Nach seiner letzten Haftentlassung im Februar 2010 ging Christian F.* sofort wieder regelmässig im Wasseramt auf Einbruchstouren. Fast 50 Delikte sind in 15 Monaten zusammengekommen, für die sich der 30-jährige Schweizer gestern vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt verantworten musste.

Sein Leben könnte eine Nebenrolle im Film «Wir Kinder vom Bahnhof Zoo» sein: Christian F. wuchs in einer intakten Familie auf, züchtete als Teenager Kaninchen und machte eine Handwerkerlehre. Aber dann kam er mit Heroin in Kontakt, stürzte bös ab und wurde schon als Jugendlicher straffällig. Mittlerweile ist Christian F. siebenfach vorbestraft, wobei Verkehrsdelikte unter Drogeneinfluss dominieren.

Dann schien er wieder Boden unter den Füssen zu finden. Er wurde Vater und eröffnete im Wasseramt einen kleinen Gewerbebetrieb. Als jedoch seine Lebenspartnerin tödlich verunfallte, stürzte Christian F. wieder ab, diesmal ins Bodenlose. «Die Drogen hatten ihn derart im Griff, dass er manchmal nicht einmal mehr das Geld hatte, um sich etwas zum Essen zu kaufen», beschrieb Verteidiger Ulrich Kiener den Zustand seines Mandanten.

Staatsanwalt: Hohes Rückfallrisiko

In dieser desolaten Situation brach Christian F., einst respektiertes Mitglied des lokalen Gewerbevereins, in Gewerbebetriebe ein, um etwas Essbares und ein paar Franken zu erbeuten, mit denen er seine Drogensucht finanzieren konnte. Unter den 22 Privatklägern befinden sich beispielsweise das Busdepot der BSU, diverse Kioske und Restaurants, aber auch die Hornussergesellschaft Gerlafingen/Zielebach und die Zuchwiler Schützen. Alleine die Mühle Landshut suchte er fünfmal heim.

Als jemand bei ihm ein gestohlenes Töffli wiedererkannte, wurde Christian F. von der Polizei kontrolliert, wobei diese noch ein halbes Dutzend weitere gestohlene Fahrzeuge fand, die F. weiterverkaufen wollte. Selbst die einstige Kaninchenzucht wendet sich nun gegen ihn: Die Polizei fand bei F. eine Kaninchenpistole, was einen Verstoss gegen das Waffengesetz darstellt.

Vorgeworfen wird Christian F. gewerbsmässiger Diebstahl, Betrug, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, das Waffengesetz und das Strassenverkehrsgesetz. Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. «Er ist bereits siebenfach einschlägig vorbestraft und muss jetzt die volle Härte des Gesetzes spüren», argumentierte Marc Finger. Zudem gehe der psychiatrische Gutachter von einem sehr hohen Rückfallrisiko aus.

In den meisten Anklagepunkten bekannte sich F. schuldig. Aber die Kabelrollen aus Kupfer, die er bei der Synthes-Baustelle in Zuchwil aus einer Mulde abtransportiert hatte, wollte er nicht als Diebstahl beurteilt sehen. «Es gibt keinen Geschädigten, da das Metall bereits weggeworfen worden war», erklärte der Verteidiger in seinem Plädoyer. «Es ist eine lästige Anhäufung von Kleinkriminalität», beschrieb die Verteidigung die Taten weiter, «jeder einzelne Fall würde für sich nicht so schwer wiegen.» Ulrich Kiener forderte deshalb für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe von nur zwei Jahren.

Einig bei der Massnahme

«Ich bin noch nicht über den Berg», sagte Christian F., als er von Gerichtspräsident Ueli Kölliker auf die Drogenbehandlung im Therapiezentrum Niederlenz angesprochen wurde, wo er seit 16 Monaten interniert ist. Hier arbeitet er auf dem Bau, wo er zum Baggerfahrer ausgebildet wird. Und so waren sich alle Seiten einig, dass diese Massnahme weitergeführt werden soll. Sogar F. bat darum, als ihm das Gericht die Gelegenheit zu einem letzten Wort erteilte: «Der streng geregelte Tagesablauf ist im Augenblick das Beste für mich. Ich habe eine wirklich tolle Arbeit und fühle mich zum ersten Mal im Leben integriert.» Das Urteil wird heute Dienstag verkündet.

* Name von der Redaktion geändert