Bellach
Einzonung von Grederhof Ost würde das Bauland über Jahrzehnte definieren

Das Gebiet Grederhof Ost in Bellach soll in Windeseile eingezont werden. Auf dem Gebiet könnte Wohnraum für 660 Menschen entstehen. Grund für die Eile ist, dass sich die Gemeinde weitere Finanzierungsmittel in Millionenhöhe vom Bund sichern möchte.

Urs Byland
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Situation Bellach Ost: Anschliessend an die Wohnblöcke entsteht eine Wohnzone. Zirka auf der Grenze zwischen grünem und hellgrünem Land soll die Erschliessungsstrasse zum Franziskanerkreisel führen. Das hellgrüne Land wird zur Reservezone Wohnzone.

Situation Bellach Ost: Anschliessend an die Wohnblöcke entsteht eine Wohnzone. Zirka auf der Grenze zwischen grünem und hellgrünem Land soll die Erschliessungsstrasse zum Franziskanerkreisel führen. Das hellgrüne Land wird zur Reservezone Wohnzone.

Hanspeter Bärtschi

Die Zeit drängt. Ungeduldig bleibt Bauverwalter Hans Lüthi deshalb beim Namen Grederhof Ost. Der ist zwar negativ behaftet, aber den Gemeinderäten bekannt. Das bringt ihm einen Verweis von SP-Gemeinderätin Heli Schaffter ein, die auf der Neuschöpfung Bellach Ost beharrt.

Die Szene ist typisch für das Geschäft. In Windeseile soll ein Gebiet eingezont werden, auf dem dereinst 660 Menschen Platz finden. Noch einmal ein solches Gebiet, die zweite Hälfte von Bellach Ost, würde zur Reservezone erklärt.

Und warum drängt die Zeit? Der Kanton will noch einige Millionen beim Bund abholen für die Verschiebung des Bahnhofs. Diese gilt im Agglomerationsprogramm erster Generation aber erst als vollendet, wenn «der neue Bahnhof innert zwei Jahren besser an das Busnetz angeschlossen wird», wie der Kanton schreibt.

Dazu braucht es eine neue Erschliessungsstrasse, die von der Quartierstrasse beim Grederhof (Marktstrasse) zum Franziskanerkreisel führt. Ohne Einzonung des aktuell als Reservezone eingestuften Bellach Ost braucht es keine Erschliessungsstrasse. Die Millionen gingen dem Kanton flöten.

Bald 6000 Einwohner?

Weiter wird schon in wenigen Monaten ein mehrjähriger Einzonungsstopp den Kanton treffen. Dieser wird so lange gelten, bis der Kanton den kantonalen Richtplan revidiert hat. Ausgelöst wird diese Revision durch das neue Raumplanungsgesetz, dem die Stimmbürger im letzten Jahr zustimmten. Also drängt die Zeit.

Bellach hat es nicht eilig. Erst gerade wurde das räumliche Leitbild vom Volk gutgeheissen, das einen Bevölkerungszuwachs von 1 Prozent jährlich, von heute 5200 auf maximal 6000 Einwohner, vorsieht.

Das wäre in 15 Jahren erreicht. Mit der Einzonung von Bellach Ost ist diese Planung bereits Makulatur, weitere Einzonungen kaum machbar, denn Bellach Ost sei an den Bedarf neuer Bauzonen anzurechnen, schreibt der Kanton. Das vorgesehene Wachstum ist damit beinahe schon erreicht.

Erika Biberstein (SP) fühlt das Messer am Hals: «Mein Ja zum Leitbild bedeutete doch nicht Ja zu Bellach Ost.» Der Bauverwalter mahnt: «Wir versuchen seit 1972 Bellach Ost einzuzonen. Jetzt müssen wir vorwärts machen. Im Mai ist es zu spät.»

Felix Glatz-Böni (Grüne) sieht keinen Spielraum für eine weitere Entwicklung von Bellach nördlich der Bielstrasse. Beat Späti (FDP) gibt ihm recht, will aber mittels Etappierung etwas erreichen.

Gemeindepräsident Anton Probst (FDP) befürchtet eine Blockierung der Entwicklung Bellachs und mahnt: «660 Einwohner mehr heisst auch Investitionen in Infrastruktur, beispielsweise in ein neues Schulhaus.»

Geld lockt

Trotz negativer Stimmen mag sich manch einer im Gemeinderat gedacht haben, lieber jetzt eine einfache Einzonung, als später Probleme beim Einzonen mit einem revidierten kantonalen Richtplan. Denn statt Einzonungen ist dann verdichtetes Bauen erwünscht, und wenn eingezont werden soll, dann höchstens, wenn gleichzeitig etwas ausgezont wird.

Zudem lockt das Geld. Da noch keine Rechtsgrundlage besteht, empfiehlt der Kanton eine Mehrwertabschöpfung (20 bis 40 Prozent) vertraglich zwischen Gemeinde und Landbesitzer zu regeln. Und dies vor einem Ja des Regierungsrates zu der Einzonung.

37 000 Quadratmeter sollen eingezont werden. Der Mehrwert mit der Einzonung der Reservezone wäre beträchtlich. Bei einem angenommenen Schnitt von 30 Franken Mehrwertabschöpfung pro Quadratmeter kommt man auf über eine Million Franken. Wie das Geld aus der Mehrwertabschöpfung verwendet werden soll, ist noch unklar.

Und wann es effektiv fliessen könnte, ist auch unklar. Der Gemeindepräsident fragt sich aber, wie Verträge ohne Rechtsgrundlage ausgearbeitet werden können. Der Bauverwalter plädiert dafür, von den Landeigentümern die neue Erschliessungsstrasse zahlen zu lassen. «Dann haben wir jetzt einen reellen Wert und nicht irgendwann Geld aus einer Mehrwertabschöpfung.»

Der Antrag von Felix Glatz-Böni auf Rückweisung des Geschäftes erhält nur drei Stimmen. Beat Spätis Antrag auf Etappierung wird angenommen. Am 6. Februar organisiert die Gemeinde einen Infoanlass zu Bellach Ost. Anschliessend wird der Teilzonen- und Erschliessungsplan Bellach Ost öffentlich aufgelegt werden.