Statt den dritten Lebensabschnitt geniessen zu können, hat Hans Stebler seit der Pensionierung Ärger. Mit den Nachbarn und mit der Baubehörde. Vor seinem Haus in Luterbach hat er auf Tafeln dokumentiert, worüber er sich so aufregt. Angefangen hat es an seinem ersten Frühlingstag als Rentner. Stebler sass im Garten und hörte Radio. «Da riefen schon die Nachbarn und sagten, ich soll leiser stellen.» Die nachbarschaftlichen Beziehungen an der Luterbacher Unterführungsstrasse sind kompliziert. Seit längerem schwelt Streit.

Der nächste Ärger folgte, als die kommunale Baubehörde in seinem Garten aufkreuzte, die er wegen des Maschendrahtzaunes bestellt hatte. Der Zaun markiert die Grenze zum Nachbargrundstück. «Weil Steine dagegen drückten, verbog sich der Zaun und ich konnte nicht jäten.» Trotz Aufforderung hätten die Nachbarn die Steine nicht weggenommen, sagt der 68-Jährige.

Doch statt nur den Zaun nahmen die Gemeindevertreter beim Augenschein gleich noch seinen Garten ins Visier. Und entdeckten Ungereimtheiten. Sie stellten fest, dass der Teich zu nahe an der Grenze zum Nachbargrundstück steht und die Folie darüberragt.

Nun muss Stebler zwei Meter des Biotops zuschütten, das er 1998 gebaut hat. Er zeigt die Baubewilligung. «Als ich in der Umweltschutzkommission war, wurden Biotope in den Quartieren gefördert. Nun ist so etwas plötzlich nicht mehr erwünscht.» Dass er den Teich mit seinen Lebewesen nach 16 Jahren nun zuschütten müsse, schmerze ihn.

Wegen ein paar Zentimetern

Noch länger zurück liegt der Bau der Garage neben Steblers Einfamilienhaus. Vor 42 Jahren wurde die Garage aufgestellt, vor 14 Jahren wurde ein Flachdach daraufgesetzt. Nun muss auch diese Baute weichen: Das Dach ragt zwischen 35 und 43 Zentimeter über die Grenze zum Nachbargrundstück, die Garage 6 bis 11 Zentimeter.

Damals, vor 42 Jahren, sei das Verhältnis seiner Schwiegermutter mit den Nachbarn noch intakt gewesen. Die geringe Grenzüberschreitung sei kein Problem gewesen, sagt Stebler. «Dabei hätte das von den Behörden so nie bewilligt werden dürfen.»

Mittlerweile hat Stebler, der vor der Pensionierung bei der ABB in Deitingen für den Maschinenunterhalt zuständig war, die Garage um die notwendigen Zentimeter verschoben. Zwischen der Baute und dem Schopf auf dem Nachbargrundstück klafft nun eine unschöne Lücke. Denn eine Überbaubewilligung habe er nicht erhalten. «So etwas ist kaum zu begreifen», sagt Stebler. «Ich bin masslos enttäuscht.»

Weil es sich um laufende Geschäfte handle, gibt die Baubehörde von Luterbach keine Auskunft zum Fall. «Wir können aber festhalten, dass alle Geschäfte ordentlich eröffnet und verfügt wurden», so Bauverwalter Bernd Schultis. «Gegen keine Verfügung wurde das gewährte Rechtsmittel ergriffen. Sie sind somit rechtskräftig.»

Lichtverschmutzung im Garten

Hans Stebler akzeptiert die Verfügungen, sagt er. «Prozessieren kostet nur Geld»: Auf Stellwänden vor seinem Haus hat er weitere Vorfälle dokumentiert, über die er sich ärgert. «Das glaubt mir ja sonst niemand», sagt er. Auch seine Lichtskulptur im Garten sei den Gemeindebehörden ein Dorn im Auge gewesen – eine fast zwei Meter hohe Lampe in Form eines Pilzes auf einer fahrbaren Platte.

«Es hiess, ich brauche dafür eine Baubewilligung.» Auf die konkrete Nachfrage, ob die Lampe wirklich bewilligungspflichtig ist, habe er bis heute keine Antwort erhalten. «Das kann es doch nicht sein», moniert er.

Nicht genug: Auf einmal hätten sich die Nachbarn über die Lichtverschmutzung beschwert, die die Lampe verursacht. Stebler glaubt, Nachbarn und Behörden hätten sich auf ihn eingeschossen. Auf der Gegenseite will niemand offen Stellung nehmen. Immerhin: Die Gemeinde habe bewilligt, dass er die Tafeln als «Baureklame» stehen lassen kann, bis er die Anordnungen befolgt habe.

Bis Ende Jahr muss Hans Stebler das Garagendach zurückbauen. Er will der Verfügung nicht nachkommen und bis im Frühling warten. «Im Moment habe ich genug zu tun mit anderen Sachen.»