Eigentlich müsste man das Publikum vor einem Besuch dieser Aufführung warnen, denn die Bauchmuskulatur wird durch das viele Lachen stark beansprucht. Ray Cooney und John Chapman waren Ende des 20. Jahrhunderts die ultimativen Komödienverfasser für die Londoner Boulevardbühnen. Dazu gehört auch das 1969 uraufgeführte Bühnenstück «Move over, Mrs. Markham», das in Zwischenzeit in verschiedenen Aufführungen etliche Theaterpreise eingeheimst hat. Kein Wunder, dass den Theatermachern in der Mausefalle dieses Stück für die Silvesterpremiere geeignet schien.

Die Ausgangslage ist ganz einfach: Philip Markham, Verleger von Kinderbüchern mit mittelprächtigem Erfolg, und seine Gattin Joanne wollen abends an das Essen der Verleger. Die dann leere Wohnung wollen das Dienstmädchen Sylvia und der Designer Allistair Spenlow für einen intimen Abend zu zweit nutzen. Allerdings sucht auch Joannes Freundin Lina Lodge eine Gelegenheit für einen Seitensprung mit Walter Pengbourne und bittet Joanne, ihr die Wohnung zu überlassen.

Den gleichen Wunsch äussert auch Henry Lodge, der Gatte von Linda und Geschäftspartner von Philip Markham, welcher den Abend mit Felicity Jane Wilkinson, einer Telefonistin, verbringen möchte. Nur dass er die Bitte an Philip richtet. Gewisse Umstände führen aber dazu, dass die Markhams das Essen sausen lassen und zu Hause bleiben.

Damit beginnt ein chaotisches Spiel mit Missverständnissen und Identitätswechseln, das seinen Höhepunkt erreicht, als Olive Harriet Smythe, eine Bestsellerautorin eintrifft, weil sie den Verlag wechseln will, da ihr bisheriger Verleger ein Pornobuch herausgebracht hat, was mit ihren moralischen Vorstellungen nicht im Einklang steht.

Boulevard vom Feinsten

Bei solchen Komödien kann es nie genug Türen geben. Dem trägt das Bühnenbild Rechnung und gestattet nebst dem Entrée dem Publikum auch einen Blick ins Schlafzimmer. Dazwischen selbstverständlich eine Türe, welche manchmal auch abgeschlossen ist. Damit es im richtigen Moment klingelt und die Mitwirkenden, öfters auch in nur leichter Bekleidung, im rechten Licht agieren, zeichnet Alexander Stingelin für die Technik verantwortlich.

Johnny Sollberger als Philip, im Grunde genommen ein richtiger Bünzli, spielt seinen Part ausgezeichnet. Sofia Meszaros als seine Ehefrau Joanne kann durchaus kapriziös werden, wenn sie meint, betrogen zu werden. Der immer ein erotisches Abenteuer suchende Henry wird von Nourdin Khamsi elegant verkörpert. So wirkt denn Sophie Nyfeler als seine Ehefrau Linda glaubwürdig, wenn sie auch mal fremdgehen will. Christoph Stapfers Designer Allistair macht seiner Rolle entsprechend stark auf eingebildeten Künstler.

Dominique Lysser ist ein liebliches Dienstmädchen Sylvia, Milica Stanojevic eine schnell zur Sache kommende Felicity und Anne-Catherine Kramis die moralisierende Olive, welcher alle anderen auf der Nase herumtanzen. Schliesslich ist da noch Gregor Wild als Walter, angelegt als spleeniger Engländer, welcher auch im Bett seinen Hut auf behält. Alle bringen eine überzeugende Ensembleleistung auf die Bühne, vermögen den geschliffenen Dialogen ihren Sinn und ihre Zweideutigkeiten zu geben, ohne unter die Gürtellinie abzurutschen.

Weitere Daten: Fr. 10., Sa. 11. Januar, je 20 Uhr, So. 12. Januar, 17 Uhr, Fr. 17., Sa. 18., Fr. 24., Sa. 25. Januar, je 20 Uhr.