch vieles einfacher, dort findet man Börsen und Verkäufer, erzählt er. Das Archivieren und Gliedern seiner Sammlung nimmt viel Zeit und Geduld in Anspruch. «Das ist eine Sache, die mir sehr viel Spass macht.» Seit Schweyckart in Kriegstetten lebt, interessiert er sich auch für die Geschichte der Wasserämter Gemeinde und hat schon einen Ordner angelegt.

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