Anders als die Mitteparteien und deren Bundesrätinnen sprach sich die sozialdemokratische Partei schon lange vor Fukushima für den Atomausstieg und die Förderung erneuerbarer Energien aus. Wie die von Bundesrat und Parlament beschlossene Energiewende aussehen könnte, war Thema des Anlasses, zu dem die SP Bucheggberg am Mittwochabend nach Hessigkofen lud. Wenn der Ausstieg auch gelingen solle, sei es wichtig, dezentrale Lösungen zur Energiegewinnung anzuwenden wie eben im Solardorf Hessigkofen, so Parteipräsident Walter Uebelhart.

Vor vier Jahren bewilligte die Gemeindeversammlung von Hessigkofen aus der Elektrakasse 100 000 Franken für den Bau von Solaranlagen. Pro gebauten Quadratmeter Solaranlage zahlt die Gemeinde 200 Franken. Maximal stehen aus diesem Solarfonds jedem Haushalt 2000 Franken zu. «Wir hatten das Glück, in unserer Gemeinde über ein paar Idealisten zu verfügen, die das Ganze angestossen haben», erklärte Gemeindepräsident Thomas Steiner. Es sei aber unabdingbar, dass der politische Wille von den Behörden und auch der Bevölkerung da sei. «Ohne diesen Willen geht nichts.» Heute verfügt das 250-Seelen-Dorf über 35 Solaranlagen und eine Pro-Kopf-Fläche an Solarpanels von über zwei Quadratmetern.

Auch die Gemeinde selber produziert Solarstrom. Die Anlage auf dem Dach des Feuerwehrmagazins liefert jährlich 12 000 Kilowattstunden Strom. «Dies entsprach in etwa der Menge Strom, die wir nach Inbetriebnahme der Anlage für die Strassenbeleuchtung brauchten», erklärte Patrik Lischer, ehemaliger Gemeinderat. Inzwischen hat man in Hessigkofen die 35 Strassenleuchten mit LED-Lampen ausgerüstet und konnte so den Strombedarf um die Hälfte senken.

Zwei Prozent Rendite

Das Solardorf basiert nicht nur auf Strom. Während der produzierte Solarstrom 10 Prozent des gesamten Strombedarfs ausmacht, konnte mit den thermischen Anlagen, die Warmwasser produzieren, 20 Prozent des Strombedarfs eingespart werden.

Letzte Station des Rundgangs war die neue Scheune von Biobauer Niklaus Bolliger, auf deren Dach die Genossenschaft Optimasolar ein Solarkraftwerk betreibt, das Strom für rund fünf Haushalte liefert. Mit Niklaus Bolliger, Patrik Lischer und dem Solarunternehmer Daniel Lehmann gehören drei Hessigkofer dem Verwaltungsrat der Genossenschaft an. Optimasolar hat, Stand heute, drei Anlagen am Netz, deren sechs befinden sich im Bau und ihrer vier in Planung.

Attraktiver Wärmeverbund

Während sich Hessigkofen Solardorf nennt, darf sich Aetigkofen durchaus «Schnitzeldorf» nennen. Von den etwas über 60 Haushalten, welche das Dorf zählt, beziehen gut zwei Drittel ihre Heizwärme ab der Holzschnitzelheizung im Schulhaus», so der Aetigkofer Bürgergemeindepräsident Daniel Emch. In Aetigkofen macht man seit bald zwanzig Jahren gute Erfahrungen mit einem Energieverbund. Seit 1995 sind 13 Haushalte an der Schnitzelheizung im Schulhaus angeschlossen. Als sich abzeichnete, dass die alte Anlage an ihre Leistungsgrenze kommt, machte man auf Initiative der Bürgergemeinde Nägel mit Köpfen und baute Heizanlage und Leitungsnetz aus.

Dass zu den bestehenden Haushaltanschlüssen jetzt über zwanzig neue hinzugekommen sind, ist nicht zuletzt den finanziell interessanten Bedingungen zuzuschreiben. «Jeder Bezüger hat eine einmalige Anschluss- und eine jährliche Unterhaltspauschale zu leisten», erklärte Emch den Anwesenden. «Zudem liegen die Energiekosten mit 6,17 Rappen pro Kilowattstunde unter dem durchschnittlichen Heizölpreis.» Die jährlichen Heizkosten für ein durchschnittliches Einfamilienhaus veranschlagt Emch mit rund 1200 Franken. «Und mit diesem Preis ist alles bezahlt. Man braucht keinen Kaminfeger mehr und hat im Keller erst noch zusätzlichen Platz gewonnen.»