Matzendorf

Eine etwas ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte aus dem Thal

Einmal, am Tag vor Weihnachten soll die Orgel in der Matzendörfer Kirche St. Pankratius von unsichtbarer Hand gespielt worden sein. (HR. Aeschbacher)

Einmal, am Tag vor Weihnachten soll die Orgel in der Matzendörfer Kirche St. Pankratius von unsichtbarer Hand gespielt worden sein. (HR. Aeschbacher)

S Eggeschwiler Liseli i der Sunne z Matzedorf hed zuemer gseit: «Alls weiss, ass i euser Chilche unghüürig isch. Euse Vatter hed albe mängs Müschterli dervo verzellt.»

«Göit doch euse Sigrist go froge, der Meister Bärnhard. Dää chanech sicher gnue dere Züg verzelle!»

I bi zum Matzedörfer Sigrist gange, und dää isch uf mis Froge usegruckt: «Es isch wohr, as man eister Geischterzüg vo euser Chilche brichtet hed. Aber i hab nie nüüt settigs gseh. Und i bi doch zu jeder Tages- und Nachtzit i der Chilche, im Schiff, im Chor, ufem Eschtrig und i der Sakrischtei gsi. Und das sit füfzg Johr. Nume ei arigi Gschicht hani erläbt, woni nid glaubti, wenn mer se öpper deet verzelle. Es cha aber kei Tüschig si. Mit Frau und mi Mueter si derby gsi und jede vonis hed s gliche köört.

Es isch am Tag vor Wiehnacht gsi, glaub 1927. Mir hei d Chilche parat gmacht für d Chrischtmetti. Mi Frau und mi Mueter hei gwüscht uf der ungere Empore, dört, wo der Orgeletisch isch. Do foot öpper uf der Orgele aa spiele, en unbekannti, schöni Melodie mit ere fyne Begleitig. «Hee! Wär spielt jetz sälb obe?», hani grüeft. Es hed mer aber niemer Antwort gee. Das Spiele isch witergange, bis d Melodie fertig gsi isch, und denn heds verklunge.

Do chöme mi Frau und mi Mueter obenabe und si ganz ufgregt. «Wär hed gspielt?», frogi si no einisch. «Jää, hesch dus au ghört?», gäbe si zur Antwort. Und mi Frau hed verzellt: «D Mueter hed linggs vo der Orgele gwüscht und i rächts. Do chund ufsmol us der Orgele use ne wunderschöni Melodie. Mir hei beedi umgluegt. Der Dechel vo der Orgele isch zue gsi und gsplosse wie eisder. Und doch hed öpper gspielt.»

Wo mir no so stuune, bsinnt sich mi Mueter und seit: «Was isch ächt mit em Strähl Sepp? Hed sich dä öppe kündet*?» Der Sepp isch midere Lungeentzündig im Bett gläge und hed mit em Tod grunge. Er isch der bescht Chilesänger gsi mit sim schöne Tenor. Und nie hed er gfehlt uf der Vorchilche bi der Orgele.

Mir hei nüd angers dänkt,weder der Strähl Sepp heig si kündet. Es isch soo gsi: Genau am dritte Tag druuf, am 27. Dezämber, isch er gstorbe.

*sich künden = den eigenen Tod mittels aussergewöhnlicher Phänomene anzeigen

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