Biberist
Einzigartige Werke aus Marmor und Marmor-Staub zu bewundern

Werke von Karin Stauffer Eggenschwiler und Norbert Eggenschwiler können noch bis 8. Dezember im Schlösschen Vorder-Bleichenberg in Biberist bewudert werden. Die Malerin verarbeitet Marmorsandstaub, der bei Norbert Eggenschwilers Bildhauerei abfällt.

Eva Buhrfeind (Text)und Felix Gerber (Bilder)
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Die Balsthaler Norbert Eggenschwiler und Karin Stauffer Eggenschwiler zeigen ihr künstlerisches Schaffen.

Die Balsthaler Norbert Eggenschwiler und Karin Stauffer Eggenschwiler zeigen ihr künstlerisches Schaffen.

Solothurner Zeitung

Zeiten des Kommens und Gehens, was bleibt im Wechsel der Gezeiten im Sand: In den gross- wie auch kleinformatigen Bildern der 43-jährigen Karin Stauffer Eggenschwiler klingen das Ursprüngliche, die Texturen des Wandels an.

Bewegungen von Sand und Wasser, Schwemmgut vom Meer angespült zu wandelreichen Impressionen kleiner Hölzchen und Zweige, die im Sand einfachste Strukturen ergeben und doch in steter Veränderung sind. Es ist für die Malerin aus Balsthal ein immer wiederkehrendes und in Andalusien immer wieder intensiv beobachtetes Thema, das sie Strandgut gleich variationsfreudig zu farbdezenten Momenten der Erinnerung verwandelt.

Dazu verarbeitet die Malerin jenen Marmorsandstaub, der bei Norbert Eggenschwilers Bildhauerei abfällt, mit den sandighellen Acrylfarben zu einer Farbmasse, die dann auf die Leinwand oder auf MDF-Tafeln in aufwendigen Prozessen des Auftragens und Abnehmens lasierender, brüchiger und plastischer Elemente zu einer poetisch stimmenden Transparenz geschichtet wird. Diese unleserlich gewordenen Eindrücke eines steten Wandels des Sehens steigert Karin Stauffer in anderen Werken in eine Art Archäologie dessen, was war, was bleibt und nie ganz ausgelöscht wird.

Es ist die Geschichte einer Plakatmauer und ihrer Schichten von Zeit und Sein, eine Projektionsfläche für innere und äussere Bilder, für die sensibilisierte Wahrnehmung des Unauffälligen wie für das Material und dessen Wirkung. Auch hier trägt die Künstlerin die nun zartblaue und dezent graue Farbmasse in vielen Schichten auf und nimmt sie wieder ab, lässt das Steinerne als unverrückbaren Moment anklingen, deutet mit relikthaften Strukturen das Architektonische dieser freskenhaften Kompositionen an, so, als wenn zwischen den Chiffren und Schichten die Zeit ein Geheimnis hütet.

Der Marmor, ob andalusischer, portugiesischer Herkunft oder Carrara-Marmor, das im Laufe der Evolution entstandene Sediment aus Kalkablagerungen, bei Norbert Eggenschwiler schliesst sich der Kreis des Steinernen und Versteinerten zu neuer Gestalt: Elegant im hellen Schimmer verhalten sich seine Marmorplastiken wie prähistorische oder architektonische Relikte, wie fremdartige Fossilien und wiederentdeckte Versteinerungen.

Akkurat gestanzte Löcher oder Rillen spielen mit der Vorstellung frühester einfachster Lebensformen, öffnen den Stein, suggerieren innere Welten oder lassen an porige Häute denken. Anderes erinnert an seltsame Bienenwaben, an knöcherne Verpuppungen, versteinerte Schwämme. Ursprunghaft und gleichzeitig zeitlos präsent im raffinierten Dialog von sanft geglätteter und regelmässig strukturierter Oberfläche scheinen diese marmornen Körper von einer seltsamen Spannung belebt.

Sie sind Sinnbild ihrer eigenen Natur und Ausdruck der bildhauerischen Vielseitigkeit zugleich und spiegeln besonders in den neuen Arbeiten Innen- und Aussenwelten, Befindlichkeiten und Eindrücke des Künstlers wider. Da reflektiert der 52-jährige Balsthaler Norbert Eggenschwiler die sensible Haut als Barometer der Gefühle, steckt kurze Nylonschnüre in fein strukturierte Marmorkörper zu einem wehrhaften Panzer, lässt sie über einem glitzernden Steinbett wiegen wie feinen Strandhafer oder sich reizvoll aufrichten in unmerklicher Bewegung.

Kleine Wandobjekte beschreiben innere und äussere Ansichten. Ein Stockhammereinsatz ziert den Rücken eines samtweichen, eiförmigen Objekts, das Werkzeug des Bildhauers wandelt sich hier zum Restpanzer eines poetischen Wesens zwischen Utopie und Prähistorie. Das seltene Phänomen der Schneewellen hingegen verkörpert er in knochenartigen Gebilden, die weniger Bewegung denn die reine klare Form zitieren.

Bis 8. Dezember. Geöffnet: Mittwoch und Donnerstag, 16 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr. Schlösschen Vorder-Bleichenberg, Biberist.