Balmberg
Ein Winter-Entscheid im Hochsommer: Der Röti-Skilift wird abgebaut

Die Sanierung der Rutschung wird für die Sportanlagen Balmberg AG zu teuer. Weil das finanzielle Risiko wegen Schneemangels in den letzten Jahren zu gross geworden ist, wird der Röti-Skilift abgebaut.

Rahel Meier
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Der Röti-Lift wird wohl schon bald abgebaut und der Hang de Natur und den weidenden Rindern überlassen.

Der Röti-Lift wird wohl schon bald abgebaut und der Hang de Natur und den weidenden Rindern überlassen.

Hansjörg Sahli

Die starken Regenfälle im April 2013 haben weitreichende Folgen für die Sportanlagen Balmberg AG. Auf der sogenannten Erlenlochpiste (Skilift Röti) hatten sich nämlich Hangmuren und Rutschungen gelöst. «Da sind viele Kubikmeter Erde in Bewegung», erklärt Guido Sterki, Verwaltungsratspräsident der Sportanlagen Balmberg AG. Im Herbst 2013 habe man sich den betroffenen Hang mit Fachleuten des Amtes für Umwelt des Kantons Solothurn angesehen. Dabei habe sich gezeigt, dass die Situation nicht stabil ist und weitere Rutschungen möglich sind. «Wir haben deshalb beschlossen, den Lift in der Wintersaison 2013/2014 nicht zu öffnen», so Sterki. Das Risiko wäre zu gross gewesen. Laut Sterki ist der Anriss im Hang rund 50 Meter breit.

Landwirte betroffen

Das Land gehört in die Landwirtschaftszone und wird von zwei Landwirten auf dem Balmberg bewirtschaftet. «Wir haben ein Interesse daran, den Röti-Lift wieder aufzumachen, deshalb haben wir ein Planungsbüro mit einer Untersuchung beauftrag und ein Konzept erarbeiten lassen, das Sofortmassnahmen vorsah.» Eher ernüchternd waren die Kosten, die daraus hervorgingen. «Es war klar, dass wir mit 250 000 bis 300 000 Franken rechnen müssen», so Sterki.
Im Januar 2014 traf man sich wieder mit den kantonalen Fachstellen. Um den Hang zu sanieren, wäre eine Bewilligung aller involvierten kantonalen Ämter nötig gewesen. «Das hätte einen weiteren Auftrag an ein Planungsbüro bedingt», so Sterki. Der Kanton habe zwar die Subventionen für die Renaturierung der Siggern und für die Instandstellung des Landwirtschaftslandes zugesichert, doch waren die verbleibenden Restkosten zu gross.

Finanzielles Risiko zu gross

So habe sich der Verwaltungsrat entschieden, den Lift abzubauen. «In den letzten Jahren hatten wir wenig Schnee. Das finanzielle Risiko erschien uns als zu gross, so viel Geld zu investieren», erklärt Guido Sterki. Dies sei insofern schade, als die Liftanlage in Topzustand sei. «Vermutlich müssen wir den Lift als Altmetall entsorgen. Liftanlagen wie diejenige auf dem Balmberg sind nicht mehr gefragt. Wir engagieren uns weiterhin auf dem Balmberg», macht Sterki klar. «Es tut uns zwar weh, weil der Röti-Lift die schönste Piste erschliesst.» Aber immerhin würden der Kähle-Lift, der auch zum Nachtskifahren geeignet ist, der Bödeli-Lift und der Höfli-Lift – für die Kleinsten – weiterbetrieben. Auch habe man erst vor zwei Jahren ein neues Pistenfahrzeug gekauft.

Der Abriss ist im Hang auf dem Balmberg ist gut sichbar.

Der Abriss ist im Hang auf dem Balmberg ist gut sichbar.

Hansjörg Sahli

Nachhaltige Sanierung nötig

«Der Balmberg ist ständig in Bewegung.» Céline Pittet (Amt für Umwelt, wissenschaftliche Expertin Rohstoffe, Geologie, Naturgefahren) wurde nicht zum ersten Mal zu einem Hangrutsch gerufen. Schon im Jahr 2004 habe es am gleichen Ort eine grössere Rutschung gegeben. Die Landbesitzer und die früheren Skiliftbetreiber hätten selbst mit dem Einlegen von Rohren zur Entwässerung und mit dem Einbau von Pneus versucht, das Wasser aus dem Hang zu leiten. «Aber die Situation, die wir im Herbst 2013 antrafen, war eine andere. Es war klar, dass mit kleinen Massnahmen nichts erreicht wird und eine nachhaltige Sanierung nötig ist.»

Konkret müsste der Siggernbach, der auf dem Balmberg entspringt, renaturiert und das Landwirtschaftsland instand gestellt werden. Laut Pittet hätten die zuständigen kantonalen Amtsstellen Subventionen für diese Massnahmen zugesichert. Mindestens die vom Kanton. «Die Gemeinde und die Sportanlagen Balmberg AG versuchten zusammen, bei namhaften Institutionen wie beispielsweise der Berghilfe oder dem Sport- und Lotteriefonds an zusätzliche Gelder zu kommen.» Das Problem lag aber tatsächlich darin, dass diese nur Beiträge sprechen, wenn ein bewilligtes Projekt vorliegt. Und ein solches wurde schliesslich nicht erstellt. Vonseiten des Kantons müsse vorderhand nichts unternommen werden, da niemand mehr gefährdet sei. «Eine Sanierung liegt im Interesse der Eigentümer oder in diesem Fall der Betreiber des Skiliftes.»

Als Rinderweide benutzt

Daniel Deppeler bewirtschaftet einen Teil des vom Hangrutsch betroffenen Landes. «Für mich spielt es keine grosse Rolle, ob die Rutschung saniert wird oder nicht. Ich nutze das Land im Sommer für die Rinder.» Er versuche, das Wasser mit einfachen Mitteln aus dem Hang abzuleiten. Nicht ganz einig ist er sich mit Céline Pittet, wenn es um die Nutzung als Weide geht. Pittet ist sich ziemlich sicher, dass die Rinder mit ihrem Gewicht und den daraus entstehenden Viehgangeln ebenfalls dazu beitragen, dass sich oberflächlich mehr Wasser im Hang ansammeln kann und die löchrige Grasnarbe den Hang nicht mehr zusammenhält. Die Erfahrung zeige, dass es dann schneller Anrisse im Hang und Hangmuren oder Rutschungen gebe. Für Deppeler ist der Regen aber das grössere Problem.