Lohn-Ammannsegg

Eine 300-jährige Schnapsgeschichte in Lohn-Ammannsegg nimmt ein Ende

In der alten Brennerei: Inhaber Robert Wyss (r.) und sein langjähriger Mitarbeiter Hans Käsermann.

In der alten Brennerei: Inhaber Robert Wyss (r.) und sein langjähriger Mitarbeiter Hans Käsermann.

Der Brennmeister Robert Wyss geht nach 50 Jahren in Pension. Die Lohnbrennerei, in welcher bereits seit dem 18.Jahrhundert Schnaps gebrannt wird, steht zum Verkauf. Interessenten haben sich bisher aber noch keine gemeldet.

Wo könnte sie anders stehen als am Brennereiweg, die uralte, weiss getünchte Brennerei. Holz und blaue Fässer stapeln sich vor dem Gebäude. Im Innern faszinieren die kupfernen Brennhäfen und Korbflaschen. «Bereits im 18. Jahrhundert wurde hier Schnaps gebrannt», sagt Robert Wyss, der die Lohnbrennerei in dritter Generation führt – aus Altersgründen nur noch bis Ende Juni. Sein Grossvater Johann Wyss kaufte im Jahr 1904 von der Familie Strausak die Brennerei samt dem dazugehörenden Restaurant Sternen und dem Landwirtschaftsbetrieb. Robert Wyss bekam die Konzession für die Brennerei nach dem Tod seines Vaters Hans Wyss im Jahr 1963 von der Eidgenössischen Alkoholverwaltung.

Noch keine Kaufinteressenten

Was ab Juli mit der Brennerei geschieht, ist noch ungewiss. «Denn ein Verkauf der Brennhäfen muss mit der Alkoholverwaltung geregelt werden», macht der Besitzer klar. Eine neue Konzession erfordere ein einwandfreies Leumundszeugnis und den Auszug aus dem Strafregister. Kaufinteressenten gebe es noch keine. Dass dem gestandenen Brennmeister die Aufgabe seines Betriebs und das Zurücklassen einer jahrelangen, treuen Kundschaft sehr schwer fällt, ist unverkennbar.

32 500 Liter Schnaps in einer Saison

50 Jahre lang hat Robert Wyss, je nach Obstanfall und Saison, die Dampfkessel bereits morgens um sechs Uhr mit Spezialkohlen eingeheizt. «Zum Heizen eignen sich ebenso die hartschaligen Kerne des Steinobstes wie Zwetschgen, Pflaumen, Kirschen», informiert er. «Früher holten wir die Obstmaische bei den Bauern und Privatpersonen ab», blickt er zurück.

In den letzten Jahren seien die Brennmengen stark gesunken. «Viele Kleinbauernbetriebe sind verschwunden, viele Obstbäume mussten Überbauungen weichen und zudem ist auch der Schnapskonsum zurückgegangen», hält der Brennmeister aus Lohn-Ammannsegg fest. Daher habe er sich aushilfsweise als Chauffeur betätigt.

Heute seien es hauptsächlich Private mit eigener Hofstatt, die ihm das Stein- und Kernobst eingebeizt liefern. Er erinnert sich an das gute Obstjahr 1992/93, als er 32 500 Liter Schnaps gebrannt hat. 100 Kilogramm Maische ergeben rund elf Liter 42-prozentigen Branntwein.

«Härdöpfeler» als Wissenschaft

Was aber verhilft zu einem gelungenen Endergebnis des Eingebeizten? «Wichtig ist eine gute Nase des Brenners», macht Robert Wyss klar. Nicht zuletzt wegen des beim Destillieren entstehenden giftigen Methylalkohols, der abgetrennt werden müsse. «Von Bedeutung ist aber auch das saubere Einbeizen», bekräftigt der 80-jährige Hans Käsermann, der seit 1968 in der Brennerei arbeitet. «Man kann nicht jeden Abfall in die Maische geben und dann guten Schnaps erwarten.»

Robert Wyss wagte sich auch an Spezialitäten wie etwa Vieille Prune, die zum eigentlichen Renner wurde. Als wahre Wissenschaft bezeichnet er das Brennen des «Härdöpfelers», dessen Herstellung nach 1997 wieder erlaubt wurde. Seit 45 Jahren ist auch Ehefrau Sylvia in den Betrieb involviert und sorgt dabei für einen einwandfreien Bürobetrieb. Vorläufig muss die private Kundschaft noch nicht auf die erprobten Wyss-Schnäpse verzichten, sie sind nämlich auch nach der Schliessung zu kaufen.

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