Praktikum

Ein Oensinger lehrte moldawische Bauern

Mitten in einem Sommergerstenfeld erklärt André Stucki (rechts) einer Gruppe moldawischer Bauern Details zu seinem Feldversuch. (zvg)

Mitten in einem Sommergerstenfeld erklärt André Stucki (rechts) einer Gruppe moldawischer Bauern Details zu seinem Feldversuch. (zvg)

Sein Agronomiestudium brachte den Oensinger André Stucki nach Moldawien. Dort arbeitete er sechs Monate in einem Forschungsprojekt und schaffte sich die Grundlage für seine Abschlussarbeit.

Er orientiere sich gerne an den Wurzeln seiner Vorfahren sagt André Stucki über sich selbst. «Meine Grosseltern waren Gärtner und Landwirte und meine Eltern waren beruflich viel im Ausland unterwegs. Deshalb studiere ich nun wohl internationale Landwirtschaft», schmunzelt er.

Dank dem Studium der internationalen Landwirtschaft könne er sein Interesse an naturwissenschaftlichen Fragestellungen mit jenen am weltpolitischen Geschehen und dem Thema der Ernährungssouveränität verbinden. Im seinem letzten Studienjahr an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Zollikofen kam André Stucki diesem Idealbild noch etwas näher: ein halbjähriges Berufspraktikum im Ausland stand auf dem Programm.

Osteuropäische Länder, deren Kultur, Geschichte und Sprache haben André Stucki schon länger angezogen. Die Himmelsrichtung war bei der Wahl des Praktikumortes deshalb von Beginn weg klar: der Osten, und zwar der europäische Osten. «Ich wollte mich in der Nähe engagieren und nicht um die halbe Welt fliegen», entgegnet er auf die Frage, wieso es ihn nicht nach Asien, Afrika oder Südamerika gezogen hat. So flog er im vergangenen Februar nach Chisinau, aus dem kalten Schweizer Winter in den eisigen Winter der moldawischen Hauptstadt. Von dort reiste er weiter in die Industriestadt Balti, wo er die sechs Monate seines Praktikums verbringen sollte.

Beidseitiger Nutzen

Während seines Aufenthaltes widmete er sich zwei Projekten. Einerseits wertete er ein Ausbildungsprogramm für moldawische Bauern aus, das von einer lokalen Hilfsorganisation aufgebaut worden war. «Solche Kurse sind sehr wichtig, weil es in Moldawien keine Bauernlehre wie in der Schweiz gibt. Viele Bäuerinnen und Bauern kommen aus anderen Berufen, haben früher zum Beispiel in der Verwaltung gearbeitet. Ihnen fehlt teilweise grundlegendes Fachwissen», erklärt André Stucki.

Im zweiten Teil seines Praktikums verbrachte der Agronomiestudent viel Zeit auf den Äckern rund um Balti. In einem Feldversuch untersuchte er, welche Pflanzen sich am besten als Einsaat für Getreide eignen. Die zusammen mit dem Getreide ausgesäten Pflanzen, zum Beispiel Weissklee, sorgen mit ihrem dichten Wachstum dafür, dass es weniger Unkraut auf den Feldern gibt. Auch sind sie ein natürlicher Düngerlieferant und wirken nach der Getreideernte dem Austrocknen des Bodens entgegen. Gerade die Trockenheit in den Sommermonaten ist eines der Hauptprobleme der moldawischen Landwirtschaft. «Als ich nach Moldawien kam, fiel mir zuerst auf, wie braun dort alles ist und wie wenig Vegetation es gibt.»

Extreme Gegensätze

Seine Arbeit brachte ihm aber nicht nur neue Erkenntnisse, sondern ermöglichte ihm auch, das Land zwischen dem europäischen und russischen Kulturraum und seine Bevölkerung kennenzulernen. Die gastfreundlichen Menschen sind ihm von Beginn weg ans Herz gewachsen. In den sechs Monaten hat er aber auch weniger schöne Seiten gesehen. Vor allem die Armut der Landbevölkerung hat André Stucki bewegt: «Wenn du siehst, wie arm vor allem alte Menschen auf dem Land sind, dann beschäftigt einen das schon sehr. Erst recht wenn ich mir die extremen Gegensätze in Moldawien vor Augen geführt habe: in den Städten fahren die neusten Mercedes-Modelle umher, während in den Dörfern die Kleinbauern mit Pferdefuhrwerken unterwegs sind.» Die Zeit in Moldawien wird André Stucki noch lange in Erinnerung bleiben; sie hat seine Faszination für Osteuropa noch vertieft.

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